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Corona-Krise - "Brauchen gesamtgesellschaftlichen Diskurs!"

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Die Krise stellt auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe. Ethikerin Christiane Woopen erklärt im ZDFheute-Interview, was nötig ist, um das gemeinsam zu bewältigen.

Ausflügler im Westpark in München
Ausflügler im Westpark in München
Quelle: dpa

ZDFheute: Seit Montag tastet sich Deutschland vorsichtig in eine Art von Alltag zurück. Was beschäftigt Sie dabei am stärksten?

Christiane Woopen: Wie alle Bürgerinnen und Bürger treibt mich um, wie wir es schaffen können, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und trotzdem wieder ein möglichst freies Leben zu führen.

Die Politik muss klar kommunizieren, aus welchen Gründen sie welche Entscheidungen trifft, damit alle an einem Strang ziehen und nicht das Vertrauen verlieren. Wenn die Menschen die Maßnahmen nicht verstehen oder widersprüchlich finden, werden sie sich nicht daran halten.

ZDFheute: Verstehen Sie den Unmut vieler Familien über die Entscheidung, dass Kindergärten weiter geschlossen bleiben, während zum Beispiel Autohäuser wieder öffnen dürfen?

Woopen: Natürlich, diesen Unmut verstehe ich gut, allerdings liegt auch auf der Hand, dass Erwachsene beim Besuch eines Autohauses die Abstandsregeln leichter einhalten können als eine Gruppe kleiner Kinder in der Kita.

Kkinder eines Kindergartens stehen nebeneinander und halten sich an den Hände

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Andererseits nimmt man Kindern Entwicklungschancen und einiges deutet darauf hin, dass Kinder das Virus nicht so verbreiten wie Erwachsene. Jede einzelne Entscheidung ist eine komplizierte Abwägungsfrage, das macht es für uns alle so kompliziert.

ZDFheute: Sie fordern das Einsetzen interdisziplinärer Arbeitsgruppen, um das Thema in seiner gesamtgesellschaftlichen Breite fassen zu können. Wie steht es darum?

Woopen: Ich bin überzeugt, dass es Teams braucht, die kontinuierlich wissenschaftliche Expertise mit praktischen Erfahrungen zusammenführen, damit für einzelne Bereiche und Regionen passgenaue Empfehlungen gegeben werden können. Dazu sind auch die Kommunen gefragt.

Es braucht Daten, weil Vieles noch nicht bekannt ist. Sinnvoll wäre, dass Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler, Epidemiologen, Virologen, Soziologen, Ethiker, Sozialarbeiter usw. eng zusammenarbeiten und die Politik unterstützen. Wir brauchen zudem einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs, um die Krise zu bewältigen.

ZDFheute: Sie haben neulich von einer "kollektiven Traumatisierung" gesprochen. Um welche gesellschaftlichen Gruppen sorgen Sie sich am meisten?

Woopen: Ich bekomme bewegende Zuschriften von alten Menschen, die sich ihrer Selbstbestimmung beraubt fühlen. Ich sorge mich um psychisch kranke und behinderte Menschen, um die Opfer häuslicher und sexueller Gewalt, um Obdachlose, Prostituierte … all jene Menschen, die unter prekären Umständen leben.

Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Corona-Krise vor allem die sozial Schwachen trifft. Wenn die soziale Schere weiter aufgeht, hätten wir keine gesellschaftliche Solidarität gezeigt.

ZDFheute: Was raten Sie für den Umgang mit der Unsicherheit, die uns wohl noch lange begleiten wird?

Woopen: Manche Menschen, die mit Unsicherheit nicht gut zurechtkommen, sollten unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen. Unsicherheit ist aber auch ein Merkmal des Lebendigen. Sie anzunehmen, sich ihr zu stellen, kann große Kreativität in uns allen zutage fördern.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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