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Göttingen, Gütersloh, Stuttgart - Führt Corona zu gesellschaftlicher Spaltung?

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Ausschreitungen in Göttingen und Stuttgart, dazu der neuerliche Lockdown in den Kreisen Gütersloh und Warendorf. Expertren warnen, dass Corona die Gesellschaft zersetzen kann.

Zerstörte Schaufenster in Stuttgart
Zerstörte Schaufenster in Stuttgart: Eine Folge der Corona-Krise?
Quelle: epa

Ausschreitungen in Stuttgart und Göttingen und die Schlafhallen der Fleischarbeiter im Kreis Gütersloh: Es sind Szenen, wie man sie so in Deutschland nicht unbedingt vermutet. Für den Kriminologen Christian Pfeiffer spiegelt sich in den Bildern eine wachsende soziale Spaltung der deutschen Gesellschaft.

"Der Armutssektor scheint in besonderer Weise unter Corona zu leiden", sagt Pfeiffer, "und das zeigt sich nicht nur in Göttingen und anderen Orten, wo soziale Randgruppen in Quarantäne geraten, sondern eben auch in den Gewaltexzessen, die wir in Stuttgart beobachten konnten."

Der Lockdown betrifft auch den Bolzplatz

Der Lockdown habe sozial Schwache weit härter getroffen. In bildungsorientierten Familien habe das Home-Schooling noch einigermaßen geklappt, nicht aber bei den sowieso schon Benachteiligten. Viele junge Männer hätten in den vergangenen Monaten auf den dringend benötigten Ausgleich verzichten müssen. "Mit vollem Einsatz dem anderen den Ball weggrätschen - so etwas ist eben schon lange nicht mehr möglich." Und:


Wir haben gerade denjenigen den Zugang zu Sportaktivitäten verbaut, die am stärksten davon abhängig sind. Da staut sich ungeheuer viel Frust auf.

Ähnliches gelte für die Disco und den Musikclub: "Ein ganz wichtiger Ort des Austobens, des Kennenlernens, der Interaktion, der Rollenübung und Gruppenbildung."

Die chaotischen Zustände in der Stuttgarter Innenstadt am Wochenende haben Politik und Polizei eiskalt erwischt. Hunderte Randalierer und Plünderer im Herzen einer deutschen Großstadt.

Beitragslänge:
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Wirtschaftliche Sorgen und Vorwürfe gegen die Polizei vergiften die Atmosphäre

Der wirtschaftliche Abschwung mache den Schwächeren ebenfalls mehr zu schaffen. "Ein Familienvater verliert plötzlich seinen Job als Lastwagenfahrer, das Geld wird knapp, die Wohnung ist eng, und die Kneipe ist auch noch geschlossen. Meine Sorge ist, dass die sozial Schwachen hier sehr viel stärker in Stress geraten sind als jene, die besser dastehen. In dieser Frust-Szene vermute ich ein Potenzial für Gewalt."

Der von einigen Politikern und Medien verbreitete Rassismus-Vorwurf gegen die Polizei hat die Atmosphäre nach Pfeiffers Überzeugung zusätzlich vergiftet. "Das hat die Polizei in ein völlig falsches Licht gesetzt und den Corona-Verlierern eine Gruppe genannt, auf die man wütend sein darf."

Die Fälle in Bayern und Usedom bergen Sprengstoff

Auch Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, warnt vor sozialen Konflikten. Man müsse sich nur einmal vor Augen führen, wo die Infektionen verstärkt aufträten: "Das ist dort, wo Menschen in beengten Verhältnissen unter nicht besonders günstigen Umständen leben müssen."

Und dann würden sie obendrein auch noch als Schuldige abgestempelt ."Wir müssen aufpassen, dass wir nicht damit anfangen, Sündenböcke zu suchen", mahnt Landsberg. "Stellen Sie sich vor, Sie sind jemand, der bei Tönnies arbeitet. Da werden Sie auf der Straße schief angeguckt. Oder Sie sind jemand aus dem falschen Häuserblock, dem falschen Kreis und demnächst vielleicht auch noch aus dem falschen Bundesland."

Bayern hat die Beherbergung von Menschen aus dem Kreis Gütersloh und anderen betroffenen Regionen untersagt. Auf der Urlaubsinsel Usedom wurden 14 Menschen, darunter ein Ehepaar aus Gütersloh, zur vorzeitigen Abreise aufgefordert. "Das birgt natürlich Riesensprengstoff", kritisiert Landsberg.

Fußgängerinnen und Fußgänger und Deutschlandkarte mit Inzidenzen
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28.01.2022
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