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Was die neuen Hotspots gemeinsam haben

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Steigende Infektionszahlen - Was die neuen Hotspots gemeinsam haben

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Hohe Infektionszahlen in Schlachthöfen, Wohnblöcken oder nach Gottesdiensten sorgen für neue Corona-Maßnahmen. Was haben die Fälle gemeinsam?

Vor dem mobilen Corona-Testzentrum hat sich eine lange Schlange am 25.06.2020 in Gütersloh gebildet.
Corona-Testzentrum in Gütersloh
Quelle: dpa

Die Zahl binnen 24 Stunden erfasster Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist so hoch wie seit Wochen nicht mehr. In mehreren Regionen gab es neue Hotspots, an denen sich viele Menschen infiziert haben.

Das sind die aktuellen Corona-Hotspots:

  • Gütersloh / Warendorf: Den größten Corona-Ausbruch gab es im und um einen Schlachtbetrieb im Kreis Gütersloh. In dem Betrieb des Tönnies-Konzerns hatten sich mehr als 1.550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Nach einer ersten Einschätzung des Bonner Hygiene-Experten Martin Exner wurde der massive Ausbruch durch die Luftkühlung im Zerlegebetrieb ausgelöst.

In dem Bereich werde die Luft auf sechs bis zehn Grad Celsius heruntergekühlt, während die Arbeiter bei hohem Tempo und harter, körperlicher Belastung die geschlachteten Schweine zerlegen, sagte der Professor bei einer Pressekonferenz in Gütersloh. Um die Luft zu kühlen, werde diese aus dem Raum gezogen, gekühlt und zurück in den Raum gebracht. Um zu verhindern, dass Viren über dieses System verteilt werden, schlägt Exner Hochleistungsfilter und UV-Strahlen als Lösung vor. In Krankenhäusern würden diese Hochleistungsfilter bereits in Operationssälen eingesetzt.

Im Kreis Gütersloh und im Nachbarkreis Warendorf gelten aktuell für rund 640.000 Menschen wieder strengere Kontaktbeschränkungen. Mehrere Bundesländer haben erklärt, Urlauber aus den betroffenen Kreisen nicht zu beherbergen. Es ist allerdings nicht verboten, die beiden Kreise zu verlassen.

Der Ausbruch des Virus scheint sich auf die Mitarbeiter des Fleischherstellers zu beschränken: Fast alle Massentest in der Region fielen negativ aus.

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  • Oldenburg / Diepholz: Auch im Raum Oldenburg hat das Infektionsgeschehen in einem Schlachtbetrieb zu neuen Quarantänemaßnahmen geführt: Der niedersächsische Landkreis Diepholz hat ein ehemaliges Kasernengelände, auf dem Werkvertragsarbeiter wohnen, vorsorglich unter Quarantäne gestellt. In den Gebäuden in Wagenfeld seien 200 Menschen untergebracht, die in dem von einem Coronavirus-Ausbruch betroffenen Schlachtbetrieb in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg) arbeiteten, sagte eine Behördensprecherin. In dem Putenschlachthof von Wiesenhof wurden nach Unternehmensangaben bis Mittwoch 45 Arbeiter positiv auf das neuartige Coronavirus getestet.
  • Magdeburg: Bis Anfang Juni galt Magdeburg als coronafrei: Sechs Wochen hatte es keine Neuinfektionen gegeben. Dann gab es plötzlich mehr als 100 neue Fälle, vor allem in einem Wohnblock in dem überwiegend Menschen aus Rumänien leben. Gottesdienste sollen die Infektionsherde gewesen sein, dort wurden außerdem die nötigen Anwesenheitslisten nicht oder nur mangelhaft geführt. Es fehlten zum Beispiel die Nachnamen der Anwesenden. Eine Nachverfolgung der Infektionsketten war damit unmöglich.

Nicht nur Gütersloh und Warendorf sind Corona-Hotspots - auch in Magdeburg, Göttingen und Berlin-Neukölln gibt es lokale Ausbrüche. Auch hier sind besonders Rumänen betroffen.

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  • Göttingen: Rund 130 der insgesamt etwa 700 Bewohner des Hochhauskomplexes wurden bislang positiv auf das Virus getestet. Die Stadt verhängte am vergangenen Donnerstag eine Quarantäne für zunächst alle Bewohner. Mittlerweile wurden die Beschränkungen wieder gelockert. Der betroffene Wohnkomplex gilt als ein sozialer Brennpunkt Göttingens. Aufgefallen war das Infektionsgeschehen durch eine Routinekontrolle zweier Frauen im Krankenhaus.
  • Berlin-Neukölln: Anfang Juni wurde im Bezirk Neukölln eine Häufung von Corona-Infektionen in mehreren Wohnblocks bekannt. Das Gesundheitsamt stellte 369 Haushalte an sieben Standorten unter Quarantäne und ermittelte bisher insgesamt 106 mit dem Covid-19-Virus infizierte Bewohner. Auch hier könnte wieder ein Gottesdienst eine Rolle spielen: Das Bezirksamt Neukölln hatte angegeben, dass einige Infizierte Mitglieder einer Kirchengemeinde seien, bei deren Pfarrer das Virus ebenfalls festgestellt wurde.

Was sind die Gemeinsamkeiten der Hotspots?

Alle neuen Hotspots haben gemeinsam, dass Menschen auf sehr engem Raum leben oder arbeiten, so der Sozialepidemiologie Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. In den Schlachtereibetrieben komme hinzu, das das heruntergekühlte Klima sehr förderlich für das Coronavirus sei. Die Mitarbeiter haben zudem sehr engen Kontakt miteinander in ihren Unterkünften und an den Fließbändern.

Auch für Virologe Martin Stürmer aus Frankfurt ist räumliche Enge und der Verzicht auf Sicherheitsmaßnahmen wie Mundschutzmasken die entscheidende Gemeinsamkeit. Schlachthöfe, Gottesdienste und große Familienfeiern sind als Risikofaktoren erkannt, da könne man jetzt eingreifen um zu verhindern, "dass uns die Sache um die Ohren fliegt", so Stürmer gegenüber ZDFheute.

Ein Skifahrer geht mit geschulterten Skiern auf einer Straße

Corona-Studie in Ischgl -
Über 40 Prozent waren infiziert
 

Der Ski-Ort Ischgl galt zu Beginn der Corona-Pandemie in Europa als Hotspot. Eine Studie zeigt jetzt das ganze Ausmaß der Verbreitung.

In Gottesdiensten ist vor allem lautes Singen ein Risikofaktor, da sich dadurch Coronaviren sehr schnell über die ausgeatmete Luft verbreiten können. Die Corona-Schutzbestimmungen der Kirchen raten daher, auf lautes Singen zu verzichten.

Wird es weitere lokale Hotspots geben?

Aktuell ist die epidemische Lage in Deutschland größtenteils unter Kontrolle. Daher hat es auch immer weitere Lockerungen bei den Sicherheitsmaßnahmen gegeben. Auf die kleineren Ausbrüche müssen man sich jetzt einstellen, so Zeeb:

Es wird sicher weitere Hotspots geben. Ob nach Großveranstaltungen, die ja teilweise wieder erlaubt werden, oder wenn die Menschen wieder in größeren Zahlen zur Arbeit gehen.
Hajo Zeeb, Sozialepidemiologie

Es sei aber nicht jeder Wohnblock ein potentieller neuer Corona-Hotspot. Es komme auch sehr auf das Verhalten der Bewohner an. Werden Schutzmasken getragen oder nicht, haben die Familien oder Haushalte viel direkten Kontakt untereinander. Falls das der Fall sei, reiche schon eine infizierte Person um eine große Zahl weiterer Infektionen auszulösen.

Wichtig sei weiterhin, dass man das Infektionsgeschehen nachverfolgen könne.

Das ist das Gemeine an der Krankheit: Viele sind asymptomatisch und es wird spät oder gar nicht klar, dass sie infiziert waren.
Hajo Zeeb, Sozialepidemiologie
Diesen Regionen droht erneut der Lockdown

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Ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden, hängt von der Zahl der Neuinfektionen ab. Eine aktuelle Karte zeigt, ob die Obergrenze in Ihrer Region eingehalten wird.

von Simon Haas

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