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Corona-Beschränkungen - Wohin Gütersloher nicht mehr reisen dürfen

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In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gelten kurz vor den Ferien nun neue Corona-Auflagen - auch für Reisen. Was sagen Politik, Mediziner und Bevölkerung?

Es war eine schlechte, aber erwartbare Nachricht für die Bevölkerung in den Kreisen Gütersloh und Warendorf: In Folge der zahlreichen Neuinfektionen werden dort die Corona-Lockerungen aufgehoben. In beiden Kreisen war Zahl der Neuinfektionen nach dem Coronavirus-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück in die Höhe geschnellt.

In Gütersloh liegt der Wert der Neuinfektionen gerechnet auf 100.000 Einwohner in den zurückliegenden Tagen bei 257, in Warendorf bei 68. Der Grenzwert für eine Aufhebung der Corona-Lockerungen liegt bei 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner in einer Woche.

Kreis Gütersloh hat "Lockdown light" erwartet

Der Kreis Gütersloh hat diesen "Lockdown light", wie Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) ihn nennt, kommen sehen. "Wir haben heute damit gerechnet. Es deutete sich bereits am Montag an", erklärt Beate Behlert, Pressesprecherin des Kreises Gütersloh, gegenüber ZDFheute.

Was die Bevölkerung besonders ärgern dürfte: Die Einschränkungen kommen kurz vor dem Sommerferienbeginn am kommenden Montag. Entsprechend haben mehrere Bundesländer angekündigt, keine Touristen mehr aus den beiden Kreisen aufzunehmen.

Beschränkungen für Reisen nach Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein

  • In Bayern und Baden-Württemberg dürfen Beherbergungsbetriebe künftig keine Menschen mehr aufnehmen, die aus einem Kreis einreisen, in dem die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohnern liegt. Ausnahmen gebe es nur für Menschen, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen könnten. In Baden-Württemberg sollen zudem Ausnahmen möglich sein, wenn der Infektionsausbruch in einem Kreis räumlich klar eingegrenzt werden kann.
  • Menschen aus Corona-Risikogebieten dürfen nur nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen, wenn sie belegen können, dass sie innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise einen Corona-Test gemacht haben. Daraus muss hervorgehen, dass es keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus gibt. Wer ohne dieses Attest aus einem Risikogebiet einreist, muss das Land verlassen oder unverzüglich in seine Unterkunft, um sich dort 14 Tage lang zu isolieren.
  • Touristen aus Gütersloh und Warendorf dürfen in Niedersachsen von Freitag an nur mit negativem Corona-Test in Hotels, Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen übernachten. Auch darf das Attest nur höchstens 48 Stunden alt sein.
  • Im Saarland hat sich Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) für ein Verbot von Reisen für Menschen aus Kreisen mit hohen Corona-Infektionszahlen ausgesprochen.
  • In Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz müssen die Reisenden unverzüglich nach der Einreise ihre Wohnung oder eine andere geeignete Unterkunft beziehen, um sich 14 Tage lang zu isolieren. Oder sie müssen einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Armins Laschets Aussagen zum Thema Urlaubsreisen bleiben hingegen unscharf. Einerseits sagte der Ministerpräsident in Düsseldorf: "Wer Urlaub plant, kann das natürlich machen." Zugleich "appellierte" er aber an die Bewohner, "jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren". Und ergänzte: "Das wird auch kontrolliert werden."

Lauterbach und Drosten warnen vor unentdecktem Infektionsgeschehen

Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemologe Karl Lauterbach warnte in der "Rheinischen Post" hingegen davor, dass Menschen aus dem Kreis Gütersloh in den Urlaub fahren, ohne zuvor getestet worden zu sein.

Dann besteht die Gefahr, dass das Virus aus Gütersloh wieder verbreitet wird.

Ähnlich sieht es der Virologe Christian Drosten: "Das Entscheidende, das man jetzt machen muss, ist zu verhindern, dass sich das Ganze über diese Gegend hinaus weiterverbreitet", erklärte er in seinem NDR-Podcast. Er sieht bereits Hinweise darauf, dass das Virus über den betroffenen Fleischbetrieb hinaus in die Bevölkerung getragen wurde und befürchtet eine unsichtbare Ausbreitung.

Davon gehen auch die Verantwortlichen im Kreis Gütersloh aus. Deshalb würde etwa alle Alters- und Pflegeheime auf das Virus hin getestet, sagt Beate Behlert.

Was sagt die Bevölkerung in Rheda-Wiedenbrück?

Armin Laschet betonte, dass es neben den mittlerweile mehr als 1.550 Corona-Infektionen beim Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im gesamten Kreis Gütersloh derzeit nur 24 weitere Corona-Fälle gebe.

Im Kreis selbst standen am Dienstag zahlreiche Menschen an einem neu eingerichteten Test-Zentrum an - auch um sich für Kontrollen in den Urlaubsregionen zu wappnen. Der 48-jährige Maxim Jorich aus Rheda-Wiedenbrück und seine Familie haben zunächst noch nicht vor, sich testen zu lassen. Die Familie plant, Ende Juli nach Österreich und Norditalien fahren. Im Gespräch mit ZDFheute sagt er:

Wir hoffen, dass die Beschränkungen bis zu unserem Urlaub wieder gelockert werden
Maxim Jorich aus Rheda-Wiedenbrück

Jorich selbst sieht die neuen Beschränkungen zwiegespalten. "Wir Erwachsenen sind mittlerweile abgehärtet", erklärt er. Anders sei es bei den Kindern: Seine elfjährige Tochter und sein sechsjähriger Sohn würden deutlich mehr unter den wiedereingeführten Auflagen leiden. "Das überträgt sich dann auf die ganze Familie", sagt der 48-Jährige.

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