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Weniger Erkältungen, weniger Läuse

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Nebeneffekt der Coronamaßnahmen - Weniger Erkältungen, weniger Läuse

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Die Abstandsmaßnahmen gegen Corona halten auch andere Krankheiten in Schach: Das RKI meldet weniger Norovirus-Infektionen, Apotheken verkaufen kaum noch Mittel gegen Läuse.

Menschen sitzen mit Abstand bei einem Gottesdienst am 27.09.2020 in Magdeburg
Mit Abstand gesünder: Corona-Maßnahmen drängen andere Krankheiten zurück. Menschen sitzen mit Abstand bei einem Gottesdienst in Magdeburg.
Quelle: dpa

"Wir merken die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen - Erkältungskrankheiten, Magen-Darm-Erkrankungen, aber vor allem Patienten mit Läusebefall werden weniger", sagt Marlen Ludwig von der Eulen-Apotheke im hessischen Taunusstein. Seit dem Frühjahr ist der Absatz an Medikamenten gegen solche Krankheiten spürbar zurückgegangen. "Am stärksten zeigt sich die Wirkung des Abstandhaltens beim Läusebefall. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Nachfrage nach Läusemittel um fast zwei Drittel reduziert", erläutert Ludwig.

Halten Hygieneregeln, Alltagsmasken und Abstandsregelungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie also auch andere Krankheiten in Schach? Die Zahlen sprechen dafür:

Umsatzeinbrüche bei Erkältungsmitteln

Insgesamt wurden in deutschen Apotheken im ersten Halbjahr 2020 fast ein Fünftel weniger rezeptfreie Mittel gegen Erkältung verkauft als im Vergleichszeitraum 2019. Das belegen Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, die ZDFheute vorliegen. Bei Arzneimitteln gegen Duchfallerkrankungen liegt der Rückgang sogar bei fast 25 Prozent.

Einige Bundesländer haben sich auf gemeinsame Regeln im Umgang mit deutschen Corona-Risikogebieten geeinigt. Wie sinnvoll die sind, erklärt der Medizinjournalist Christoph Specht.

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Offenbar sind 2020 tatsächlich weniger Menschen erkrankt als in den Vorjahren - das zeigen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI): Sowohl bei den akuten Atemwegserkrankungen als auch bei anderen Infektionen wie beispielsweise mit dem Norovirus gibt es einen signifikanten Rückgang.

RKI: Nie zuvor so wenig Erkältungen beobachtet

Nach Daten auf der vom RKI betriebenen Website "GrippeWeb" lag der Anteil der Teilnehmer mit akuten Atemwegsinfektionen seit Anfang April fast durchgängig unter dem Schnitt der vergangenen Jahre - so niedrige Werte hatte das RKI nach eigenen Angaben zuvor nie beobachtet. Ende September meldeten rund vier Prozent eine Erkältung, im vergleichbaren Zeitraum der Vorjahre waren es zwischen fünf und acht Prozent.

"Die von der Bundesregierung beschlossenen Kontaktbeschränkungen scheinen zu einer deutlichen Reduzierung der ARE-und ILI-Aktivität (akute Atemwegserkrankungen bzw. grippale Infekte, Anm. d. Red.) vor allem in den jüngeren Altersgruppen beigetragen zu haben", schreibt das RKI in seinen Grippe-Web-Wochenberichten im Frühsommer. Mit Beginn der Kontaktbeschränkungen endete im Frühjahr auch die Grippesaison abrupt.

Bundesweit zählt in Sachen Corona vor allem: das Infektionsgeschehen muss eingedämmt werden. Doch inzwischen versteht kaum noch jemand, wo welche Regel gilt. Eines gilt nun fast bundesweit: ein Beherbergungsverbot für Leute aus Hotspots.

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Weniger Fälle bei fast allen Infektionskrankheiten

Und auch andere meldepflichtige Infektionen sind nach Zahlen des Epidemiologischen Bulletins des RKI in diesem Jahr deutlich zurückgegangen: Es gibt kaum eine Infektionskrankheit - von Norovirus-Erkrankungen bis Windpocken - die im Jahr 2020 nicht weniger Fälle verzeichnet als 2019.

Womöglich sind die Corona-Maßnahmen wie Abstand halten, Maskentragen und Händewaschen nicht die einzigen Faktoren, die die offiziellen Zahlen klein halten. Denkbar ist auch, dass in diesem Jahr etliche Fälle nicht bekannt wurden, weil Patienten weniger zum Arzt oder in die Apotheke gegangen sind.

Läuse verbreiten sich nur über direkten Kontakt

Doch bei Kopfläusen scheint der Zusammenhang zu den Kontakbeschränkungen und Schließungen von Kitas und Schulen klar zu sein, auch wenn es von den Herstellern von entsprechenden Medikamenten bislang keine belastbaren Zahlen über Umsatzeinbrüche gibt: "Läuse können sich nur verbreiten, wenn Menschen Kontakt zueinander haben", erklärt Heinz Mehlhorn, emeritierter Professor für Parasitologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Gespräch mit ZDFheute.

Zum Beispiel wenn Kinder in der Schule beim gemeinsamen Lesen oder Spielen die Köpfe zusammenstecken, dann werden die übertragen. Aber jetzt verteilen sie sich nicht, weil die Leute einen Meter fünfzig Abstand halten.
Heinz Mehlhorn, emeritierter Professor für Parasitologie über Kopfläuse

Auch Kleiderläuse und Filzläuse würden sich derzeit kaum übertragen können. Dass Läuse deshalb besiegt werden könnten und aussterben, glaubt Mehlhorn jedoch nicht: "Die Menschheit gibt's seit Millionen von Jahren, Menschen hatten immer Läuse. Daran ändert auch Corona nichts."

Ein medizinischer Mundnasenschutz hängt am Rückspiegel eines im Regen parkenden Autos.

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