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Wie Missionare indigene Völker gefährden

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Brasilien in der Corona-Pandemie - Wie Missionare indigene Völker gefährden

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In Brasilien fliegen evangelikale Missionare offenbar auch ohne Erlaubnis in die Territorien isoliert lebender indigener Völker. In Zeiten der Pandemie ist das lebensgefährlich.

Gruppe von jungen Indigenen (Archivbild)
Die tödliche Bedrohung durch das neuartige Coronavirus wird für die indigenen Völker in Brasilien zunehmend real (Archivbild).
Quelle: dpa

Für ihren Plan griffen die evangelikalen Missionare tief in die Tasche. Vor wenigen Wochen berichtete das brasilianische Magazin "Epoca", dass die erzkonservative "Mission der neuen Stämme Brasiliens (MNTB)" für den Kauf des Hubschraubers Typ "Robinson 66" umgerechnet rund 800.000 Euro zahlte.

"Ein Helikopter, der uns helfen wird, leichter jene Dörfer und Gegenden zu erreichen, in denen es keine Landebahn gibt", kündigte der evangelikale Missionar Edward Luz Reisen in weitentlegene Gebiete an.

Die MNTB gilt als eine der radikalsten Evangelisierungs-Organisationen in der auch zahlreiche fundamentalistische US-Missionare tätig sind.

Mitten in der Corona-Krise Flüge zu isoliert lebenden Menschen

Am Montag berichtete die Tageszeitung "O Globo", dass die MNTB die Ankündigung offenbar inmitten der Corona-Krise umgesetzt habe und Flüge in Regionen durchführe, in denen isoliert lebende Völker zu Hause sind. 

Und das, obwohl die dafür zuständige Indigenenschutzbehörde FUNAI die Reisen in die Territorien nicht autorisiert habe.

Die Spitze der Indigenenschutzbehörde wurde in den letzten Monaten von der Regierung des rechtspopulistischen und evangelikalen Präsidenten Jair Bolsonaro entmachtet und durch regierungsnahes Personal mit Verbindungen zur MNTB ersetzt.

Flüge zu den größten indigenen Gebieten

Konkret geht es um Flüge in das "Vale do Javari" im Westen des brasilianischen Amazonasbeckens, eines der größten indigenen Gebiete des Landes, in dem es laut Einschätzung der Wissenschaftler die weltweit größte Konzentration isoliert lebender Völker geben soll.

Karte: - Brasilien - Vale do Javari
Die Karte zeigt Brasilien mit dem Vale do Javari, ganz im Westen des Landes.
Quelle: ZDF

Die ausdrückliche Empfehlung der brasilianischen Behörden lautet allerdings, den Kontakt mit indigenen Völkern zu vermeiden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Stephen Corry, Direktor der Nichtregierungsorganisation Survival International, hatte bereits in der Vergangenheit vor dem Expansionsdrang der Missionare gewarnt:

Christlich-fundamentalistische US-Missionare müssen von diesem primitiven Drang abgehalten werden, mit bisher unkontaktierten Völkern Kontakt aufzunehmen.

Erste Todesfälle unter den indigenen Völkern

Die tödliche Bedrohung durch das neuartige Coronavirus wird für die indigenen Völker in Brasilien zunehmend real. Vor wenigen Tagen hatten brasilianische Medien über erste Todesfälle berichtet.

Ein 15-jähriger Angehöriger des Yanomami-Volkes starb in einem Krankenhaus in der Stadt Boa Vista an Covid-19. Er gilt als das erste Corona-Opfer unter den Yanomami und der erste Corona-Todesfall nach einer Infizierung auf indigenem Gebiet.

Im Video: Kritik am brasilianischen Präsidenten

Jair Bolsonaro hält sich nicht an die empfohlenen Corona-Maßnahmen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Das Virus wurde mutmaßlich durch illegale Goldgräber eingeschleppt. Zuvor waren bereits zwei Indigene an Covid-19 gestorben. Die Infizierung erfolgte allerdings nicht auf indigenem Territorium.

Ein Computermodell des Coronavirus

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COICA will Sofortmaßnahmen zum Schutz der indigenen Völker

Die Organisation COICA, die die indigenen Völker in neun Ländern des Amazonasbeckens repräsentiert, rief angesichts der Krise nun den Notstand aus. Sie forderte die Regierungen der südamerikanischen Länder als auch die Vereinten Nationen auf, Sofortmaßnahmen zum Schutz der indigenen Bevölkerung einzuleiten.

 

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