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Corona-Pandemie - Warum Virologen vor "Durchseuchung" warnen

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Herdenimmunität durch natürliche Durchseuchung - diese Strategie gegen die Corona-Pandemie wird teils wieder vorgeschlagen. Führende Virologen warnen in einer Stellungnahme davor.

Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin, nimmt an einer Pressekonferenz über die steigende Zahl der COVID-19-Patienten in den deutschen Großstädten teil.
Christian Drosten ist einer der Virologen, die sich in einer gemensamen Stellungnahme gegen eine "natürliche Durchseuchung" aussprachen
Quelle: dpa

Europaweit explodieren derzeit die Corona-Zahlen, überall werden die Gegenmaßnahmen verschärft. Währenddessen werden auch wieder Stimmen aus der Wissenschaft laut, die diese Maßnahmen herunterfahren wollen und stattdessen auf eine natürliche Durchseuchung setzen. Massenweise Infektionen seien demnach der Weg zur Herdenimmunität. Führende Virologen, unter ihnen Christian Drosten, warnten nun in einer Stellungnahme deutlich vor so einer Strategie:

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Zunahme an Todesopfern in Corona-Krise befürchtet

Zwar erkennen die Virologen eine "enorme Belastung der Bevölkerung" durch die Maßnahmen an.

Dennoch sind wir überzeugt, dass die Schäden, die uns im Falle einer unkontrollierten Durchseuchung unmittelbar aber auch mittelbar drohen, diese Belastungen um ein Vielfaches überträfen und in eine humanitäre und wirtschaftliche Katastrophe münden können.
Vorstand der Gesellschaft für Virologie

So würde eine unkontrollierte Durchseuchung "zu einer eskalierenden Zunahme an Todesopfern führen".

Könnte die sogenannte Herdenimmunität eine Strategie im Kampf gegen das Coronavirus sein? Es gibt viele Gründe, die dagegen sprechen.

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2 min
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Herdenimmunität unter besonderem Schutz der Risikogruppen?

In ihrer Stellungnahme bezieht sich die Gesellschaft für Virologie vor allem auf die "Great Barrington Declaration", die von Forschern der Universitäten Harvard, Oxford und Stanford initiiert wurde und einen besonderen Schutz von Risikogruppen vorsieht, während weniger gefährdete Teile der Bevölkerung wieder ihrem normalen Leben nachgehen sollen. So soll eine Herdenimmunität in der Bevölkerung erreicht werden, ohne die Risikogruppen übermäßig zu gefährden.

Die Strategie, vor allem ältere Menschen zu schützen und zu isolieren, hält die Gesellschaft für Virologie für nicht umsetzbar. Es gebe noch weitere Risikogruppen, "die viel zu zahlreich, zu heterogen und zum Teil auch unerkannt sind, um aktiv abgeschirmt werden zu können". Unter anderem durch verschiedene Krankheiten, aber auch durch Übergewicht oder während der Schwangerschaft.

Ein Computermodell des Coronavirus

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Außerdem weisen die Virologen auf das sogenannte "long COVID"-Syndrom hin. Eine Covid-19-Erkrankung könne demnach auch verschiedene Spätschäden an Atemwegen, Gefäßen, dem Nervensystem oder anderen Organen hervorrufen, "welche die Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und vermutlich auch Lebenserwartung enorm einschränken".

Immunität nach Covid-Erkrankung nicht gewährleistet

Außerdem sei noch nicht sicher, ob eine Ansteckung überhaupt längerfristig vor einer erneuten Infektion schützt. Es werde zunehmend klar, "dass gerade die wenig symptomatischen Infektionen, wie sie bei jüngeren Menschen vorherrschen, keine stabile Immunität verleihen."

Der Vorstand der Gesellschaft für Virologie hält das Anstreben der Herdenimmunität ohne Impfung ‎für unethisch sowie medizinisch, gesellschaftlich und damit auch ökonomisch hochriskant.
Gesellschaft für Virologie

Das Anstreben der Herdenimmunität ohne Impfung halten die Virologen darum für "unethisch sowie medizinisch, gesellschaftlich und damit auch ökonomisch hochriskant." Auch die WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan hatte sich wegen der zu erwartenden Todesopfer kürzlich dagegen ausgesprochen:

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