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Erhöhtes Risiko für häusliche Gewalt

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Kontaktverbot wegen Corona - Erhöhtes Risiko für häusliche Gewalt

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Wegen der Corona-Pandemie gibt es vielerorts Ausgangsbeschränkungen. Für Opfer häuslicher und sexueller Gewalt stellt dies ein erhöhtes Risiko dar. Experten schlagen Alarm.

Häusliche Gewalt (Symbolbild)
Häusliche Gewalt (Symbolbild)
Quelle: Maurizio Gambarini/dpa

Die Corona-Pandemie hat zu weitreichenden Eingriffen in den Alltag vieler Menschen geführt. Schulen sind geschlossen, Arbeitnehmer arbeiten vermehrt aus dem Homeoffice, öffentliche Einrichtungen bleiben geschlossen und es herrscht Kontaktverbot.

Mit Blick auf häusliche und sexuelle Gewalt könnten diese Maßnahmen enorme Probleme hervorrufen. Der Europarat in Straßburg und deutsche Experten schlagen Alarm.

Erhöhtes Missbrauchsrisiko durch Ausgangsbeschränkungen

Europarats-Generalsekretärin Marija Pejcinovic Buric hat eindringlich vor einem Anstieg häuslicher Gewalt während der Ausgangsbeschränkungen aufgrund des Coronavirus gewarnt.

Berichte aus den Mitgliedsländern der vergangenen Wochen hätten bereits gezeigt, dass Kinder und Frauen derzeit in den eigenen vier Wänden einem höheren Missbrauchsrisiko ausgesetzt seien, sagte Pejcinovic Buric.

Auch Familienministerin Giffey warnt: Die soziale Isolation könne zu einem Anstieg häuslicher Gewalt führen.

Familienministerin Giffey warnt vor den Folgen der Corona-Krise: Die soziale Isolation könnte zu einem Anstieg häuslicher Gewalt führen – insbesondere Frauen und Kinder seien gefährdet.

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Berichte aus Frankreich zeigten, dass viele Frauen wegen der Beschränkungen keine Notrufstellen anrufen könnten, sagte die Generalsekretärin. Pejcinovic Buric zufolge gingen bei den Hilfe-Telefonnummern gut viermal weniger Anrufe ein als normalerweise.

Dafür hätten Sofortnachrichten im Internet an entsprechende Hilfsorganisationen in ganz Europa zugenommen. Das könne bedeuten, dass Täter ihre Opfer davon abhalten, telefonisch Hilfe zu suchen, so Pejcinovic Buric.

"Müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen"

"Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen", sagte Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender der Opferschutzorganisation Weißer Ring. "Die Corona-Krise zwingt die Menschen, in der Familie zu bleiben, hinzu kommen Stressfaktoren wie finanzielle Sorgen und Zukunftsunsicherheit."

Die Opferhelfer würden das Problem von Festtagen wie Weihnachten kennen, so Ziercke. "Wenn die Menschen tagelang zu Hause sind, gehen die Fallzahlen in die Höhe.

Die Kontaktsperre wegen Corona dauert aber sehr viel länger als Weihnachten, die Stressfaktoren sind auch größer." Nach Angaben der Organisation wurden im Jahr 2018 mehr als 140.000 Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei angezeigt.

Große Sorge vor Gewalt gegen Kinder

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, befürchtet wegen der Corona-Krise auch eine Zunahme häuslicher und sexueller Gewalt gegen Kinder.

Der aktuelle Druck gefährde das Kindeswohl erheblich durch die eigenen Familienmitglieder, sagte Rörig.

Jeder, der sich im Kinderschutz engagiert und für das Kindeswohl kämpft, der ist im Moment in größter Sorge.
Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig

Das betreffe die Gewalt zu Hause aber auch Kinder, die ohnehin sexueller Gewalt in der Familie ausgesetzt seien. "Deren Lage verschärft sich erheblich, weil Schule und Freizeit als Fluchtmöglichkeit fehlen", warnte der Missbrauchsbeauftragte.

Die Täter und Täterinnen können "jetzt noch unbemerkter vom sozialen Umfeld ihre perfide Gewalt ausüben", so Rörig. Daher sei es jetzt besonders tragisch, dass die Jugendämter nur auf Sparflamme oder im Notbetrieb arbeiten könnten.

Auch psychische Erkrankungen eine Herausforderung

Auch für Familien mit Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen stellt die Corona-Pandemie ein Problem dar, so die Kinder- und Jugendpsychiaterin Christine Freitag.

Vor allem in engen Wohnsituationen birgt das großes Gewaltpotenzial.
Christine Freitag, Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Frankfurt

Dabei gelte: "Je schlimmer die psychische Erkrankung des Kindes, desto mehr Gewalt gegen das Kind oder in der Familie ist zu erwarten", sagte Freitag.

Sie plädierte deshalb dafür, dass die angekündigte Wiederöffnung der Schulen und Kitas wie geplant nach Ostern stattfinde. Damit die Kinder wieder zurück in die Bildungseinrichtungen können, müssten auch in Schulen langfristige Hygiene-Konzepte erarbeitet und in die politischen Überlegungen miteinbezogen werden.

Mit der Corona-Pandemie steigt die Angst in Deutschland. Fußballstadien sind leer, Schulen geschlossen, soziale Kontakte eingeschränkt. Wie gehen die Menschen mit dieser Belastung um?

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28 min
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Viele der bundesweit mehr als 400 Fachkliniken und Fachabteilungen versorgen laut Deutscher Krankenhausgesellschaft ihre Patienten in der Corona-Krise nicht mehr ambulant oder in den Tageskliniken, sondern bieten Therapien über Telefon oder Video-Programme an.

Es gebe nicht nur Zusammenlegungen von Stationen in Psychiatrien, sondern es würden auch ganze Häuser freigeräumt, um Covid-19-Erkrankte aufzunehmen, sagte ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft den Zeitungen.

Illustration des Corona-Virus

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