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Wie Arztpraxen in Deutschland damit umgehen

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Coronavirus breitet sich aus - Wie Arztpraxen in Deutschland damit umgehen

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Die Zahl der Coronavirus-Fälle steigt - Gesundheitsminister Spahn sieht Deutschland am Beginn einer Epidemie. Wie gehen Arztpraxen derzeit mit dem Coronavirus um? Ein Beispiel.

Das Prozedere beim Coronavirus-Verdachtsfall

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2 min
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Der Umgang mit dem Coronavirus unterscheide sich nicht grundlegend vom Umgang mit anderen Virusinfektionen wie Influenza oder Masern, die schwere Verläufe annehmen können, sagt Anke Richter-Scheer, die eine Allgemeinarztpraxis in Nordrhein-Westfalen hat. Ihr Team sei in dieser Hinsicht sehr gut geschult.

Wie die meisten ihrer Kollegen schaut sie derzeit jeden Morgen als erstes auf die neuesten Informationen und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zum Coronavirus. "Wir haben einen verantwortungsvollen Beruf", sagt die Ärztin. "Und man will sich ja auch selber nicht anstecken, jeder hat Familie."

Ärztin: Handhygiene als Virenschutz wichtig

Um sich vor Virusinfektionen - auch dem Coronavirus - zu schützen, sei  vor allem die "Basis-Hygiene" wichtig - Hände waschen und desinfizieren. Richter-Scheer hat in ihrer Praxis mittlerweile in jedem Raum ein Desinfektionsspray an der Wand. Ihre Mitarbeiter sind angehalten, mehrfach am Tag die Türklinken zu desinfizieren:

Patienten geben wir nicht die Hand, dafür haben diese aber durchaus Verständnis.
Anke Richter-Scheer, Allgemeinärztin

Wenn  ein Patient mit starkem Infekt in die Praxis kommt, wird er nach Möglichkeit gleich in einen separaten Raum geführt, um den direkten Kontakt mit anderen Kranken im Wartezimmer oder Flur zu vermeiden. Auch bei ihren Arztkollegen sei diese Vorgehensweise üblich, sagt Richter-Scheer, die auch stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands ist.

"Heute kam ein Patient mit starkem Infekt in die Praxis. Natürlich habe ich ihn auch nach seinen jüngsten Reisen gefragt - ein bisschen anders fragt man jetzt schon", erzählt Richter-Scheer. Ruft ein Patient mit starken Symptomen an, "würde ich ihn nicht in die Praxis bitten", sondern eher einen Hausbesuch machen.

Wer zahlt für den Coronavirus-Test?

Einen Coronavirus-Verdachtsfall hatte Richter-Scheer in ihrer Praxis bisher noch nicht. Wann würde sie überhaupt einen Test auf Sars-CoV-2 veranlassen? "Wenn ein Patient eine akute Infektion hat, es ihm sehr schlecht geht und sich sein Zustand sehr rasch verschlimmert hat", sagt sie.  In einem solchen Fall würde sie einen Abstrich für einen Influenza-Test nehmen. War der Betreffende zuvor in einem Gebiet, in dem sich das Coronavirus verbreitet hat - wie etwa Italien oder China - würde sie den Abstrich zusätzlich auf das Sars-CoV-2  prüfen lassen.

Eine Probe wird per Kurier ins Labor gebracht - binnen 24 Stunden, also spätestens am nächsten Tag, liegt das Ergebnis vor. Von Schnelltests, die auf dem Markt sind, hält sie wenig, diese seien nicht immer zuverlässig. Ein regulärer Coronavirus-Test kostet laut Richter-Scheer in dem Labor, mit dem sie zusammenarbeitet, derzeit 30 Euro. Fällt der Test negativ aus, zahlt der Patient. Bei positivem Befund übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Bei Coronavirus-Verdacht wird Gesundheitsamt eingeschaltet

Ist der Verdacht eher gering, dass der Patient wirklich mit dem Coronavirus infiziert ist, würde Richter-Scheer ihn nach Hause schicken mit der Bitte, dort zu bleiben und enge Kontakte zu vermeiden. Hätte sie aber einen starken Verdacht, dass eine Corona-Infektion vorliegen könnte, ließe sie den Betreffenden zunächst in der Praxis und isolierte ihn. Danach würde sie das Gesundheitsamt informieren und das weitere Vorgehen mit der Behörde abstimmen. Der Patient würde dann in ein Krankenhaus gebracht und dort weiter behandelt.

Ein solcher Fall hätte für die Praxis allerdings eine Kettenreaktion zur Folge: Sie würde für diesen Tag die Praxis schließen. Alle, die mit dem Kranken Kontakt hatten, oder mit dem Personal, das mit ihm zu tun hatte, müssten getestet werden. Es sei zu klären, wer zu welchem Zeitpunkt in der Praxis war. Natürlich könne man die Menschen nicht festhalten, bis die Ergebnisse vorliegen, so die Ärztin. Sie würden zunächst nach Hause geschickt - mit den entsprechenden Verhaltensregeln. Bei positivem Befund werde immer das Gesundheitsamt ins Boot geholt.

Damit sie die Praxis am nächsten Tag wieder öffnen könnte, müsste sie eine "Desinfektionskolonne" durch alle Räume schicken.

Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus hier im Liveblog:

Coronavirus-Illustration.

Liveblog zur Corona-Krise -
Wie die Welt gegen das Coronavirus kämpft
 

Lockerungen, Suche nach dem Impfstoff, milliardenschwere Wirtschaftshilfen - verfolgen Sie alle Entwicklungen zum Coronavirus in Deutschland und weltweit im Liveblog.

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