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Warum und wo Berlin Corona-Hotspot ist

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Aktuelle Lage und die Ursachen - Warum und wo Berlin Corona-Hotspot ist

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Im Schnitt 26,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner: In keinem Bundesland infizieren sich derzeit so viele Menschen mit dem Coronavirus wie in Berlin. Was sind die Gründe?

Corona-Fälle in Berlin (Symbolbild)
Berlin zählt fast 1.000 neue Corona-Fälle in den vergangenen sieben Tagen. (Symbolbild)
Quelle: AP

Warum ist Berlin gerade Thema?

Insgesamt zählt das Robert-Koch-Institut in Berlin in den letzten sieben Tagen 991 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Das sind 26,4 neue Fälle pro 100.000 Einwohner - mehr als in jedem anderen Bundesland. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll noch vor den Bund-Länder-Beratungen gesagt haben, in Berlin müsse jetzt etwas passieren.

Wo sind die Corona-Hotspots in Berlin?

Das höchste Infektionsgeschehen hat es in den innerstädtischen Bezirken gegeben. In Berlin-Mitte haben sich in den vergangenen sieben Tagen im Durchschnitt 48,2 Menschen pro 100.000 Einwohner neu mit dem Coronavirus infiziert. In Friedrichshain-Kreuzberg lag die 7-Tage-Inzidenz bei 38,3, in Tempelhof-Schöneberg bei 35,8 und in Neukölln bei 34,3.

Was sagt die Berliner Corona-Ampel?

In der Hauptstadt gibt es ein Warnsystem aus drei Ampeln - je eine für den Reproduktionswert, die Auslastung der Intensivbetten und die 7-Tage-Inzidenz. Zwei Ampeln stehen aktuell auf Grün:

  • Reproduktionswert: 0,98 - so viele Menschen steckt ein Corona-Infizierter durchschnittlich an
  • Auslastung der Intensivbetten: 2,1 Prozent - Berlin verfügt damit über ausreichend Kapazitäten

Lediglich die Ampel für die 7-Tage-Inzidenz steht derzeit auf Gelb. Die Covid-19-Fallzahlen der Berliner Gesundheitsverwaltung unterscheiden sich dabei geringfügig von den Daten des Robert-Koch-Instituts.

Diesen Regionen droht erneut der Lockdown

Obergrenze überschritten -
Corona-Obergrenze: Wo Verschärfungen drohen
 

Ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden, hängt von der Zahl der Neuinfektionen ab. Eine aktuelle Karte zeigt, ob die Obergrenze in Ihrer Region eingehalten wird.

von Simon Haas

Warum gibt es so viele Neuinfektionen?

Zwei Szenen aus den vergangenen Tagen verdeutlichen, warum beispielsweise der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg aktuell Corona-Hotspot ist.

  • Szene 1: Berlin-Kreuzberg, auf der Grenze zu Neukölln. Der türkische Barbier hat große Zettel in sein Schaufenster gehängt: "Zutritt nur mit Maske." Hinter der Scheibe sitzen acht junge Männer ohne Maske, ohne Abstand und lassen sich die Bärte stutzen.
  • Szene 2: Freitagabend, Mitternacht, ein junger Mann verkauft am Kreuzberger Landwehrkanal Bier. Er hat einen kleinen Kühlschrank und eine bunte Lichterkette an seinem Fahrrad. Es dauert keine zwei Minuten, dann stehen etwa zehn junge Männer um ihn herum. Auch auf der nahegelegenen Admiralbrücke sitzen Dutzende dicht an dicht.

Aus Kreisen der Senatsverwaltung heißt es:

Der Grund ist, dass Menschen leben und nicht alle zuhause bleiben.
Kreise der Senatsverwaltung

"Es gibt illegale Aktivitäten und Verstöße, aber die machen nicht das Gros aus." Dennoch binde das in den Gesundheitsämtern Kapazitäten, die anderswo gebraucht würden.

Außerdem gebe es gerade bei jungen Menschen unter 40 "eine gewisse Ermüdung der Disziplin", heißt es weiter. "Dagegen helfen nur Aufklärung und Appelle."

Bereits an Pfingsten hatten Bilder einer Schlauchboot-Party Schlagzeilen gemacht. Tausende meist junge Menschen feierten da am Landwehrkanal.

Wasser-Demonstration in Berlin
Eine Demo wie ein Fest: Die River-Demo an Pfingstmontag.
Quelle: Vincent Bruckmann/dpa

Mit welchen Maßnahmen reagiert die Stadt?

Gemeinsam haben sich Bund und Länder am Dienstag auf neue Corona-Maßnahmen geeinigt. Danach ruft auch Berlin dazu auf, die bereits gültigen Regeln - Abstand, Hygiene, Alltagsmasken - einzuhalten, zudem die Corona-Warn-App herunterzuladen und nach Möglichkeit regelmäßig zu lüften.

Am Dienstagabend hat der Berliner Senat zudem weitere Regeln beschlossen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Koalitionskreisen erfuhr: Private Feiern im Freien dürfen künftig nur noch mit maximal 50 Teilnehmern stattfinden. In geschlossenen Räumen gilt eine Obergrenze von 25 Teilnehmern. Zudem gilt in Berlin künftig eine Maskenpflicht in Büro- und Verwaltungsgebäuden. Beim Arbeiten am Schreibtisch soll die Regelung nicht greifen.

Berlins Regierender Bürgermeiste Michael Müller (SPD) hatte außerdem mehr Engagement der Ordnungsämter gefordert. Die Corona-Regeln müssten besser durchgesetzt werden.

Die Autoren auf Twitter: @dominikrzepka und @waskevinsagt

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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