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Hoher Inzidenzwert - Worms: Eine Stadt im 15-Kilometer-Radius

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Mit einer Inzidenz von 296,4 weist Worms aktuell den Höchstwert in Rheinland-Pfalz auf. Nun gilt eine Einschränkung des Bewegungsradius auf 15-Kilometer, der für Verwirrung sorgt.

Spaziergänger in einem Parl
In Worms gilt die 15-Kilometer-Regel. Symboldbild
Quelle: dpa

Innerhalb einer Woche hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz im rheinland-pfälzischen Worms nahezu verdoppelt. Nun hat das Land Rheinland-Pfalz reagiert und eine nächtliche Ausgangssperre sowie erstmals eine Eingrenzung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer verhängt. Doch die Stadt selbst kann die Regelungen kaum nachvollziehen.

Joggen ja, spazieren nein

Der Knackpunkt ist die Einschränkung des Bewegungsradius. Seit gestern dürfen Wormser*innen für Ausflüge nicht weiter als 15 Kilometer weit fahren. Auch Personen von außerhalb ist es untersagt, etwa zum Spazierengehen in die Nibelungenstadt zu kommen.

[Was heißt eingeschränkter Bewegungsradius - und ist das rechtlich eigentlich ok? Diese Fragen beantwortet Ihnen ZDF-Rechtsexperte Günther Neufeldt hier.]

Im Gegenzug sind sportliche Aktivitäten, wie joggen oder Rad fahren weiterhin auch außerhalb des Radius erlaubt. Ebenso ist der Besuch von Verwandten und Freunden möglich - sofern die bundesweit geltenden Kontakt-Beschränkungen eingehalten werden. 

Tagesausflüge sollen verhindert werden

Die Regelung zielt darauf ab, tagestouristische Aktivitäten in der stark betroffenen Region zu vermeiden. "Es geht hauptsächlich darum, Familienausflüge an den Wochenenden zu unterbinden. Wer jedoch sportlich sehr aktiv ist und mit dem Rad in den 30 Kilometer entfernten Pfälzer Wald fahren will und wieder zurück, kann das auch weiterhin tun", erklärt die Stadt.

In Landkreisen mit hohen Corona-Infektionszahlen soll der Bewegungsradius der Einwohner auf 15 Kilometer um den Wohnort begrenzt werden.

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Menschenansammlungen seien das Problem. Wer alleine Sport treiben wolle, dürfe dies auch außerhalb des Bewegungsradius. Doch die Stadtverwaltung gibt an, dass die Abgrenzung sehr schwierig sei und die Kontrolle der Beschränkung kaum umsetzbar. Auch die Stadt räumt ein, dass die Regelung einfach zu unpräzise sei:

So wie wir hier gerade rätseln, werden die Bürger*innen es wohl auch tun.
Stadt Worms

Patricija Boos-Manz hält die Maßnahmen dennoch für sinnvoll: "Wenn die Leute aus Worms hier jetzt alle wegen drei Zentimetern Schnee in den Odenwald fahren, muss einfach reagiert werden. Ich verstehe nicht, dass man nicht einfach mal zu Hause bleiben kann."

Touristen kommen schon lange nicht mehr nach Worms

Die 47-Jährige arbeitet im "Shop am Dom" und berichtet, dass Touristen von außerhalb jedoch seit Monaten nicht mehr nach Worms kommen würden: "Wir verkaufen schon länger keine Souvenirartikel mehr. Ich denke auf den Laden wirkt sich die neue Regelung daher kaum aus."

Die Stadt selbst hatte bis zuletzt versucht, die Beschränkung zu verhindern. Doch das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium hielt den Schritt für zwingend notwendig.

Das Infektionsgeschehen in Worms hatte sich binnen weniger Tage massiv zugespitzt. Während am Dienstag vergangener Woche eine sieben-Tage-Inzidenz von 161,4 gemeldet wurde, gab das örtliche Gesundheitsamt sieben Tage später einen Wert von 326,2 an.

Alten- und Pflegeheime besonders betroffen

Dies lässt sich vor allem auf die vielen Corona-Ausbrüche in Altersheimen zurückführen. Diesbezüglich hat die Stadt nun reagiert und die Besucherzahlen begrenzt. Bewohner*innen dürfen dort nur noch einmal am Tag für je eine Stunde Besuch bekommen.

Trotz Vorsichtsmaßnahmen infizieren sich Heimbewohner immer häufiger mit dem Coronavirus. Die Lage in den Einrichtungen ist ernst, die Pflegekräfte arbeiten am Limit.

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Auch für die Gastronomie bedeuten die verschärften Regeln im Hotspot weitere Einschränkungen: "Wir müssen pünktlich zur Ausgangssperre um 21 Uhr schließen und dürfen danach auch kein Essen mehr ausliefern", erklärt Nusret Yilmaz.

Ausgangssperre ein weiterer Schlag für Gastronomen

Yilmaz ist Filialleiter des "Hot Döner" in der Wormser Innenstadt. "Für uns läuft es gerade gar nicht gut. Früher hatten wir viel Laufkundschaft. Tagsüber von Leuten, die in der Stadt einkaufen waren und nachts von Partywütigen." All das sei nun weggebrochen und senke die Verkaufszahlen drastisch.

Vor Corona hatte ich zwölf Mitarbeiter. Aktuell reichen mir drei, um den Laden am Laufen zu halten.
Nusret Yilmaz.Gastronom

Trotz allem ist er positiv gestimmt: "Im Vergleich zu anderen Ländern meistert Deutschland die Krise gut. Die Regierung versucht die Bevölkerung zu schützen und gleichzeitig die Betriebe, die einen Ausfall erleiden, finanziell zu unterstützen."

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