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Jetzt auch Verschwörungsmythen von Bischöfen

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Warnung vor der "Weltregierung" - Jetzt auch Verschwörungsmythen von Bischöfen

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Verschwörungstheorien brodelten in der Corona-Krise vor allem in rechten Kreisen und in sozialen Netzwerken. Jetzt sind auch Bischöfe der katholischen Kirche eingestiegen.

Archiv: Kardinal Gerhard Ludwig Müller am 30.03.2018 im Vatikan
Kardinal Gerhard Ludwig Müller (Archiv).
Quelle: picture alliance/Stefano Spaziani

In den vergangenen Tagen und Wochen haben schon einige A-, B- oder C-Promis Verschwörungstheorien und Untergangsphantasien in die Welt und vor allem in die sozialen Netzwerke getragen. In diese Gesellschaft reihen sich jetzt auch Vertreter der katholischen Kirche ein.

In einem Appell haben einzelne Bischöfe, unter ihnen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, davor gewarnt, die Corona-Pandemie dürfe nicht genutzt werden, um eine "Weltregierung" zu schaffen, "die sich jeder Kontrolle entzieht".

In dem gut drei Seiten langen Aufruf kritisieren die Unterzeichner, die "Covid-19-Epidemie" werde als Vorwand genutzt. Unveräußerliche Rechte der Bürger würden verletzt und deren "Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt", einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit.

Ähnliche Einschränkungen der Grundrechte befürchtet auch der Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen in einem millionenfach gesehenen Video. Warum seine Thesen hinken, haben wir in einem Faktencheck erklärt:

Ken Jebsen, aufgenommen am 13.12.2014 vor dem Schloss Bellevue in Berlin

Video über Corona-Maßnahmen -
Warum Sie Ken Jebsen nicht vertrauen sollten
 

Der Journalist Ken Jebsen mutmaßt in einem viralen Onlinevideo über verborgene Machenschaften in der Corona-Krise. Es ist voller Fehler, Verschwörungsmythen und Ungenauigkeiten.

von Nils Metzger

Die Schutzmaßnahmen dienten der "Kriminalisierung persönlicher und sozialer Beziehungen", so die Bischöfe. So ernst der Kampf gegen Covid-19 sein möge, dürfe er nicht "als Vorwand zur Unterstützung unklarer Absichten supranationaler Einheiten dienen, die sehr starke politische und wirtschaftliche Interessen verfolgen".

Über die Durchführung von Gottesdiensten dürften allein die "Hirten der Kirche" unabhängig entscheiden, nicht staatliche Behörden.

Warnung vor Impfpflicht und der Pharmaindustrie

In dem Schreiben wird auch davor gewarnt, dass "zweifelhafte Wirtschaftsinteressen die Entscheidungen der Regierungen und internationalen Behörden beeinflussen." Die Kritik zielt auf die Pharmaindustrie, der unterstellt wird, sich mit Covid-19 "höhere Gewinne" zu sichern.

Im nächsten Schritt wird auch von einer "drohenden Impfpflicht" gesprochen. Diese sei ebenso abzulehnen wie geplante Tracing-Systeme wie die Corona-App der Bundesregierung. Dass eine Impfpflicht nicht geplant ist, haben in den vergangenen Tagen mehrere Regierungsvertreter klargestellt, darunter auch Gesundheitsminister Jens Spahn im ZDF-Morgenmagazin.

Bischöfe: Impfstoffe aus Material "abgetriebener Föten"

Als Argument gegen Impfstoffe behaupten die Bischöfe, diese würden aus "Material von abgetriebenen Föten" hergestellt.

Diese These stimmt nur zu einem ganz kleinen Teil: Die Wirkstoffe für manche Impfstoffe werden tatsächlich aus sogenannten "fötalen Zelllinien" hergestellt. Allerdings werden dafür keine neue Föten genutzt, sondern die Zellen für die betroffenen Zelllinien wurden einmalig in den 1960er Jahren gewonnen und werden seither im Labor weitergezüchtet, wie das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen mitteilt.

Auch zu den Gerüchten, das neue Infektionsschutzgesetz würde einen Impfzwang bringen, haben wir einen Faktencheck gemacht:

Eine Arzthelferin impft eine junge Patientin (Archivbild)

Faktencheck -
Was dran ist am Impfzwang-Geraune
 

Der Bundestag berät ein Gesetz, von dem Verschwörungskreise behaupten, es werde damit eine Impfpflicht eingeführt. Warum das falsch ist.

von Julia Klaus

Aufruf stammt von Erzbischof aus den USA

Der Aufruf ist eine Initiative des früheren Päpstlichen Botschafters in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, und wurde außer von Kardinal Müller auch von Hongkongs Kardinal Joseph Zen Ze-kiun sowie anderen katholischen Geistlichen, Medizinern, Journalisten und Anwälten unterzeichnet. Kurienkardinal Robert Sarah, Leiter der vatikanischen Gottesdienstkongregation, zog seine anfängliche Zusage einer Unterschrift am Freitag zurück.

Ein Computermodell des Coronavirus

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Kritik in Deutschland

Doch es gibt auch Kritik aus den Reihen der Kirche: Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, kritisierte das in mehreren Sprachen veröffentlichte Schreiben. Jeder, der diesen Aufruf unterzeichnet habe, entblöße sich selbst, schreibt Pfeffer auf Facebook. Er sei "einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampf-Rhetorik, die beängstigend klingt."

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Es sei ungeheuerlich, wenn Anstrengungen zur Eindämmung einer Pandemie diskreditiert würden als "Vorwand", um eine "hasserfüllte technokratische Tyrannei" zu begründen, die die "christliche Zivilisation auslöschen" wolle, so Pfeffer weiter: "Dem muss widersprochen werden! Mit Jesus Christus, auf den sich die Unterzeichner berufen, haben derart wirre Thesen, die Ängste schüren, Schwarz-Weiß-Denken verfolgen, üble Feindbilder zeichnen und das Miteinander in unseren Gesellschaften vergiften, nichts zu tun."

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