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CoVid2: US-Mediziner empfehlen längere Quarantäne

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Coronavirus - CoVid2: US-Mediziner empfehlen längere Quarantäne

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Weltweit ist eine zweiwöchige Quarantäne beim neuartigen Coronavirus üblich. US-Mediziner fordern längere Zeiten und kritisieren die Trump-Administration.

Die Studentin Ann-Sophie Muxfeldt steht mit Mundschutz im Quarantäne-Block der Bundeswehr-Kaserne.
Wie lange ist Quarantäne nötig?
Quelle: DPA

Es ist mutig, eine unangenehme Wahrheit auszusprechen. Und diese ist Carlos del Rio so wichtig, dass er in seinem dichten Terminkalender ein paar Minuten freimacht für ein ZDF-Interview.

Mit seinen Worten stellt der Leiter des medizinischen Instituts an der Emory-Universität in Atlanta in Frage, ob in der CoVid19-Epidemie die übliche 14-tägige Quarantäne ausreicht: "In Wirklichkeit gibt es da draußen Fälle von Menschen, bei denen die Infektionen später erfolgen. Ein Bericht zeigt, dass die Ansteckungsphase 24 Tage lang war, oder sogar länger."

Quarantäne-Erkenntnis zeigt "Löcher im System"

Diese Erkenntnis sollte Regierungen rund um den Erdball beunruhigen. Denn dann wäre nicht auszuschließen, dass Personen, die bei Verdacht auf Infektion mit Coronavirus zwei Wochen unter Quarantäne gelebt haben, auch nach ihrer Entlassung noch ansteckend sein könnten. Del Rio und seine Kollegin Preeti N. Malani, Professorin am medizinischen Institut der Universität von Michigan in Ann Arbor, haben ihre Erkenntnisse auf der Online-Plattform des angesehenen Journals of American Medical Association JAMA veröffentlicht.

Die beiden gehören zu den Top-Medizinern des Landes im Bereich Infektionskrankheiten. Sie wollen keine Panik verbreiten, aber raten dringend, die bisherigen Quarantänefristen zu überdenken. "Das untergräbt nicht völlig die bisherige Annahme, aber es zeigt Löcher im System", so del Rio im ZDF-Interview, "das gilt nicht für jedermann, aber es gibt eben eine gewisse Gruppe."

Selbst wenn es bei 90 Prozent der Menschen nur 14 Tage sind, was ist dann mit den restlichen 10 Prozent?
Carlos del Rio

Trump kontra Wissenschaft

Kritische Fragen stellen, das kommt nicht gut an bei der Trump-Administration in Washington. Seit Wochen bemüht sich die Regierung, die Gefahr durch das Virus Sars-CoV-2 herunterzuspielen. Der Konflikt zwischen höchstrangigen Politikern und den Top-Wissenschaftlern spielt sich vor laufenden Kameras ab.

Am Dienstag erweckt US-Gesundheitsminister Azar im Beisein des Präsidenten den Eindruck, als könnten noch in dieser Woche klinische Tests für einen Impfstoff beginnen. Unmittelbar nach ihm dämpft der wohl angesehenste Experte für Infektionskrankheiten in den USA, Anthony Fauci diese Erwartungen. "Vielleicht in einem Monat" werde man der ersten Person den Testimpfstoff injizieren. Dann dauere es noch Monate bis zu einer Therapie und "ein, vielleicht auch anderthalb Jahre" bis zu einer breiten Anwendung eines solchen Impfstoffs, sofern die Tests erfolgreich sind.

Das Coronavirus - eine Doku im ZDF auslandsjournal.

Beitragslänge:
44 min
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Vom "Outbreak" zur Pandemie

Fauci leitet den entsprechenden Fachbereich beim National Institute of Health NIH vor den Toren von Washington. Er ist mit seinen sachlichen, verständlichen Erklärungen für die Amerikaner seit den 90er Jahren in einer Reihe von Outbreaks zu einer verlässlichen und beruhigenden Stimme der Wissenschaft geworden. Umso bemerkenswerter ist, wie deutlich sich seine Einschätzung von den Äußerungen der Trump-Administration unterscheidet. "Wir haben es hier mit einer sich ausbreitenden Infektionserkrankung zu tun, die jetzt schon als Outbreak und wahrscheinlich bald als Pandemie bezeichnet werden kann", so Fauci in einem Interview, das der US-Fernsehsender NBC in seiner Hauptnachrichtensendung ausstrahlte.

Der Experte spricht von möglichen Schulschließungen, der Absage von Veranstaltungen und der Einschränkung von Reisemöglichkeiten im Land, sobald die Pandemie ausgerufen wird. Aber Fauci vermeidet eine direkte Kritik am Krisenmanagement der US-Regierung.

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Tatsächlich hat die Trump-Regierung im vergangenen Jahr massive Kürzungen bei der amerikanischen Entwicklungshilfeagentur USAID durchgesetzt. Die Sparmaßnahmen trafen vor allem das sogenannte PREDICT-Programm, das die Früherkennung von gefährlichen Viruserkrankungen rund um den Erdball verbessert hatte. Die US-Seuchenkontrollbehörde CDC musste ihre “Viren-Detektive” aus vielen Ländern abziehen, unter anderem auch aus China.

CDC läutet Alarmglocke

Im Januar läutete das CDC offenbar eine Alarmglocke, wie die Leiterin der CDC-Foundation, Judy Monroe, dem ZDF bestätigt. Die Stiftung sammelt Spenden für die Arbeit der Seuchenkontrollbehörde. "Die Experten des CDC wussten, dass dies eine Epidemie, potentiell auch eine Pandemie, werden könnte, also haben sie uns gebeten, die Notfallreserve zu aktivieren", so Monroe, "wir haben dann Philantropen und Aktivisten um Spenden gebeten, um schnell reagieren zu können, wenn es notwendig ist."

Für Carlos del Rio ist das ein weiteres Beispiel für den chronischen Mangel an Ressourcen im Kampf gegen Infektionskrankheiten: "Eigentlich ist das wie die Finanzierung der Feuerwehr. Sie wollen, dass sie jederzeit einsatzbereit ist. Nur weil es gerade mal keine Feuer gibt, nimmt der Feuerwehr doch nicht das Geld weg." Auch das ist eine unangenehme Wahrheit für die Politik, die del Rio unbedingt aussprechen will.

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