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Hardrock-Fans als treu-fürsorgliche Paten

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Solidarität in Corona-Zeiten - Hardrock-Fans als treu-fürsorgliche Paten

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Ohne die Fans seines "Alexander The Great" hätte Clubbesitzer Michael Vogt den Laden in der Corona-Krise längst dichtmachen müssen. So hofft er: "Wir komme da dursch!"

Archiv: Hardrock-Fans in Wacken am 05.08.2016
Fast 9.000 Euro sammeln die Fans eines Hardrock-Clubs in Mainz jeden Monat - und halten das "Alexander The Great" so am Leben.
Quelle: dpa

Hardrock-Fans haben ein großes, treues Herz. Für Michael Vogt steht das fest. Denn etwa 500 Freunde und Fans seines Mainzer Hardrock-Clubs "Alexander The Great" halten den Laden während der Corona-Krise am Leben. Seit April läuft ein Patenschaftsprogramm, das inzwischen in mehreren deutschen Städten kopiert wird.

Paten spenden in Corona-Krise fast 9.000 Euro - jeden Monat

"Die Leute zahlen zwischen fünf und 150 Euro, insgesamt fast 9.000 Euro Monat für Monat, um uns zu unterstützen - Danke, Danke, Danke", sagt Michael Vogt, den seine Freunde "Sweaty" nennen, im Gespräch mit ZDFheute.

Er zieht seinen schwarzen Hut vom Kopf und macht eine Geste, als wolle er sich verbeugen. Michael Vogt sagt:

Ohne diese Hilfe wären wir längst am Arsch.

Mit "wir" meint er vor allem sich und sieben Festangestellte, die er in dem Club und einer Kneipe in direkter Nachbarschaft beschäftigt. Hinzu kommen neun Aushilfskräfte.

Clubbesitzer Michael Vogt
"Danke, Danke, Danke": Clubbesitzer Michael Vogt.
Quelle: ZDF/Marcel Burkhardt

Erst das Coronavirus, dann ein Rohrbruch

Ohne das Geld der Förderer hätte Vogt vielleicht schon seine Versicherungen kündigen müssen. "Das wäre der Genickbruch gewesen", sagt Vogt. Denn zum Unglück Coronavirus kam nun auch noch ein Bruch des Abwasserohrs. Wochenlange Reparaturarbeiten stehen an.

Aus dem Keller des Nachbargebäudes dröhnt jetzt das Geräusch eines Presslufthammers. In Vogts Kneipe springt gleichzeitig brummend die Getränkekühlung an. In ein paar Stunden wird er zumindest das "Good Time" wieder öffnen können. Das gibt ihm Hoffnung.

Mainz stellt Ersatzbühne bereit

Aber auch in der urigen Kneipe herrschen in der Corona-Zeit strenge Restriktionen. Statt der üblichen 80 Leute dürfen jetzt noch maximal 30 rein. "Wir kommen gerade bei Plus Minus Null raus", sagt Vogt.

Er jammert nicht, will stattdessen das Positive im Schlamassel sehen. Die Paten, die ihm zur Seite stehen, und auch die Kooperation mit dem Stadt-Marketing. Denn während Vogts Hardrock-Club geschlossen bleibt, darf er bis Februar mehrmals gratis eine öffentliche Bühne für Konzerte nutzen.

Wieder auf dem Bau arbeiten? Eher keine Alternative

So zumindest der Plan. "Mensch, die Leute brauchen doch ein bisschen Party, Geselligkeit und Kultur - wir gehen sonst doch alle ein", meint Michael Vogt. Vier Konzerte plant er nun, einige mit internationalem Hauptauftritt und Vorbands aus der Region.

Eine Schauspielerin, ein Dirigent und eine Tänzerin berichten, wie sie bisher durch die Krise gekommen sind und was sich verändert hat.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Dass Mainz inzwischen wieder ein Corona-Risikogebiet ist, macht aber auch Vogt Sorgen: "Klar haben wir Angst, dass wieder alles dichtgemacht wird und wir nicht durchkommen." Wieder auf dem Bau schaffen, kommt für den inzwischen 56-jährigen gelernten Elektriker und lokal aktiven SPD-Politiker eher nicht infrage.

Von Tag zu Tag denken und den Kopf oben behalten

Bis Januar oder Februar müssten die privaten Ersparnisse reichen, hat Vogt ausgerechnet. Was danach kommt? Er zieht die Schultern kurz nach oben: "Die Hoffnung stirbt zuletzt, ich denke von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, sonst wird man ja verrückt."

Etwas nachdenklich meint er schließlich: "Das sind schon verrückte Zeiten. Wenn mir das einer vor einem Jahr gesagt hätte mit der Corona-Geschichte, dann hätte ich ihn zu Spielberg nach Hollywood geschickt. Dass so ein mikroskopisch kleines Ding die ganze Welt lahmlegt, unglaublich, oder?!"

Michael Vogt holt tief Luft, streckt sich. "Es hilft nichts, wir müsse da dursch", sagt er im lieblichen rheinhessischen Singsang. "Und wir komme da dursch!"

Unter Corona leidet auch Kontakt zur Tochter

Den Club, das Lokal und die Arbeitsplätze zu erhalten, liege ihm sehr am Herzen, sagt er. Aber am meisten freue er sich, nach der "blöden Corona-Geschichte" mal seine Tochter wieder in den Arm nehmen zu können.

"Die gehört zur Hochrisikogruppe", sagt Vogt. Seit Monaten kann er nur mit ihr am Telefon sprechen oder Nachrichten schreiben. "Ist alles Mist", sagt Vogt. "Aber irgendwann wird’s vielleicht auch mal wieder gut." 

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