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Bestatter: "In einer ständigen Gefahrenzone"

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Corona und Beerdigungen - Bestatter: "In einer ständigen Gefahrenzone"

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Beerdigungen in Zeiten von Corona sind für Angehörige besonders schwer. Aber auch Bestatter spüren die Herausforderungen für ihre Arbeit.

Wie gehen Bestatter mit dem Kontaktverbot um?

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Hartmut Woite ist seit 40 Jahren als Bestatter in Berlin tätig. Mit Billigangeboten mischt er die Branche auf. Doch das Coronavirus macht nun auch dem Discounter das Geschäftsleben schwer.

makro: Wie verändert Corona Ihr Geschäft?

Hartmut Woite: So etwas gab es noch nie. Bei Grippewellen haben wir zwar mehr Sterbefälle. Aber jetzt müssen wir viele Schutzmaßnahmen ergreifen, die bislang nicht erforderlich waren. Es müssen ja vor allem unsere Mitarbeiter geschützt sein.

makro: Wie machen Sie das?

Woite: Tja, gar nicht so einfach. Wie wollen Sie 1,5 Meter Abstand halten, wenn Sie einen Toten in den Sarg legen sollen? Das zentrale Problem ist aber, dass wir bei der Abholung im Krankenhaus nicht erfahren, ob ein Verstorbener infiziert ist. Das steht nur im vertraulichen Teil des Leichenschauscheins. Und den kennen wir nicht.

makro: Ist der Datenschutz da zu streng?

Woite: Es wäre schon sinnvoll, wenn wir die Todesursachen kennen würden. Dann können wir uns gezielter vorbereiten. Jetzt müssen wir bei jeder Abholung stets mit kompletter Schutzkleidung arbeiten, es könnte ja ein Covid-19-Patient verstorben sein. Dadurch haben wir einen enormen Bedarf und Verbrauch an Schutzmaterial, das ist ja Einwegkleidung. Wirtschaftlich ist das Ganze ohnehin eine Katastrophe.

Im Video: Wie Bestatter trotz Ansteckungsgefahr weiterarbeiten

Gerade in diesen Wochen sind sie besonders gefordert - Bestatter, die Angehörigen von Verstorbenen einen letzten Abschied ermöglichen. Ihre Arbeit hat sich in der Krise verändert.

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makro: Wieso?

Woite: Ein Liter Desinfektionsmittel kostet derzeit 30 Euro. Sonst bekam man das für 6,40 Euro. Und ein Liter reicht maximal für eine Woche. Selbst die Leichensäcke werden knapp, weil der Nachschub stockt. Handschuhe und Mundschutz sind bekanntlich auch Mangelware, also teuer. Wir haben extreme Preissteigerungen, aber ich kann ja nicht ständig meine Preise hochsetzen. Außerdem sind die sogenannten "Stehzeiten" viel länger als üblich. Wir müssen die Toten ja in den angemieteten Kühlräumen aufbewahren. Und das geht richtig ins Geld.

makro: Zu viel Bürokratie in Corona-Zeiten?

Woite: Das will ich nicht sagen. Aber früher sind wir zum Standesamt gegangen, und der Fall wurde sofort bearbeitet. Jetzt sind die Papierwege umständlich, da die Behörden ja keine Sprechstunden haben. Wir müssen also unsere Unterlagen dort einwerfen und wissen nicht, wann wir den Bestattungsschein per Post zurückbekommen. Und so lange kann nicht bestattet werden.

makro: Wie reagieren Ihre Mitarbeiter auf die Krise?

Woite: Wir bewegen uns in einer ständigen Gefahrenzone. Das verunsichert. Man ist gefühlt immer nah am Virus. Bei Covid-19-Fällen müssen wir den Sarg zusätzlich mit Folie ummanteln, damit nichts nach außen dringen kann. Und in unseren Geschäftsräumen müssen wir nach jedem Beratungsgespräch Türklinken, Plexiglasscheiben, Tische und Stühle desinfizieren, weil die trauernden Angehörigen sich ja vielleicht angesteckt haben könnten an ihrem Verstorbenen.

makro: Wie nehmen Sie die Angehörigen derzeit wahr?

Woite: Mir fällt bei den Gesprächen auf, dass die Krankheit Covid-19 oft ausgeklammert wird. Oder es springt gleich auf die politische Ebene: Dann heißt es schnell, dass die Behörden nicht genug aufgepasst hätten.

makro: Da manche Trauerrituale derzeit nicht möglich sind, reicht vielen doch sicherlich ein Discountbegräbnis. Sind Sie heimlich ein Krisengewinner?

Woite: Nein, da hat Corona nichts verändert. Es gibt die Fälle, wie sonst auch, die sagen: "Hatte mit dem Verstorbenen nichts zu tun, muss aber zahlen. Mach’s günstig." Viele aber kommen, weil sie sich schlicht die hohen Kosten anderer Unternehmen nicht leisten können. Aber auch wenn die Trauerhalle derzeit zu ist, findet sich auf jedem Friedhof immer ein Platz, um eine Urne aufzustellen. Man kann trotzdem schlicht und angemessen Abschied nehmen. Es gehen im Moment eben keine großen Trauerfeiern, und es geht jetzt eben alles nur unter freiem Himmel.

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