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Symptome bei Genesenen - Was über Covid-Folgeschäden bekannt ist

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Erschöpfung, Kopfschmerzen, Atemnot und Organschäden: Es verdichten sich Hinweise, dass genesene Covid-19-Patienten weiter an Beschwerden leiden. Das ist der aktuelle Wissensstand.

Archiv: Auf zwei Monitoren sind Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten zu sehen
Viele Folgeschäden: Die Uniklinik Hamburg-Eppendorf untersucht die Langzeitfolgen von Corona.
Quelle: dpa

Als sich die Berichte über Folgebeschwerden genesener Corona-Patienten mehrten, dachte Stefan Kluge noch an einen Medienhype. Doch bei der Nachuntersuchung seiner Patienten stellte der Klinikdirektor der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fest: Da ist was dran.

"Unserer Erfahrung nach berichten Covid-19-Patienten häufiger als etwa Patienten mit einer Grippe oder Lungenentzündung von Folgeschäden und das unabhängig davon, ob sie intensiv, stationär oder ambulant betreut wurden", erzählt Kluge, der auch im Vorstand Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) sitzt.

Das sind häufig genannte Corona-Folgebeschwerden

Am Uniklinikum Eppendorf wurden Kluges Angaben zufolge etwa 150 Corona-Patienten stationär behandelt, ein erheblich größerer Anteil ambulant. Seine Beobachtung ist, dass die Genesenen unter vielfältigen Beschwerden leiden:

  • Chronische Erschöpfung
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Atemnot bei Belastung
  • Bewegungsstörungen
  • Organschäden, etwa an der Niere

"Man sieht aber auch: Je älter und vorerkrankter die Patienten sind, desto häufiger leiden sie unter Folgesymptomen", sagt Kluge.

Bei Menschen, die 30 Tage lang beatmet wurden, gibt es entsprechend mehr Folgeschäden. Dazu zählen etwa Muskelatrophie oder Belastungsluftnot.
Stefan Kluge, Uniklinik Eppendorf

Studienlage zu Corona-Folgen bisher kaum belastbar

Das aktuelle Problem ist nur: Noch gibt es keine umfassenden Studienergebnisse zum sogenannten "Post-Covid-Syndrom" - auch weil Covid-19 noch relativ jung ist. Ärzte wie Stefan Kluge müssen sich bei Einschätzungen noch auf ihr Bauchgefühl verlassen.

Prof. Stefan Kluge
Prof. Stefan Kluge ist Klinikdirektor der Intensivmedizin im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Quelle: W&B/Ronald Frommann

Am Donnerstag veröffentlichten Italienische Forscher aber Zahlen, die einen ersten Eindruck der Häufigkeit von Folgebeschwerden vermitteln. Ihre Studie mit 143 Covid-19-Patienten in Rom ergab, dass sie 60 Tage nach dem Auftreten erster Symptome zwar nicht mehr akut erkrankt waren. Dafür berichteten knapp 44 Prozent von einer mittlerweile geminderten Lebensqualität und vier Haupt-Symptomen:

Vor allem bei Patienten, die über Wochen hinweg beamtet wurden, sind Beschwerden üblich. Denn bei der künstlichen Beatmung werden die zum Atmen benötigen Muskeln abgebaut. Für ältere Menschen ist der Wiederaufbau dieser Muskeln besonders schwierig. Zudem können durch die Beatmung auch andere Organe beschädigt werden.

Corona wohl nicht nur Lungen-, sondern auch Gefäßerkrankung

Auffällig ist aber die Häufigkeit, mit der auch Patienten mit milderen Krankheitsverläufen etwa über Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten oder Kopfschmerzen berichten. Die genaue Ursachen sind noch nicht geklärt.

Mittlerweile verdichten sich Hinweise darauf, dass Covid-19 nicht nur eine reine Lungenerkrankung ist, sondern auch eine Gefäßerkrankung. Das kann zu Beeinträchtigungen im gesamten Organismus führen. Zudem berichtete ein Ärzteteam aus London, dass es bei vereinzelten Patienten unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung zu ernsthaften neurologischen Schäden kommen kann.

Das alles bedeutet jedoch nicht, dass all die genannten Folgebeschwerden immer zwangsläufig mit Covid-19 zusammenhängen müssen. So berichten viele Patienten nach überstandener Erkrankung davon, noch immer einen beeinträchtigten Geruchssinn zu haben.

Zwar gehen Mediziner davon aus, dass mit Covid-19 eine Schädigung des Riechepithels einhergehen kann - trotzdem verwiesen zwei HNO-Experten aus Dresden im Deutschen Ärzteblatt darauf, dass bisher nur eingeschränkt beurteilbar sei, inwieweit sich dieser Riechverlust von anderen postviralen Riechstörungen unterscheide.

Hamburger Studie zu Belastungsatemnot soll kommen

Intensivmediziner Kluge ist sich zudem bewusst: Es könnte sein, dass bei Covid-19 mehr über Folgeschäden bekannt ist, weil Ärztinnen und Ärzte bei genesenen Patienten eher nachhorchen als im "Normalfall".

Wir benötigen hier unbedingt Daten aus systematischen Nachuntersuchungen von Covid-19-Patienten und den Vergleich mit anderen Patientengruppen.
Stefan Kluge

Auch wenn die Studienlage zu den Corona-Folgeschäden noch uneindeutig ist - es gibt vielfach Hinweise darauf, dass es bei genesenen Covid-19-Patienten häufiger zu Beschwerden kommt als bei vergleichbaren Krankheiten. Jetzt braucht es belastbare Zahlen.

Die will auch das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf liefern: Bald soll es eine Studie zur Belastungsatemnot nach überstandener Covid-19-Erkrankung geben.

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