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Hilferufe aus dem Kinderzimmer

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Sorgentelefone in Corona-Zeiten - Hilferufe aus dem Kinderzimmer

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In Zeiten der Corona-Beschränkungen steigt die Gefahr für Kinder, in der Familie Gewalt ausgesetzt zu sein. Sorgentelefone und Beratungsstellen haben nur teilweise mehr Zulauf.

Symbolbild Kindesmissbrauch
In der Coronakrise fallen wichtige Ansprechpartner weg, die Missbrauch an Kindern durch die eigenen Familien entdecken könnten.
Quelle: picture alliance / Bildagentur-online/Begsteige

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gefahr für Kinder und Jugendliche, in Zeiten von Corona von der Familie verstärkt Misshandlung und Missbrauch ausgesetzt zu sein, nimmt zu.
  • Jugendämter, Sorgentelefone und Beratungsstellen haben teilweise mehr Zulauf, bei manchen gehen die Anfragen dagegen zurück.
  • Kinderschutzstellen befürchten eine hohe Dunkelziffer und gehen davon aus, dass die Meldungen stark ansteigen werden, wenn Kinder und Jugendliche wieder Zugang zu Ansprechpersonen und Hilfeangeboten haben.

Für viele Kinder und Jugendliche ist mit der Familie ein Ort verbunden, an dem sie sich gut aufgehoben fühlen. In Zeiten des Coronavirus zeigt sich jedoch auch ein anderes, hässliches Bild. Die Gefahr, in der Familie verstärkt Misshandlung und Missbrauch ausgesetzt zu sein, nimmt zu:

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Mehr Anrufe als sonst beim Sorgentelefon

Die medizinische Kinderschutz-Hotline, bei der sich Ärzte bei Missbrauchsverdacht beraten lassen können, wird ebenfalls verstärkt nachgefragt. Das Sorgentelefon "Nummer gegen Kummer" verzeichnet etwa 20 Prozent mehr Anrufe als sonst.

Rückmeldungen, die unsere Befürchtungen einer größeren Gefährdung von Kindern und Jugendlichen bestätigen, gibt es etwa von Jugendämtern.
Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM)
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Kinderschutzstellen befürchten hohe Dunkelziffer

Nicht überall sind die Anrufzahlen bei Notrufnummern jedoch gestiegen. Beim Verein SOS-Kinderdorf sind die Anfragen von Kindern und Jugendlichen, die sich an dessen Beratungsstellen gewandt haben, zurückgegangen. Durch das verordnete Zuhausebleiben sei dies für viele junge Menschen schwieriger geworden, so Birgit Lambertz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende bei SOS-Kinderdorf.

Doch höhere oder niedrigere Anrufzahlen sagen ohnehin nur wenig über das tatsächliche Ausmaß familiärer Gewalt aus. Kinderschutzstellen befürchten eine hohe Dunkelziffer und gehen davon aus, dass die Meldungen stark ansteigen werden, wenn Kinder und Jugendliche wieder Zugang zu Ansprechpersonen und Hilfeangeboten haben.

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Langfristige Auswirkungen auf Kinderseelen

Alle Folgen des coronabedingten Lockdowns für den Kinderschutz werden wohl ohnehin erst in den nächsten Monaten absehbar sein. "Es sind durchaus langfristige und negative Auswirkungen zu befürchten, weil die vertraute Kindergärtnerin oder der Trainer nicht da gewesen sind, die vielleicht schon frühzeitig hätten eingreifen können", betont Birgit Lambertz.

Als Konsequenz fordert sie deshalb unbürokratische, niedrigschwellige und nicht stigmatisierende Entlastungsmöglichkeiten für Familien, die selbst merken, dass sie an ihre Grenzen stoßen. "Gleichzeitig sind aber auch bessere Unterstützungsangebote für diejenigen nötig, die merken, dass eine Familie ihre Grenzen nicht mehr wahrnehmen kann oder will."

Kein Verschweigen mehr

Wie ein Brennglas habe die Corona-Krise die Defizite im Kinderschutz freigelegt, beklagt Johannes-Wilhelm Rörig. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung fordert ein stärkeres Investment in Qualifizierung von Fachkräften, aber auch in ein gut ausgebautes Hilfesystem für betroffene Kinder und Jugendliche.

Nicht zuletzt brauche es eine aufgeklärte Bevölkerung, die Verschweigen und "unter den Teppich kehren" nicht zulässt: "Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch muss endlich als nationale Aufgabe verstanden werden, bei der auch die "kinderschutzfernere" Politik und die gesamte Gesellschaft mitwirkt."

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