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Wirbel um Corona-Studie - "Bild"-Kritik an Drosten: Das sagen Experten

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Die "Bild" greift eine Studie zu ansteckenden Kindern von Deutschlands bekanntestem Virologen Christian Drosten als "grob falsch" an. Was ist wirklich dran an der Kritik?

Der Virologe Christian Drosten. Archivbild
Der Virologe Christian Drosten. Archivbild
Quelle: Christophe Gateau/dpa

"Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch" titelte die "Bild" am Montag. Ein Artikel, der für viel Diskussion in Sozialen Netzwerken und Empörung bei einigen Wissenschaftlern sorgte. Als Beleg sammelte der Autor Zitate aus Tweets oder Untersuchungen von insgesamt vier verschiedenen Wissenschaftlern, die sich kritisch zu Drostens Corona-Studie geäußert hatten.

Offenbar hatte das Boulevardblatt aber mit keinem persönlich gesprochen. Alle zitierten Forscher distanzierten sich inzwischen öffentlich von der Berichterstattung der "Bild".

"Nicht hieb- und stichfest, aber auch nicht falsch"

Die Kernaussage von Drostens Studie, die die "Bild" zu widerlegen versucht: Mit dem Coronavirus infizierte Kinder sind vermutlich ähnlich ansteckend wie Erwachsene. Unter anderem zitiert "Bild" Professor Leonhard Held vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich.

Er hatte Drostens Studie untersucht und vor allem statistische Mängel festgestellt. Im Gespräch mit ZDFheute sagt Held:

Ich wurde nicht interviewt und distanziere mich von der reißerischen Aufmachung der Bildzeitung. Die haben einfach Sätze aus einem Gutachten genommen und aus dem Zusammenhang gerissen.
Prof. Leonhard Held, Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention Universität Zürich

Drostens statistische Analyse sei zwar "nicht hieb- und stichfest", so Held. "Ich würde aber nicht sagen, dass sie falsch ist."

Forscher empfiehlt, Studie zurückzuziehen

Auch der Ökonom Jörg Stoye, der an der Cornell-Universität im US-amerikanischen Ithaca Statistik lehrt, sieht sich von der "Bild" falsch dargestellt und verstanden. In einem Interview mit dem "SPIEGEL" sagt er, er sei mit Drosten zwar nicht einer Meinung in Bezug auf die Virenlast bei Kindern, aber: "So, wie 'Bild' meine Zitate verwendet, stehe ich auf keinen Fall dazu."

Andere Forscher wie der renommierte britische Statistiker David Spiegelhalter sehen Drostens Studie allerdings kritischer: Der Cambridge-Professor kritisiert die statistische Analyse als "unzureichend" und fordert Drosten bei Twitter sogar auf, die Publikation zurückzuziehen.

Journalisten können die Studie zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen

Daniel Lingenhöhl, der Chefredakteur von "Spektrum der Wissenschaft" sagt im Gespräch mit ZDFheute zur Drosten-Studie:

Ich würde mir auch als Wissenschaftsjournalist nicht anmaßen, so eine Studie als falsch zu bezeichnen.
Daniel Lingenhöhl, Chefredakteur von "Spektrum der Wissenschaft"

Er weist darauf hin, dass die Studie nicht einmal offiziell veröffentlicht ist: "Zunächst werden solche Studien erst einmal in einem 'Peer Review Prozess' von anderen Wissenschaftlern auf Herz und Nieren geprüft."

Vorher könne ein Journalist kaum beurteilen, ob eine Studie falsch ist, so Lingenhöhl - "erst recht nicht aufgrund von einigen wenigen, aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen anderer Forscher bei Twitter - so funktioniert Wissenschaft nicht." Vielleicht habe die "Bild" am Ende sogar Recht. Doch zu diesem Zeitpunkt könne man das so nicht sagen.

Frank Überall hält die Kritik Drostens an der "Bild" für nicht wirklich neu. Boulevardmedien seien für Personalisierung und Zuspitzung bekannt.

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Drosten verteidigt Studie in Podcast

Drosten selbst hatte kaum Gelegenheit, sich bei "Bild" zu der Kritik der Forscher-Kollegen zu äußern. Die Anfrage des Redakteurs erreichte Drosten via Mail am Montagnachmittag um 15 Uhr. Drosten wurde aufgefordert, innerhalb einer Stunde Stellung zu beziehen - ein fragwürdiges Vorgehen. "Ich habe Besseres zu tun", schrieb Drosten knapp bei Twitter.

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Inzwischen hat der Virologe allerdings in seinem NDR-Podcast Stellung bezogen: Die Kritik der Statistiker sei durchaus berechtigt, aber man hätte das auch alles ohne statistische Analyse veröffentlichen können, so Drosten. "Die Aussage ist einfach klar - es gibt auch bei Kindern sehr hohe Viruslasten. Das ist nur das, was wir sagen wollen."

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