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Terrorgefahr durch Biowaffen? - "Das wurde stark überinterpretiert"

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Die Schlagzeilen klangen alarmistisch: "Europarat warnt vor Terroranschlägen mit Biowaffen". Doch wie groß ist die Gefahr wirklich? Die Warnung wurde inzwischen zurückgenommen.

Archiv: Deutsche Soldaten mit ABC-Schutzkleidung auf dem Nato-Truppenübungsplatz im niedersächsischen Bergen.
Archiv: Deutsche Soldaten mit ABC-Schutzkleidung auf dem Nato-Truppenübungsplatz im niedersächsischen Bergen.
Quelle: dpa

"Experten warnen vor Terrorangriffen mit Biowaffen" - so oder ähnlich klangen die Schlagzeilen am Montagmorgen in vielen großen Medien. Auch ZDFheute hatte die Berichterstattung zunächst aufgegriffen. Doch inzwischen ist der Europarat zurückgerudert - von einer Warnung ist nun nicht mehr zu Rede.

Die Berichte gehen zurück auf eine Stellungnahme des Europarat-Ausschusses für Terrorbekämpfung, die online zu finden ist. Der ursprüngliche Text sei missverständlich gewesen und "wurde stark überinterpretiert", sagt Europarat-Pressesprecher Daniel Höltgen. Er hat die Stellungnahme inzwischen deutlich entschärft.

Der Europarat hat keine konkreten Hinweise auf eine erhöhte Gefahr durch Bioterrorismus aufgrund der Pandemie.
Daniel Höltgen, Pressesprecher des Europarats

Bis Montagvormittag hieß es noch in der Überschrift: Der Ausschuss "warnt vor dem Risiko des Terrorismus durch Biowaffen". Im Beitrag hieß es weiter, Terroristengruppen könnten die Corona-Pandemie quasi als Blaupause für Anschläge nutzen. Die Überschrift mit der "Warnung" ließ Höltgen nun löschen.

Experte: Gefahr von Bioterror derzeit gering

Gunnar Jeremias
Gunnar Jeremias, Forschungsstelle biologische Waffen und Rüstungskontrolle Universität Hamburg
Quelle: Gunnar Jeremias

"Unsere Experten haben auf die Notwendigkeit hingewiesen, die internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet - auch während der Pandemie - fortzusetzen", so Höltgen. Die Gefahr eines Terrorangriffs mit Biowaffen bestehe grundsätzlich durchaus, sie habe sich jedoch durch die Pandemie "nicht erhöht".

Doch wie groß ist die Gefahr tatsächlich, dass Terroristen - inspiriert durch die Corona-Krise - mit einem infektiösen Erreger eine erneute Pandemie entfachen können? "Sehr gering", sagt Gunnar Jeremias, Leiter der Forschungsstelle biologische Waffen und Rüstungskontrolle der Universität Hamburg im ZDFheute-Interview.

Es ist nicht so einfach, mal eben eine Pandemie loszutreten.
Gunnar Jeremias, Forschungsstelle biologische Waffen und Rüstungskontrolle Universität Hamburg

Und niemand könne einfach ein Virus herstellen, dass es noch nicht gibt. "Man kann höchstens bestehende Viren verändern. Aber das ist extrem aufwändig und Terrororganisationen können eben nicht jahrelang in einem Hochsicherheitslabor forschen", so Jeremias.

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Unwahrscheinlich, dass Terroristen ein Virus erschaffen

Dass also Terroristen ein gefährliches Virus erschaffen und sie dann auch noch in der Lage sind, es effektiv weltweit zu verbreiten, hält Jeremias derzeit für extrem unwahrscheinlich. Eine höhere Wahrscheinlichkeit sieht Jeremias jedoch für Biowaffen-Terrorismus mit Erregern, die nicht von Mensch zu Mensch übertragbar sind wie etwa Milzbrandbakterien oder mit biologischen Giften wie Rizin.

Dass solche Anschläge nicht nur Theorie sind, zeigen die zahlreichen Anthrax-Anschläge im Jahr 2001, bei denen Briefe mit Milzbrand-Sporen verschickt wurden. Fünf Menschen starben. Und erst im März wurde ein 31-jähriger Islamist zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er in Köln eine Bombe mit dem Biogift Rizin gebaut hatte.

Vor einem Liniendiagramm steht der Großbuchstabe R. Im Hintergrund sind zwei große, gezeichnete Viren zu sehen.

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