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Die Angst der Indigenen vor Corona

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Coronavirus in Brasilien - Die Angst der Indigenen vor Corona

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Unter den indigenen Völkern Lateinamerikas wächst die Angst vor den Konsequenzen der Coronavirus-Krise. Die ersten Infektionsfälle rufen Erinnerungen an historische Epidemien wach.

Archiv: Indigene bei Humaita, Brasilien, aufgenommen am 20.08.2019.
Indigene bei Humaita, Brasilien (Archivbild): Nicht nur ihr Lebensraum wird zerstört. Die Verbreitung des Coronavirus schürt auch uralte Ängste.
Quelle: Reuters

"Wir alle sind sehr besorgt, weil wir wissen, dass dies eine Krankheit ist, die sich sehr schnell verbreitet", sagt Mário Cardoso Ferreira. Der 50-Jährige ist Cacique, also Häuptling, der indigenen Gemeinde von Aldea Aminã des Amazonas-Zuflusses Rio Arapiuns. Das Coronavirus ist auch in der Amazonas-Region angekommen - und mit ihm die Angst vor einer schnellen Ausbreitung unter den indigenen Völkern.

Mário Cardoso Ferreira lebt mit seiner Gemeinde am Rio Arapiuns
Mário Cardoso Ferreira lebt mit seiner Gemeinde am Rio Arapiuns.
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

Die Reaktion ist unterschiedlich. In Brasilien haben mehrere indigene Völker angekündigt, sich zum Schutz in die freiwillige Isolation zurückzuziehen. Yvonne Bangert von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet: "Sie begeben sich in die Tiefe der Wälder ihres Territoriums, zu dem Außenstehende keinen legalen Zutritt haben."

Ältere Menschen werden besonders geschützt

Die Gemeinde von Cardoso Ferreira hat ebenfalls einige Schutzmaßnahmen getroffen: "Unser Volk ist jung, wir haben nur wenige ältere Menschen, aber diese muss man schützen. Wir sind deshalb den Empfehlungen der Gesundheitsexperten gefolgt und haben unsere älteren Gemeindemitglieder an einen Platz gebracht, wo sie keinen Kontakt mit anderen Perrsonen haben."

Im Video: Brasilien rechnet mit einem starken Anstieg der Todesfälle

Auf dem Friedhof Sao Paulos wurden vorsorglich Dutzende Gräber ausgehoben.

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Darüber hinaus setzt Cardosos Familie auf gesunde Ernährung mit natürlichen Lebensmitteln ohne Zusatzstoffe. Auch am Rio Arapiuns ist die Gesundheitsversorgung verbesserungswürdig: "Wir würden uns von der Regierung wünschen, dass es mehr Gesundheitsposten und eine bessere Information über Präventivmaßnahmen geben würde", sagt Cardoso.

Die Pandemie ist für die indigene Bevölkerung besonders bedrohlich

Die indigene Bevölkerung Lateinamerikas wird seit Jahrhunderten strukturell benachteiligt, das führt zu einer Marginalisierung, die in einer Pandemie besonders bedrohlich ist. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt die Gesellschaft bedrohter Völker in einer Stellungnahme zur aktuellen Krise: "Leben Indigene abseits großer Städte in ihren Territorien, sind Krankenhäuser und eventuell benötigte intensivmedizinische Versorgung weit entfernt.

Präventive Maßnahmen wie das Arbeiten von zu Hause bedeuten für Indigene ein Privileg, das sie sich nicht leisten können. Wer in der Landwirtschaft tätig ist, muss seine Erzeugnisse auch weiterhin auf Märkten oder sonst informell verkaufen."

Ein Computermodell des Coronavirus

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Masern, Pockern, Grippe oder Mumps haben die Völker einst dahingerafft

Die Angst vor eingeschleppten Krankheiten ist bei der indigenen Bevölkerung Lateinamerikas tief verwurzelt. Große Teile der Ureinwohner starben nach Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert durch eingeschleppte Infektionskrankheiten wie Pocken, Masern, Mumps oder Grippe.

Experten schätzen heute, dass in einzelnen Regionen bis zu 95 Prozent der Bevölkerung an solchen bis dato unbekannten Krankheiten starben. Die hohe Todesrate soll die Kolonialisierung der Region durch die Europäer begünstigt haben.

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