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Corona und Krankenhäuser - Allein im Krankenbett

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Steigende Corona-Fallzahlen haben viele Krankenhäuser veranlasst, Regeln für Patientenbesuche zu verschärfen. Doch es ist auch wichtig, weiter Kontakt zu halten, sagen Mediziner.

Das Schwabinger Krankenhaus betreute im Frühjahr die ersten Corona-Patienten. Jetzt steigt die Patientenzahl erneut an, mit der Sorge um eine Rekordbelegung der Betten.

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Seit Wochen steigt die Zahl der Corona-Infizierten. Das macht sich auch in Deutschlands Kliniken bemerkbar. Vielerorts verschärfen die Krankenhäuser ihre Besuchsregelungen, wenn auch nicht mehr so rigoros wie bei der ersten Welle im Frühjahr. Denn Patienten brauchen ihre Angehörigen.

Besuchsrecht: Krankenhäuser machen Ausnahmen

Im Klinikum rechts der Isar in München greift derzeit die so genannte 1-1-1-Regelung. Sie bedeutet, dass pro Patient und Tag ein Besucher für eine Stunde ins Krankenhaus darf. Allerdings gebe es gewisse Ausnahmen, sowohl was die Besucheranzahl als auch die Besuchsdauer angeht. "Gerade bei sterbenden Patienten machen wir Ausnahmen. Das muss von Einzelfall zu Einzelfall neu entschieden werden", sagt Johanna Anneser, Oberärztin des palliativmedizinischen Diensts am Klinikum.

Situationen wie im Frühjahr, als Patienten alleine sterben mussten, möchte man hier unbedingt vermeiden. "Die Situation im Frühling war wirklich schlimm", so Anneser.

Die Patienten haben extrem unter dem kompletten Besuchsverbot gelitten.
Johanna Anneser

Es sei natürlich stets abzuwägen, andere Menschen zu schützen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass schwerkranke Patienten in Würde sterben können, sagt die Oberärztin. Ein Spagat, der bisher noch gelinge.

Ihr Mann liegt mit Krebserkrankung im Krankenhaus, die Corona-Beschränkungen lassen seine Frau dennoch nicht zu ihm. Also zieht sie vor Gericht – mit Erfolg.

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Besuchsverbot im UKE in Hamburg - mit Ausnahmen

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wurde die 1-1-1-Regelung gerade wieder abgeschafft: "Da die Zahl der Covid-19-Infizierten bundesweit und auch in Hamburg wieder stark steigt, gilt seit dem 2. November im UKE ein Besuchsverbot", sagt Pressesprecherin Saskia Lemm.

Ausnahmen gelten in der Kinderklinik sowie bei schwerkranken Patienten und bei schwangeren Frauen, die zur Entbindung ins UKE kämen. Die Lage sei äußerst dynamisch und müsse tagesaktuell neu bewertet sowie behördlich neu entschieden werden.

Patienten haben meist Verständnis für Corona-Regeln

Doch wie gehen die Patienten und deren Angehörige mit den strengen Vorschriften um? Judith Heepe, Pflegedirektorin der Berliner Charité, berichtet größtenteils von Verständnis und Nachsicht bei den Patienten. Besucher dürfen die Charité derzeit nur noch mit einem Besuchercode betreten.

Die Kommunikation der strengeren Besuchsregeln verlange dem Personal aber viel Zeit und manchmal auch Kraft ab: "Manchmal gibt es auch Situationen, in denen wir sehr viel erklären und vereinzelt deeskalieren müssen. Aber das sind Ausnahmen." Die Pflegedirektorin weiß auch, dass die Anwesenheit von Angehörigen wichtig für die Patienten ist:

Wir denken, dass jeder Besucher auch der Seele des Patienten guttut. Und das trägt auch immer zur Genesung bei.
Judith Heepe

Telefonisch Mehrarbeit für Klinik-Angestellte

Auch das eher kleine DRK Krankenhaus Alzey mit seinen 161 Betten hat den Besuch stark eingeschränkt. Heißt: Bis auf Weiteres dürfen nur noch schwerstkranke oder sterbende Patienten von ihren Angehörigen im Klinikum besucht werden.

"Die Patienten haben dafür meist Verständnis", sagt Bernd Decker, der Geschäftsführer der Trägergesellschaft DRK Süd-West. "Natürlich wollen die Angehörigen aber weiterhin wissen, wie es dem Patienten geht. Die Angestellten der Klinik leisten dadurch telefonisch Mehrarbeit", so Decker.

In der Coronakrise haben schwerkranke Patienten unter dem Besuchsverbot mit Einsamkeit zu kämpfen. Hilfe bekommen sie von Seelsorgern, die sich auch um das Klinik-Personal kümmern. Es ist eine belastende Ausnahmesituation für Alle.

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Corona-Ausnahmen bei Geburten und Tod

Die Reißleine gezogen haben auch die Helios Kliniken in Sachsen-Anhalt: "Aufgrund der derzeitigen besorgniserregenden Fallzahlentwicklung haben wir zum Schutz unserer Patienten und Mitarbeiter mittlerweile in allen Kliniken unserer Region einen Besucherstopp ausgesprochen“, sagt Christine Marx, medizinische Regionalgeschäftsführerin der Helios Kliniken. Ausnahmeregelungen gebe es auch hier bei Geburten oder auf den Palliativstationen.

Man sieht verschiedene Menschengruppen, also Cluster, die mit dem Corona-Virus (symbolisch) infiziert sind.

Nachrichten | Panorama -
Wie Corona-Cluster entstehen
 

"Die Entscheidung obliegt alleinig den betreuenden medizinischen Kolleginnen und Kollegen“, sagt Marx. Auch wenn ein Besuch eines vertrauten Angehörigen nur schwer zu ersetzen ist, versuche man, Wege zu unterstützen, die für menschliche Nähe sorgen. "In vielen Helios Kliniken wird derzeit kostenloses und flächendeckendes WLAN angeboten, genauso wie kostenlose Telefongespräche", so die Regionalgeschäftsführerin.

Auch handgeschriebene Briefe, Fotos oder gemalte Bilder von Kindern und Enkelkindern bereiten zusätzlich große Freude und spenden Trost.
Christine Marx

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