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Jeder fünfte Krankenhauspatient stirbt

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Studie zu Corona-Todesraten - Jeder fünfte Krankenhauspatient stirbt

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22 Prozent aller Covid-19-Krankenhauspatienten in Deutschland sterben. Mit Beatmung sogar die Hälfte. Das verdeutliche, wie gefährlich die Krankheit sei, so die Autoren der Studie.

Zwei Krnakenschwestern behandeln einen Covid-19-Patienten am 29.04.2020 in Mühldorf am Inn
Gut vorbereitet und dennoch sterben viele Covid-19-Patienten: ein deutsches Krankenhaus in der Corona-Pandemie (Archivbild)
Quelle: AP

Das Coronavirus tötet. Auch im vergleichsweise wenig betroffenen Deutschland starben bislang mehr als 9.000 an Covid-19 erkrankte Menschen.

Wie tödlich die Krankheit genau ist, hat eine neue Studie untersucht: Das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido), die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und die Technische Universität Berlin haben Behandlungsdaten von mehr als 10.000 Covid-19-Patienten aus 920 verschiedenen Krankenhäusern in Deutschland analysiert. Sie wurde im Fachjournal "The Lancet Respiratory Medicine" veröffentlicht.

Sehr hohe Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern

22 Prozent aller eingelieferten Corona-Patienten sind der Studie zufolge verstorben. Bei den Patienten, die beatmet wurden, lag die Sterblichkeit sogar bei 53 Prozent, ohne Beatmung bei 16 Prozent. Die Daten stammen aus der Anfangsphase der Pandemie zwischen dem 26. Februar und dem 19. April.

Die Sterblichkeit ist insgesamt sehr hoch. Das verdeutlicht, wie gefährlich die Krankheit ist.
Co-Autorin Carina Mostert, Wido

Dieses Ergebnis sei wichtig, weil man zuvor kaum Referenzwerte hatte, welche Sterblichkeit zu erwarten war, so Mostert.

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Sterblichkeit könnte in Zukunft sinken

"Im Gegensatz zu Italien haben wir in Deutschland auch alte Patienten weiter beatmet, mussten keine Triage durchführen", sagt der Pneumologe Christian Karagiannidis von der Universität Witten/Herdecke, ebenfalls Co-Autor der Studie.

Inzwischen seien Krankenhäuser besser vorbereitet auf eine mögliche erneute Infektionswelle. Daher erwartet Karagiannidis in Zukunft eine zumindest leicht sinkende Fallsterblichkeit: "Ein paar Prozente werden wir sicher runterkommen."

17 Prozent aller Krankenhauspatienten wurden beatmet

Von den rund 10.000 untersuchten Patienten mussten etwa 1.700 beatmet werden. Das Durchschnittsalter der Behandelten lag bei 68,3 Jahren. Nur knapp darüber (68,4) liegt das Durchschnittsalter der Patienten, die beatmet werden mussten. Im Schnitt dauerte eine Beatmung 13 Tage. Männer mussten etwa doppelt so häufig beatmet werden wie Frauen.

Wie in anderen Ländern auch spielten das hohe Alter und die Vorerkrankungen der Patienten eine große Rolle bei der Sterblichkeit, so die Autoren. Es würde sich aber definitiv lohnen, auch ältere Patienten zu beatmen, betont Autorin Mostert.

Bei schweren Verläufen von Covid-19 müssen Patienten teilweise wochenlang künstlich beatmet werden. Danach ist es mühsam zu lernen, wieder selbstständig Luft zu holen.

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Hätte eine frühere Einlieferung Todesfälle verhindern können?

Die Studie zeigt auch, wo noch weiter Forschungsbedarf existiert: "Die Wahrscheinlichkeit zu sterben war in den ersten zehn Tagen des Krankenhausaufenthaltes besonders hoch", heißt es in der Studie. Deutet das darauf hin, dass Patienten unter Umständen zu spät ins Krankenhaus eingeliefert werden? Und mehr Menschen überleben würden, wenn sie rechtzeitig behandelt würden?

Das könne man auf Basis der vorhandenen Daten nicht sagen, sagt Mostert. "Wie viele Tage vor dem Krankenhausaufenthalt eine Infektion oder Erkrankung stattgefunden hat, geht aus ihnen nicht hervor."

Nicht jedes Krankenhaus kann beatmen

Einen Appell an Krankenhäuser in Deutschland richtet die Studien-Autorin: "Achten Sie darauf, dass Einrichtungen die Beatmung von Patienten übernehmen, die damit Erfahrung haben." Sie habe eine gewisse Varianz bei den Todesraten der beatmeten Patienten von Klinik zu Klinik festgestellt. Vorerfahrung bei bestimmten Beatmungstechniken sei wichtig für die Überlebenschancen der Patienten, so Mostert.

Pneumologe Karagiannidis betont, dass schon im Frühjahr von den untersuchten 920 Kliniken nur 563 überhaupt Beatmungen von Covid-19-Patienten durchgeführt hätten. "Wir haben hohe Verlegeraten der Patienten festgestellt. Eine Zentralisierung findet bereits statt." Die genauen Gründe für diese Beobachtung wollen die Forscher jetzt in einer weiteren Studie untersuchen.

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