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Wird das Coronavirus zur Gefahr in Afrika?

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Bisher nur wenige Fälle - Wird das Coronavirus zur Gefahr in Afrika?

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Experten sind sich einig: Bricht das Coronavirus in Afrika großflächig aus, könnte das die schwachen Gesundheitssysteme überlasten. Aber bisher ist die Ausbreitung gering.

Archiv: Ein Mann mit einer Schutzmaske am 06.03.2020 in Dakar (Senegal)
Mann mit Schutzmaske im Senegal
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Man kann die frische Farbe noch riechen, als Kenias Gesundheitsminister Mutahi Kagwe ein innerhalb von sieben Tagen hergerichtetes Isolationszentrum in Nairobi eröffnet. Demonstrativ sind neben ihm Kartons mit der Aufschrift "PPE - Personal Protective Equipment" gestapelt. Krankenschwestern in weißer Schutzkleidung mit Masken und Brillen werden vorgeführt. Das Zentrum hat 130 Betten und ist das zweite Zentrum dieser Art in Kenia.

Bisher sind nur in rund einem Dutzend der 54 Staaten Afrikas Fälle des neuen Coronavirus Covid-19 bestätigt worden, insgesamt knapp über 100 Fälle. Dies sind im Vergleich zu den Fallzahlen in Europa und Asien winzige Dimensionen. Experten wundert es, dass insbesondere Sub-Sahara-Afrika mit seinen regen Flugverbindungen und Geschäftskontakten nach China bisher so wenige Fälle registriert hat.

Coronavirus in Afrika: Ein neues Isolationszentrum in Kenia wird eingeweiht.
Coronavirus in Afrika: Das neue Isolationszentrum in Kenia wird eingeweiht.
Quelle: ZDF

Herausforderung: Beschränkte Testmöglichkeiten

Zu Anfang des weltweiten Ausbruchs von Covid-19 hatten gerade einmal zwei Staaten in Afrika Testmöglichkeiten. Mittlerweile wurden Labore in 39 der 54 Staaten geschult und mit insgesamt 17.000 Testkits ausgestattet, teilt das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Afrika auf Anfrage mit.

Außerdem hat das Afrika-Zentrum für Krankheitsbekämpfung und Prävention (Africa CDC) seit Beginn der Krise bereits hunderte Experten aus den Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union in verschiedenen Aspekten der Prävention und Kontrolle von Covid-19 geschult.

Krankenschwestern auf einem Flur des neuen Isolationszentrums in Kenia wegen des Coronavirus.
Krankenschwestern auf einem Flur des neuen Isolationszentrum in Nairobi.
Quelle: ZDF

Ist ein großflächiger Ausbruch unentdeckt geblieben?

Einige Wissenschaftler fürchten, dass aufgrund der eingeschränkten Testmöglichkeiten und der schwachen Gesundheitssysteme das neue Coronavirus bereits unbemerkt in Afrika ausgebrochen sein könnte. Dr. Ngoy Nsenga, Teamleiter der Notfallsektion für Ost- und Südafrika bei der WHO, widerspricht dem:

Unsere Gesundheitsüberwachung in Afrika funktioniert. Der Beweis sind die Signale, die wir bekommen, die Fälle, die wir aufgreifen.
Ngoy Nsenga, Teamleiter der Notfallsektion für Ost- und Südafrika bei der WHO

Nsenga verweist auf die kontinuierlich gemeldeten Fälle sowie getätigten Tests in der ganzen WHO-Region Afrika - nach Stand vom 5. März 2020 waren es 390 Tests. Zur Einordnung: In Deutschland wurden laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung allein in der ersten Märzwoche 10.700 Menschen getestet. Nsenga bescheinigt den Gesundheitsbehörden gute Arbeit beim Aufspüren der Verdachtsfälle.

Mehr zur weltweiten Ausbreitung im Video:

Das Coronavirus hat Deutschland erreicht und breitet sich aus. Rasend schnell nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Beitragslänge:
44 min
Datum:

Coronavirus könnte große Gefahr für Afrika sein

Dennoch sieht auch Nsenga eine große Gefahr für Afrika. Denn die schwachen Gesundheitssysteme hier, gepaart mit einem schlechteren durchschnittlichen Gesundheitszustand der Bevölkerung könnten bedeuten, dass die Folgen eines Coronavirus-Ausbruchs deutlich schlimmer wären als anderswo.

Eine unter anderem von den indonesischen Behörden aufgeworfene Erklärung für wenige Covid-19-Fälle in bestimmten Regionen der Erde ist das Klima. Möglicherweise verbreite sich das Virus unter bestimmten Klimabedingungen schwerer. Allerdings gibt es hierfür bisher keine belastbaren wissenschaftlichen Beweise, so Nsenga.

Officials monitor thermal scanners as passengers walk past upon arrival of a flight
Vorbereitungen aufs Coronavirus: In einigen Ländern in Afrika gibt es Kontrollen am Flughafen und strenge Einreisebestimmungen.
Quelle: reuters

Bisher ergriffene Maßnahmen in Afrika

Neben der intensiven Beschaffung von Testkits, Schutzausrüstung und der Einrichtung von Isolationszentren konzentrieren sich viele noch nicht betroffene Länder in Afrika momentan darauf, einen "Import" des Coronavirus zu verhindern. Hierzu werden verstärkt Gesundheitsscreenings an Flughäfen und Grenzübergängen durchgeführt, Reiserouten überprüft sowie internationale Veranstaltungen abgesagt.

Einige Länder, wie zum Beispiel Kenia, haben bereits den Flugverkehr aus Risikoregionen, wie Italien und China eingeschränkt. Uganda geht sogar ähnlich weit wie Israel und verordnete, dass Einreisende aus rund einem Dutzend Risiko-Ländern, darunter auch Deutschland, sich für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben müssen, was einem Einreiseverbot nahe kommt. Allerdings fliegt zum Beispiel Ethiopian Airlines, die größte Fluggesellschaft Afrikas, weiterhin nach China.

Mehr zu den aktuellen Entwicklungen lesen Sie hier:

Coronavirus-Illustration.

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