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Wie die Menschen in Wuhan versorgt werden

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Abgeriegelt wegen Coronavirus - Wie die Menschen in Wuhan versorgt werden

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50 Millionen Menschen sind in der Provinz Hubei abgeriegelt. Kliniken werden aus dem Boden gestampft, Lastwagen liefern Desinfektionsmittel - und Kinder langweilen sich zu Hause.

Medizinische Hilfsgüter werden umgeladen
Hilfe für Wuhan: Medizinische Güter werden verladen.
Quelle: epa

Ihre Bescheinigungen zur "schnellen Durchfahrt" machen den Weg frei: Mit 560 Tonnen Desinfektionsmitteln sind Lkw-Fahrer aus dem Osten Chinas unterwegs, um die abgeriegelte Stadt Wuhan zu versorgen - und damit in ihrem Kampf gegen das sich rasant ausbreitende Coronavirus zu unterstützen.

Elf Millionen Menschen sind allein in Wuhan eingeschlossen. Sie dürfen die Stadt in der Provinz Hubei rund 800 Kilometer westlich von Shanghai nicht verlassen, um das Virus nicht noch mehr und schneller in die anderen Landesteile und über die Grenzen hinaus zu tragen. Nach Hubei, wo die Krankheit ihren Ausgang nahm, sind mittlerweile alle chinesischen Provinzen betroffen. Auch in einer Reihe weiterer Länder wurden Fälle bekannt, darunter Deutschland. Mehr als 14.000 Infektionen und über 300 Tote wurden gemeldet.

Karte: Wuhan, Hubei
Die Elf-Millionen-Stadt Wuhan liegt in der Provinz Hubei in Zentralchina.
Quelle: ZDF

50 Millionen Menschen um Wuhan eingeschlossen

Insgesamt haben die chinesischen Behörden in der Region um Wuhan 17 Städte mit rund 50 Millionen Einwohnern abgeriegelt. Möglich ist das in diesem Maße, weil sich die Kontrolle der kommunistischen Partei tief in die gesellschaftlichen Strukturen erstreckt. Polizisten in Schutzkleidung kontrollieren an Checkpoints, wer passieren darf und wer nicht. Und sie messen Fieber bei den Fahrern von Lieferfahrzeugen, die aus der abgeriegelten Zone kommen.

Die Gesundheitsminister der G7 wollen im Kampf gegen das Coronavirus eng zusammenarbeiten und diskutieren über ein einheitliches Vorgehen. Damit folgen sie dem Aufruf der WHO.

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Dort müssen die vielen eingeschlossenen Menschen versorgt werden - nicht nur mit medizinischen Gütern, sondern vor allem auch mit Lebensmitteln. "Wuhan ist keine isolierte Insel", versichert die staatliche Zeitung "Changjiang Ribao" den besorgten Menschen.

Totale Überwachung auch beim Virus

Vor Wuhan laden die Lastwagenfahrer ihre Desinfektionsmittel-Lieferung auf örtliche Lkws um. Auch deren Fahrer empfangen sie mit Atemmasken und Schutzanzügen. Die Lieferanten sind in 18 Teams aus Jiangsu unterwegs. "Unternehmen müssen solche Verantwortung übernehmen", sagt Liu Hankang, der Chef einer der beteiligten Logistikdienste, am Telefon.

Ebenfalls über Telefon berichten Einwohner von Wuhan von ihrer bedrückenden Lage. Noch hätten die Supermärkte genug Lebensmittel in den Regalen, sagt ein 40 Jahre alter Familienvater, der den Reportern nur seinen Nachnamen Cai nennen will. Viele sind zurückhaltend im Gespräch mit Journalisten, nachdem verlautet war, dass acht Ärzte wegen ihrer öffentlichen Hinweise auf das neue Virus zur Rechenschaft gezogen worden seien. Und die Behörden können sich auf ein engmaschiges Kontrollnetzwerk stützen: Dazu zählen Videokameras, Handy-Ortung und die Überwachung sozialer Medien.

Menschen in Hubei zur Ruhe aufgerufen

Die Regierung der Provinz Hubei, in der alle abgeriegelten Orte liegen, hat ausreichende Vorräte an Gemüse, Reis, Fleisch und medizinischen Gütern zugesichert. Zugleich wurde die Bevölkerung zur Ruhe aufgerufen. So hieß es in einer Erklärung:

Bitte geraten Sie nicht in Panik, tätigen Sie keine Hamsterkäufe.

Schulen und andere Einrichtungen, Restaurants und Kinos in Wuhan sind ohnehin geschlossen. Damit die Menschen möglichst in ihren Häusern bleiben, stehen U-Bahnen und Busse still und private Autos dürfen nicht in innerstädtische Bereiche fahren. Er könne seinen Sohn kaum noch im Haus halten, berichtet ein Mann namens Nong aus der Stadt Jingzhou. Der Zwölfjährige werde zunehmend unruhig. Eltern versuchen, ihre Kinder mit Hausaufgaben am Ball zu halten oder lassen sie den Tag vor dem Fernseher verbringen. Ab dem 10. Februar sollen die öffentlichen Schulen dann Online-Unterricht bieten. Auch die Universität von Wuhan bereitet sich auf Vorlesungen via Internet vor.

Tausende Coronavirus-Patienten drängen sich an den Krankenhäusern

"Für die Gesunden ist es so wie das, was wir einen 'Schneetag' nennen, wenn sie im Haus bleiben", beschreibt ein Professor der Hochschule seinen Eindruck der Lage. "Was aber die Menschen mit Problem angeht, da sind die Krankenhäuser unter Druck."

Tausende Coronavirus-Patienten stehen dort Schlange, zusätzlich zu allen übrigen Fällen. Polizisten sind Berichten staatlicher Medien zufolge vor den Kliniken im Einsatz, um mögliche Virusfälle von anderen Patienten zu trennen.

Nur zehn Tage nach Baubeginn wurde das erste von zwei Krankenhäusern für die Behandlung von Coronapatienten in Wuhan eröffnet. Die ersten Kranken kamen am Montagvormittag in der Klinik Huoshenshan mit 1.000 Betten in Wuhan an, wie Staatsmedien berichteten. Die Bauarbeiter hatten rund um die Uhr an diesem und einem zweiten Krankenhaus mit 1.500 Betten gearbeitet, das ebenfalls in dieser Woche öffnen soll.

Krankenhaus in Wuhan kurz vor der Fertigstellung
Innerhalb von eineinhalb Wochen gebaut: ein Not-Krankenhaus in Wuhan.
Quelle: imago/Xinhua
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