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Wo sind meine Antikörper hin?

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Negativer Test trotz Covid - Wo sind meine Antikörper hin?

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Covid fesselte mich im März eine Woche mit Fieber ans Bett. Ein Test danach zeigte einen hohen Wert für Antikörper. Monate später ist davon nichts übrig. Bin ich dennoch immun?

Eine Forscherin testet Blutproben auf Corona-Antikörper, Stuttgart, 18.06.2020.
Fünf Monate nach dem ersten Testergebnis mit einem hohen Antikörper-Wert fiel ein erneuter Test negativ aus.
Quelle: dpa

"So einen hohen Wert hatte ich bis jetzt noch nicht gesehen in meiner Praxis." Der Frankfurter Arzt am Telefon klang beeindruckt. Er hatte angerufen, um mir das Ergebnis meines Antikörper-Tests mitzuteilen. Vier Wochen zuvor hatte mich das Coronavirus erwischt. Und fast eine Woche lang mit Fieber und heftigen Gliederschmerzen ans Bett gefesselt.

Der Arzt erklärte am Telefon, er habe schon bei etlichen anderen Patienten Antikörper-Tests durchgeführt. Doch meine Werte seien bis dato die höchsten. Das war Anfang April.

Antikörper-Test - von full auf null

Die Zeit danach fühlte ich mich - was Corona betrifft - unverwundbar. Die Antikörper verliehen mir Immunität. Rückte mir ein anderer Kunde an der Supermarktkasse bis auf 20 Zentimeter auf den Pelz, hustete jemand ohne Maske direkt neben mir in der Fußgängerzone - ich blieb unbeeindruckt. "Immunator" nannte mich ein Kollege scherzhaft.

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Heute, fünf Monate später, sind die Antikörper offenbar verschwunden: Ein weiterer Test, den ich aus Neugier bei meinem Hausarzt durchführen ließ, fiel negativ aus. Als hätte ich Covid nie gehabt.

Studie: Antikörper bleiben generell nicht lange

"Das überrascht mich", sagt Oliver Nolte, Leiter der Mikrobiologie am Zentrum für Labormedizin (ZLM) im schweizerischen St. Gallen im Gespräch mit ZDFheute. Immunglobulin-G-Antikörper (IgG-Antikörper) seien eigentlich langlebige Antikörper, die zum Beispiel nach Impfungen oft über viele Jahre nachweisbar sein könnten. "Gleichwohl haben wir ähnliche Ergebnisse wie in Ihrem Fall auch in unserer Studie beobachtet: Dass Antikörper nach Sars-CoV-Infektionen nach wenigen Wochen wieder zurückgehen", so Nolte.

Über zwei Monate wurde vom ZLM die Menge der Antikörper im Blut von 159 Covid-19-Patienten wöchentlich gemessen. Das Ergebnis der Studie: Nach zehn Wochen war die Konzentration um fast die Hälfte gesunken.

Eine großangelegte Studie soll klären, wie viele Menschen sich in Deutschland tatsächlich schon mit dem Coronavirus angesteckt haben.

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Doch der Stand der Forschung ist diesbezüglich offenbar nicht einheitlich: In einer großangelegten Studie aus Island seien Antikörper gegen das Coronavirus deutlich länger nachweisbar gewesen, erläutert Nolte. Es müsse erforscht werden, ob das auch ein demografisches Phänomen sei: Es wäre denkbar, dass das Immunsystem bei Menschen in Mitteleuropa diesbezüglich anders reagiert als in anderen Teilen der Welt.

Immunität gegen Corona auch ohne Antikörper

Doch was heißt das für mich? Vermutlich bin ich trotzdem immun - denn Antikörper seien nicht die einzige Antwort des Abwehrsystems, erklärt Nolte: Neben ihnen gebe es auch noch das sogenannte "zelluläre Immunsystem". Auch das habe nach einer durchgemachten Krankheit Gedächtniszellen gebildet, die schnell auf eine erneute Infektion mit dem Erreger reagieren würden, so Nolte.

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Der Virologe Christian Drosten spricht im NDR-Podcast Anfang September von einem "Gedächtnis im Immunsystem": Es mache für den Patienten praktisch gar keinen Unterschied, ob er noch nachweisbare Antikörper im Blut habe oder nicht.

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Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast

Ich kann mich also - auch ohne Antikörper - auf mein zelluläres Immunsystem verlassen, das mich gegen eine neue Infektion mit dem Coronavirus wappnet? "Alles andere wäre überraschend", beruhigt mich Nolte. "Es wird höchstwahrscheinlich eine Immunantwort gegen das Virus geben", sagt er.

Tröstlich auch: Bislang gibt es kaum Berichte, dass sich Menschen zwei Mal infiziert haben. Er selbst wisse nur von vier Fällen weltweit, so Nolte. "Wenn es wirklich so wäre, dass man den Schutz schnell wieder verliert, würde ich viel mehr erwarten."

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