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Corona-Folgen für Veranstalter - "Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll"

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Musiker, Schausteller, Eventmanager: Die Absage von Veranstaltungen wegen des Coronavirus trifft Kleinunternehmer und Selbstständige hart. Drei Betroffene erzählen.

Archiv: Besucher fahren am 20.04.2019 auf dem Stuttgarter Frühlingsfest einige Runden im Kettenkarussell.
Ein Kettenkarussell auf dem Stuttgarter Frühlingsfest: Die Absage von Großveranstaltungen wegen des Coronavirus macht besonders Schaustellern schwer zu schaffen.
Quelle: dpa

Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern werden in den meisten Bundesländern mindestens bis zum 19. April abgesagt. Auch kleinere Events stehen wegen des Coronavirus auf dem Prüfstand. "Das betrifft viele Veranstalter und hunderte Veranstaltungen", sagt Thomas Kollner, Sprecher vom Entertainment-Unternehmen eventim. "Das wird maßgeblich unseren Alltag verändern."

Für manche verändert es viel mehr als nur den Alltag: Das Coronavirus ist schon jetzt für viele existenzbedrohend - besonders Selbstständige, Künstler und Schausteller kämpfen schwer mit der Corona-Krise - drei Beispiele.

"Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll"

Fragt man Werner Baumeister nach den Folgen der Coronoavirus-Epidemie, anwortet er "extremst" - und selbst durch das Telefon sind mehrere Ausrufezeichen zu hören. "Für uns sind das existenzielle Fragen, wir wissen nicht, wie es weitergehen soll", sagt er. Mit "uns" meint er die Schausteller, deren Saison jetzt im Frühling hätte beginnen sollen.

Werner Baumeister an seinem Schaustellerstand: Die nächsten Wochen sehen für ihn wegen des Coronavirus düster aus.
Werner Baumeister an seinem Schaustellerstand: Die nächsten Wochen sehen für ihn düster aus.
Quelle: Rolf Baumeister

Baumeisters Schaustellerbetrieb hat im Sommer Stände mit gebrannten Mandeln, einen Eiswagen und einen Gewürzhandel. Aber im Moment ist er sich nicht sicher, ob er überhaupt Waren einkaufen soll. Bisher sind für ihn zwei Märkte abgesagt worden, es könnten schnell mehr werden.

Eine Entschädigung für seinen Verdienstausfall gibt es nicht, das Platzgeld muss er trotzdem zahlen. "In den Verträgen steht, wir haben keinen Anspruch auf Rückerstattung, wenn wegen 'höherer Gewalt' abgesagt werden muss", sagt er. Wenn das so weiterginge, wüsste er nicht, wie er seine Mitarbeiter demnächst bezahlen soll. "Wir sind da in einer sehr prekären Situation."

Mehr zu den Absagen von Großveranstaltungen im Video:

Baumeister versteht dabei nicht, warum die Absage von Großveranstaltungen auch Volksfeste so hart treffen soll: "Die Gelände sind meist weitläufig, da ist doch Straßenbahnfahren gefährlicher." Er schlägt vor, bei einer 1.000-Besucher-Grenze für Veranstaltungen auch den Platz miteinzubeziehen, auf dem sie sich verteilen, die Besucherzahlen für Feste zu begrenzen sowie für gute Hygiene zu sorgen. "Wir sind offen für alle möglichen Maßnahmen", sagt er.

"Es fühlt sich an wie Sommerloch"

Frank Berwig hat mit seinem Bruder eine kleine Firma für Veranstaltungstechnik. Die "EVM Medientechnik Berwig & Hübner GmbH" gibt es seit 22 Jahren, sie hat den Auftragseinbruch nach 9/11 überlebt und die Finanzkrise 2008. Aber jetzt sagt Berwig: "Wenn das noch drei, vier Monate so weitergeht, müssen wir uns ernsthafte Gedanken machen." Er versuche aber, optimistisch zu bleiben.

Frank Berwig hat eine kleine Firma für Medientechnik: Die Absage vieler Veranstaltungen wegen des Coronavirus ist für ihn und seine Mitarbeiter schwierig.
Frank Berwig hat eine kleine Firma für Medientechnik: Die Absage vieler Veranstaltungen wegen des Coronavirus ist für ihn und seine Mitarbeiter schwierig.
Quelle: evm medientechnik gmbh

Eigentlich betreffen seine Aufträge gar nicht mal die Großveranstaltungen, sondern Messen, Seminare und Firmenkonferenzen, Größenordnung 50 bis 100 Leute.

Aber Berwig beobachtet, dass auch diese Veranstaltungen häufig abgesagt oder verlegt werden: "Niemand will am Ende Schuld sein." In den Medien werde ja häufig sehr genau gesagt, wo sich die Infizierten aufgehalten haben - das wolle niemand riskieren. Eine Kostenerstattung bekommt er nur bei sehr kurzfristigen Absagen, Verschiebungen seien nicht immer so leicht realisierbar. Zurzeit kämen auch nur wenige neue Aufträge rein. "Es fühlt sich an wie Sommerloch", sagt Berwig.

Was ihn besonders ärgert, sind die Versprechungen von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Peter Altmaier (CDU): Sie sagten im ZDF-Interview, dass es ihr Ziel sei, dass kein Unternehmen Schaden nehme. "Das klingt souverän, aber wie soll das gehalten werden?", fragt er sich. Mit Kurzarbeit sei so kleinen Unternehmen wie seinem nicht geholfen. "Diese vollmundigen Aussagen sind keine Hilfestellung", ärgert er sich.

"Im Moment steht alles still"

Wolfgang Hering ist Musiker für Kinderlieder und Buchautor, für den Jahresanfang hatte er eine Asien-Tour geplant. Er war von deutschen Schulen und Gesellschaften in China, Hongkong und Japan eingeladen worden - das meiste wurde abgesagt. "Das sind immense Ausfälle, von den Honoraren bekomme ich nichts wieder." Die Flugtickets musste er zwar nicht bezahlen, aber die Umbuchungskosten.

Wolfgang Hering ist Autor und Musiker für Kinderlieder - die Absage von Messen, Workshops und Auslandsreisen wegen des Coronavirus lassen ihn Moment eine kreative Pause machen.
Wolfgang Hering ist Autor und Musiker für Kinderlieder - viele seiner Bühnenauftritte wurden abgesagt, momentan macht er eine "kreative Pause".
Quelle: Fred Gasch

Als er von der eingekürzten Tour zurückkam, musste er feststellen: Auch Tagungen, Workshops und Messen in Deutschland fallen wegen des Coronavirus aus. Für die Bildungsmesse didacta hatte er ein Bühnenprogramm vorbereitet. "Da steckt so viel Organisationsarbeit drin, Messen haben ein Dreivierteljahr Vorlauf", sagt er.

Auch die Leipziger Buchmesse wurde abgesagt, die Musikmesse in Frankfurt verschoben. "Das sind alles Termine, wo ich Kontakte für neue Projekte pflege, Workshops mache und Werbung für mein neues Buch", sagt Hering. "Im Moment steht alles still." Er versuche, aus der Not eine Tugend zu machen und nutze die Zeit, um Lieder schreiben, es blieben ihm noch Einkünfte aus Gema-Gebühren, Büchern und Liederabdrucken.

Bei vielen seiner Kollegen sehe das aber ganz anders aus. "Viele leben hauptsächlich von ihren Live-Auftritten", sagt er. Oft würden Musiker auch auf Eintrittsbasis auftreten - wegen des Coronavirus kommen aber nicht mehr etwa 80 Leute in einen Jazzclub, sondern vielleicht 20. "Es wird nicht nur viel abgesagt, es kommt auch viel weniger Publikum", beobachtet Hering. Er hoffe, dass nicht bald alles zum Stillstand kommt wie in Italien.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus lesen Sie hier:

Ärzte und Krankenschwestern am 22.04.2020 in einem Krankenhaus in Barcelona
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Debatte um Corona-Regeln, Pläne für Schnelltests und Impfstoffe - alle Entwicklungen zur Pandemie in Deutschland und weltweit hier im Blog.

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