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Corona-Impfung - Zweite Dosis verschieben? Was dagegen spricht

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Der Impfstoff von Biontech/Pfizer entfaltet seine volle Wirkung erst nach zwei Injektionen. Doch das Mittel ist knapp. Kann die zweite Dosis nicht auch später folgen?

Impfbeginn Berlin (Berlin)
Wie spät darf die zweite Impfung verabreicht werden?
Quelle: Markus Schreiber/AP POOL/dpa

Die Idee ist auf den ersten Blick simpel und einleuchtend: Um zumindest einen gewissen Schutz gegen Corona zu haben, könnten möglichst viele Menschen zunächst die erste Dosis des Impfstoffs bekommen - müssten dann aber auf die zweite warten. Denn eigentlich müssen zwei Dosen im Abstand von etwa drei Wochen verabreicht werden, damit das Mittel möglichst viel Schutz bietet.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will aufgrund der begrenzten Impfstoff-Mengen prüfen lassen, ob die zweite Dosis auch deutlich später gespritzt werden kann. Auch in anderen Ländern wird das diskutiert. Bei Expertinnen und Experten gehen die Meinungen auseinander – die wichtigsten Fragen dazu:

Wie ist das aktuelle Vorgehen beim Impfen?

Da in Deutschland erst Ende Dezember mit dem Impfen begonnen wurde, ist bislang nicht bekannt, dass jemand regulär bereits die zweite Dosis bekommen hätte. Empfohlen ist laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur, die zweite Dosis "mindestens 21 Tage" nach der ersten zu spritzen. Die WHO empfiehlt einen Abstand von 21 bis 28 Tagen.

In der entscheidenden Phase-III-Studie des Biontech/Pfizer-Impfstoffs Comirnaty mit rund 36.000 Teilnehmer*innen hat laut Biontech die Mehrheit der Probanden "die zweite Impfstoffdosis wie im Studienprotokoll vorgeschrieben" bekommen - also nach 21 Tagen. Den Ergebnissen zufolge hat der Impfstoff sieben Tage nach der zweiten Dosis eine Wirksamkeit von 95 Prozent entfaltet.

Bundeskanzlerin Merkel hat mit den zuständigen Ministern über das weitere Vorgehen bei der Impfstoff-Produktion beraten. Damit soll die Herstellung des Vakzins beschleunigt werden.

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Warum braucht es überhaupt eine zweite Dosis?

Bei der Impfung mit Comirnaty werden die Körperzellen angeregt, einen bestimmten Virus-Baustein selbst herzustellen. Dieser Baustein gaukelt dem Körper eine Infektion vor, das Immunsystem wird aktiviert und bildet beispielsweise Antikörper. Allerdings sei diese Reaktion nach der ersten Dosis noch nicht besonders ausgeprägt, erklärt Sebastian Ulbert vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI). Erst nach der zweiten kommt es zu einem sogenannten Boost-Effekt, das Immunsystem springt richtig an und ist für eine spätere Infektion mit Sars-CoV-2 gerüstet.

Was spricht dafür, zunächst nur die erste Dosis zu geben?

Schiebt man die zweite Dosis nach hinten, ist erst mal mehr Impfstoff da, um mehr Menschen die erste Spritze zu setzen. Die Hoffnung ist, dass diese allein schon einen gewissen Schutz bietet. So weist etwa die Gesellschaft für Immunologie darauf hin, "dass bereits die erste Impfung ab Tag 14 einen beträchtlichen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten kann".

Es dürfe zwar nicht auf die zweite Dosis verzichtet werden, aber: "In dieser besonderen Pandemielage ist es vertretbar, mit den jetzt vorhandenen Impfdosen möglichst vielen Menschen erst einmal die erste Immunisierung zu ermöglichen, und die zweite Impfung verzögert, aber zwingend innerhalb von 60 Tagen nachzuholen."

Was spricht dagegen?

Die Datenlage, denn die ist einigen Expertinnen und Experten zufolge für eine solche Entscheidung recht schwach. Kein Wunder, denn der Schutz nach nur einer Impfung war nicht Forschungsgegenstand.

Ich glaube, dass Menschen nach der ersten Spritze nicht gut geschützt sind.
Sebastian Ulbert, Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie

Publizierte Daten zur Immunantwort von Probanden würden zeigen, dass der Körper nach der ersten Dosis kaum schützende Antikörper bildet. Es fehle eine Studie mit Zehntausenden Probanden, um die Dauer und Stärke der Schutzwirkung nach nur einer Dosis korrekt beurteilen zu können, sagt Ulbert. Die Angaben zu einer Wirksamkeit von 52 Prozent nach nur einer Spritze bezeichnet er aufgrund der geringen Anzahl der aufgetretenen Covid-19-Erkrankungen in der Studie als "nicht sehr zuverlässig".

Was sagt der Hersteller?

Biontech weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass in der Phase-III-Studie Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs nur für den Fall untersucht wurden, dass die zweite Dosis 21 Tage nach der ersten erfolgt. "Auch wenn Daten aus der Studie gezeigt haben, dass ein gewisser Schutz auch schon zwölf Tage nach der ersten Impfung besteht, gibt es bisher keine Daten, dass ein Schutz nach der ersten Dosis auch über 21 Tage hinaus erhalten bleibt."

Wäre eine solche Impfstrategie überhaupt zulässig?

Für Corona-Impfstoffe in der EU ist die EMA in Amsterdam zuständig. Diese sagt: Würde der Abstand zwischen erster und zweiter Impfung etwa auf sechs Monate vergrößert werden, "würde das eine Änderung der Bedingten Marktzulassung sowie mehr klinische Daten" notwendig machen.

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