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"Bei den Atemproblemen hatte ich Angst"

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Eine Corona-Erkrankte erzählt - "Bei den Atemproblemen hatte ich Angst"

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Wie fühlt es sich an, an Corona erkrankt zu sein? Eine Betroffene erzählt: Über Symptome, Test-Schwierigkeiten, ihr Quarantäne-Projekt und Blumen auf der Fußmatte.

Eine Virologin mit Handschuhen und Atemschutzmaske begutachtet einen Coronavirus-Test in einem Reagenzglas.
Corona-positiv: Eine Erkankte berichtet über ihren langen Weg zum Corona-Test.
Quelle: dpa

Als sie Atemprobleme bekam, hatte sie Angst. Ganz alleine in Quarantäne, wer würde es schon mitkriegen, wenn sie plötzlich umfällt? Mittlerweile hat sie "nur noch" Kopfschmerzen und etwas, was sie auf rheinländisch das "ärme Dier" (arme Tier) nennt und was man nun mal bekommt, wenn man von allen anderen Menschen isoliert ist. Die Corona-Erkankte aus Nordrhein-Westfalen möchte ihren Namen lieber nicht nennen, aber gerne von ihren Erfahrungen berichten - besonders was das System mit den Corona-Tests betrifft.

Am Samstagmittag hatte sie der Arzt angerufen und ihr mitgeteilt, dass der Test positiv ist. Ihr erstes Gefühl war Wut. "Wie ein Rumpelstielzchen bin ich hier durch die Wohnung", sagt sie. Denn das Ergebnis hätte sie schon vor einer Woche haben können - aber von vorne.

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Erstmal keinen Corona-Test bekommen

Die 52-Jährige wohnt im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, wo das Virus in Deutschland mit als erstes ausbrach. Vor über zwei Wochen fühlte sie sich matt, abgeschlagen, bekam nachts Schweißausbrüche und hatte leichtes Fieber. Sie ging zur Abstrichstelle - und wurde abgewiesen. Sie habe kein hohes Fieber und keinen Husten und keinen Kontakt zu einem Infizierten gehabt, hieß es.

Ich habe mich so abgeschlagen gefühlt, kam gar nicht mehr auf die Beine.
Corona-Erkankte

"Aber das kann ich doch gar nicht wissen, den Leuten ist ja kein roter Punkt auf die Stirn geklebt, wenn sie das Coronavirus haben", sagt sie. "Oder sie wissen es selbst gar nicht." So wie sie zunächst. Der Arzt sagte, sie solle eine Woche zuhause bleiben, dann ginge das schon wieder, ein normaler Infekt.

"Das war ganz anders als Bronchitis oder Grippe"

"Mit 52 Jahren kennt man ja seinen Körper", sagt sie. Man wisse ja, wie der eigene Körper bei Bronchitis, bei Grippe reagiert. Und sie merkte, das war irgendwie anders.

"So was hatte ich noch nie", sagt sie. Sie habe sich so abgeschlagen gefühlt, kam gar nicht mehr auf die Beine. Hinzu kamen Gliederschmerzen und Schüttelfrost und starke Übelkeit.

Aber als es nach ein paar Tagen Ruhe besser ging, ging sie einkaufen und einer Freundin helfen, die ein schwerkrankes Kind hat. "Natürlich hätte ich mich sonst ganz anders verhalten", ärgert sie sich rückblickend. Sie erzählt von ihren Erfahrungen, weil sie die Menschen sensibilisieren will. Die Unsicherheit, wie mit Menschen umgegangen wird, die nur leichte oder untypische Symptome haben, hat in ihrem Fall unnötig das Ansteckungsrisiko erhöht.

Ein schmerzhafter Test

Nach einer Woche wollte sie wieder arbeiten gehen - doch ihre Chefin bestand darauf, dass sie nochmal zur Abstrichstelle geht. Diesmal wurde endlich der Corona-Test gemacht: Zunächst habe sie vor der Hausarztpraxis alleine warten müssen, dann wurde sie in einen separaten Raum geleitet, sodass sie mit niemandem in Kontakt kam.

Der Abstrich geht über ein Wattestäbchen in der Nase. "Das tut richtig weh, man denkt, das kommt hinten wieder raus", erzählt sie. Einen Tag später bekam sie per Telefon das Ergebnis, seitdem ist sie in Quarantäne. Symptome hat sie immer noch, besonders Kopfschmerzen, vor wenigen Tagen die Atembeschwerden.

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Jeden Tag ein Päckchen auf der Fußmatte

Es sei nicht leicht in der Isolation, normalerweise sei sie ein sozialer und kontaktfreudiger Mensch. Sie telefoniere jetzt viel, sei viel im Austausch mit ihren Kollegen, von denen einige auch in Quarantäne sind. Trotzdem wird sie manchmal sentimental.

Manchmal winkt jemand von der Straße aus, das war’s
Corona-Erkrankte

"Manchmal winkt jemand von der Straße aus, das war’s", sagt sie. Wobei - nicht ganz: Sie sei gerührt, wieviel Unterstützung sie bekomme, beinahe jeden Tag liege ein Päckchen vor der Tür, etwas zu Essen oder eine Blume. "Ich denke, das Virus wird uns verändern, vielleicht weiß man danach das Miteinander viel mehr zu schätzen", sagt sie.

Quarantäne Projekt: Mundschutz nähen

Bis sie wieder raus darf, hat sie sich eine Beschäftigung gesucht - sie war mal Bekleidungstechnikerin, also hat sie sich die alte Nähmaschine vom Dachboden geholt und näht jetzt Mundschutze. Sie fertigt sie aus Leinen und Baumwolle, selbstverständlich so, dass sie keine Viren darauf überträgt. Ihre Mundschutze sind waschbar und sie lasse ein Loch, um noch eine Einlage aus Filz oder einem Papiertaschentuch dazwischen schieben zu können, das sei sicherer.

selbstgenähte Mundschutze gegen das Coronavirus
Ein Projekt für die Quarantäne: Selbst genähte Mundschutze einer Corona-Erkankten.
Quelle: ZDF

Sie wolle sie verschenken, wer will, könne spenden. "Ich wollte einfach mehr machen als nur am Computer, Fernseher und Telefon zu hängen", sagt sie. Zehn Tage dauert ihre Quarantäne noch - dann wird wieder ein Abstrich gemacht. Ist dann nichts mehr nachweisbar, kann sie endlich wieder raus, auch auf die Arbeit. "Dann bin ich ja erstmal immun", freut sie sich.

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