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Corona-Krise führt zu mehr häuslicher Gewalt

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Repräsentative Umfrage - Corona-Krise führt zu mehr häuslicher Gewalt

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Quarantänen und Kontaktbeschränkungen haben in der Corona-Krise zu häuslicher Gewalt geführt. Das belegt eine erste Studie zum Thema. Frauen und Kinder sind betroffen.

Häusliche Gewalt (Symbolbild)
Häusliche Gewalt: Corona-Quarantäne und Finanznot Risikofaktoren für Frauen.
Quelle: Maurizio Gambarini/dpa

Rund drei Prozent der Frauen in Deutschland wurden in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen zu Hause Opfer körperlicher Gewalt. Weitere 3,6 Prozent wurden von ihrem Partner vergewaltigt. In 6,5 Prozent aller Haushalte wurden Kinder gewalttätig bestraft.

Dies zeigt eine in München veröffentlichte erste große repräsentative Umfrage zu häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie. Erstellt wurde sie von der TU München und dem RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Nur ein sehr kleiner Teil der betroffenen Frauen nutzte Hilfsangebote.

Zu Hause arbeiten kann Gewalt fördern

Waren die Frauen in Quarantäne oder hatten die Familien finanzielle Sorgen, lagen die Zahlen deutlich höher, wie die Erhebung zeigt. Gleiches galt, wenn einer der Partner aufgrund der Pandemie in Kurzarbeit war oder den Arbeitsplatz verloren hatte. Weitere Faktoren für mehr Gewalt waren, wenn einer der Partner Angst oder Depressionen hatte oder im Haushalt Kinder unter zehn Jahren lebten.

Neben tatsächlich ausgeübter körperlicher und sexueller Gewalt fühlten sich außerdem 3,8 Prozent der Frauen von ihrem Partner bedroht. 2,2 Prozent durften ihr Haus nicht ohne seine Erlaubnis verlassen. In 4,6 Prozent der Fälle regulierte der Partner Kontakte der Frauen mit anderen Personen, auch digitale Kontakte etwa über Messenger-Dienste.

Kinder in der Corona-Krise

Beitragslänge:
7 min
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Mehr Notbetreuung für Kinder gefordert

Aus diesen Risikofaktoren leiteten die Wissenschaftlerinnen mehrere Empfehlungen für bestehende und künftige Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen ab. So sollten Notbetreuungen für Kinder geschaffen werden, die nicht nur Eltern in systemrelevanten Berufen zur Verfügung stünden.

Da Depressionen und Angstzustände das Gewaltpotenzial noch erhöhten, müssten psychologische Beratungen und Therapien auch online angeboten werden.

3.800 Frauen befragt

Janina Steinert von der TU München und Cara Ebert vom RWI befragten rund 3.800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren online nach ihren Erfahrungen. Hinsichtlich Alter, Bildungsstand, Einkommen, Haushaltsgröße und Wohnort sei diese Studie repräsentativ für Deutschland, heißt es. Die Frauen wurden laut Mitteilung zwischen 22. April und 8. Mai nach dem vorangegangenen Monat gefragt.

Da zu erwarten gewesen sei, dass manche aus Scham nicht zutreffende Antworten geben würden, hätten die Wissenschaftlerinnen bei besonders stigmatisierten Formen der Gewalt wie sexueller Gewalt eine anerkannte indirekte Fragemethode angewandt.

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