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Bringt Corona die Ernährungswende?

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Bewusster essen - Bringt Corona die Ernährungswende?

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Die Corona-Krise hat unsere Ernährung verändert: Bewusster, gesünder und nachhaltiger ist sie geworden. Ob der Trend allerdings von Dauer ist, kann niemand vorhersagen.

Archiv: Gesundes ballaststoffreiche Kost mit Apfel, Banane, Brot, Gurke, Karotte, Orange, Salat und Tomate
Die Corona-Krise hat den Trend zu gesünderem Essen verstärkt.
Quelle: dpa-tmn

Für die vegane Kochbuchautorin Nicole Just sind die Zeichen deutlich: Die Blogaufrufe bei ihr haben sich im Frühjahr verdreifacht. Im Trend: gesund, schnell, selbst gemacht und natürlich ohne Fleisch.

Ich habe schon den Eindruck, dass viele Menschen sich vorgenommen haben, gesünder zu essen.
Nicole Just, Kochbuchautorin

Unter den Top-Themen im Blog seien: Rezepte für "Ingwershots" und "Kurkumapaste".

Wichtig bei Ernährung: Regional, gesünder, umweltschonend

Dass sich durch Corona tatsächlich gehörig etwas geändert hat, bestätigt eine Umfrage der Universität Göttingen. Dabei gaben im Juni mehr als 21 Prozent der Befragten an, weniger Fleisch und Wurst zu essen. "Viel wichtiger" oder "eher wichtiger" werden außerdem Aspekte wie Regionalität (44,4 Prozent), gesunde Lebensmittel (43,9 Prozent), Tierwohl (34,2 Prozent), Natur- und Artenschutz (31,2 Prozent) und Klima- und Umweltschutz (29,8 Prozent) eingestuft. Interessant dabei: Seit April hat die Wichtigkeit dieser Aspekte deutlich zugenommen.

Ähnliche Trends hat im Mai der Consumer-Index der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) festgestellt: Die Krise hat danach die ohnehin steigende Nachfrage nach Bio-Produkten (plus 23,3 Prozent gegenüber Mai 2019) und vor allem Veggie-Produkten (plus 57,9 Prozent) spürbar angekurbelt. Aber woran liegt das? Nicole Just sagt, darüber könne sie zwar nur spekulieren. Aber:

Ich vermute, Angst um die eigene Gesundheit ist ein starkes Motiv. Möglicherweise hatten einige Menschen aber auch einfach mehr Zeit, sich mit ihrer Ernährung auseinanderzusetzen.
Nicole Just, Ernährungsbloggerin

Abwehrkräfte ein Motiv

Dass gesundes Essen die Abwehrkräfte stärkt, mag ein Motiv sein. Ebenso, dass die problematischen Zustände in der Fleischindustrie gerade hinterfragt werden. Joyce Moewius vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) glaubt, es spiele auch eine Rolle, dass die Ursachen solcher Pandemien laut Studien mit dem Klimawandel und der verstärkten Landnutzung zusammenhängen könnten.

Archiv: Mitarbeiter vom Bio-Lieferanten "Gemüsekiste" packen Obst und Gemüse in grüne Kisten am 03.07.2018 in Hemmingen.

Bio und Gemüse -
Diese Ernährungstrends boomen in der Pandemie
 

Hamsterkäufe im März, Lockdown im April: In der Corona-Zeit hat sich das Einkaufsverhalten verändert. Was allerdings bleibt, ist der Trend zur gesunden Ernährung.

Beigetragen zum Bio-Boom habe wohl auch, dass sich nun viele Menschen zu Hause so versorgen, wie sie es am besten finden. "Weil die Kantine oder der Imbiss am Arbeitsort keine oder nur wenige Bio-Zutaten verwendeten", sei das in normalen Zeiten nicht möglich gewesen, so Moewius.

Preis wird immer wichtiger

Ob die Trends allerdings von Dauer sind, ist fraglich. Es hat sie zwar vor Corona grundsätzlich schon gegeben. Allerdings könnte sie nun eine andere Entwicklung ausbremsen: Laut der Uni Göttingen ist für mehr als 30 Prozent der Befragten der Aspekt "niedriger Preis" in der Krise wichtiger geworden. Nehmen Arbeitslosigkeit und Existenzängste zu, werde dessen Bedeutung weiter zunehmen, heißt es auch im GfK-Index. Und "billig" steht eben nicht unbedingt auch für Qualität, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Allerdings - das hätten Analysen anderer Krisen gezeigt - würde laut GfK neben dem Preisbewusstsein immer auch "das Bedürfnis nach einem achtsameren Konsum" bleiben.

Immer mehr Menschen kaufen vegane Produkte. Ob für Tiere und Umwelt oder die eigene Gesundheit: Vegan liegt im Trend.

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Dass vom "Wertewandel" durch Corona etwas dauerhaft Bestand haben wird, glaubt auch Nora Szech, Ökonomin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Aktuelle Studien des Instituts sprechen jedenfalls dafür. Das gilt etwa für die Bereitschaft, mehr Sport zu machen oder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Viele Möglichkeiten für Ausreden

Was die Ernährung betrifft, ist Szech allerdings skeptisch. Gerade beim Fleischkonsum sieht sie wenig Bewegung. Nach ihrer Erfahrung gingen das, was in Fragebögen angegeben werde, und das tatsächliche Verhalten meist weit auseinander. "Es gibt sehr viele Möglichkeiten, Ausreden zu finden."

Ernährungsbloggerin Nicole Just jedenfalls will nun genau beobachten, ob der aktuelle Trend Bestand haben wird. "Ich hoffe natürlich, dass so viele Menschen wie möglich dabei bleiben, sich klimafreundlich und gesund zu ernähren", sagt sie. "Das tut nicht nur dem Einzelnen gut, sondern uns als Gemeinschaft." 

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

Von Ananas bis Lachsfilet: Wer weiß schon, woher unser Essen kommt und was wirklich gut und lecker ist? Spitzenkoch Nelson Müller verfolgt den Weg unserer beliebtesten Lebensmittel vom Erzeuger bis ins Supermarktregal.

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44 min
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