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Macht eine Corona-Infektion immun?

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Aktueller Wissensstand - Macht eine Corona-Infektion immun?

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Bevor ein Corona-Immunitätsausweis kommt, sollte geklärt werden, ob Patienten nach einer Infektion überhaupt immun sind. Ein Blick auf den aktuellen Wissensstand.

 Passanten gehen über Abstandskreise auf Boden in Düsseldorf
Wie lange sind ehemals Erkrankte gegen Sars-Cov-2 immun? Auf diese Frage gibt es bislang keine klare Antwort.
Quelle: dpa

Vergangene Woche brachte die SPD ein Thema auf die Tagesordnung, um das es längere Zeit still geworden war: den Immunitätsausweis. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sprach Vize-Fraktionschefin Bärbel Bas über die Voraussetzungen, unter denen die Sozialdemokraten einen Immunitätsausweis doch unterstützen könnten.

Bas betonte, dass es dadurch nicht zu einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft von Menschen mit Immunität und solchen ohne“ kommen dürfe. Gleichzeitig machte die Gesundheitspolitikerin klar, dass es keine Bescheinigung geben könne, bis wirklich klar ist, ob eine Infektion mit Sars-Cov-2 vor einer Wiedererkrankung schützt.

Gesundheitsminister Spahn will einen Immunitätsausweis für Menschen, die eine Corona-Infektion überstanden haben, einführen. Heute berät der Ethikrat über das Thema. Die SPD ist nun womöglich doch zur Einführung eines Corona-Immunitätsausweises bereit.

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Forscher gehen von einer gewissen Corona-Immunität aus

Der aktuelle Wissenstand dazu ist bisher nicht eindeutig. Zwar gehen Wissenschaftler davon aus, dass es nach einer Infektion mit dem neuartigen Virus eine Immunität gibt - die Frage ist aber, wie lange diese währt.

Dazu schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:

Erste Studien haben gezeigt, dass Personen nach durchgemachter Infektion spezifische Antikörper (körpereigene Abwehrstoffe) gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 entwickeln, die das Virus in Labortests neutralisieren können.

Zudem haben Versuche mit Rhesusaffen ergeben, dass es bei einer zweiten Ansteckung mit Sars-Cov-2 eine schützende Immunantwort des Körpers gegen die Erreger gab. Experten verweisen auch auf die Erfahrung mit vergangenen Sars- und Mers-Ausbrüchen. Diese deuten laut Robert-Koch-Institut darauf hin, "dass die Immunität bis zu drei Jahre anhalten könnte“.

Sollen Bürger, die eine Corona-Infektion überstanden haben, künftig einen Immunitätsausweis erhalten? Dieser Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird derzeit heftig diskutiert.

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Wie lange hält die Corona-Immunität?

Zur genauen Dauer der Immunität beim neuartigen Coronavirus gibt es aber noch keine aussagekräftigen Studien. "Bei Studien zur Frage der Immunität birgt der Beobachtungszeitraum eine gewisse Herausforderung“, erklärt Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung im Gespräch mit ZDFheute. Denn um zu wissen, ob Erkrankte auch nach einem Jahr immun sind gegen Sars-Cov-2, müsse man diese eben auch ein Jahr lang beobachten.

Die Frage danach, wie lange man nach einer Infektion mit Sars-Cov-2 immun ist gegen eine Neuinfektion, ist schwer zu beantworten. Ich gehe nicht davon aus, dass es vor Ende dieses Jahres Ergebnisse geben wird.
Gérard Krause, Epidemiologe

Laut Krause kommt noch eine weitere Schwierigkeit dazu: "Ein Indikator, auf den man beim Thema Immunität schauen könnte, wäre ob, wie häufig und wie heftig bereits erkrankte Menschen nochmal erkranken können“, erklärt der Epidemiologe. Das sei aktuell aber nicht einfach zu ermitteln, weil die aktuelle Wahrscheinlichkeit, sich erneut zu infizieren, angesichts der geltenden Corona-Schutzmaßnahmen gering sei.

Milde Infektionsverläufe werfen Fragen bei Immunität auf

Eine weiteres Problem: Bei Menschen mit einem leichten Infektionsverlauf könnte eine entsprechend schwächere Immunantwort auf eine Neuinfektion zu erwarten sein. Vor diesem Effekt warnen chinesische Forscher in der Zeitschrift "Nature Medicine“.

Vor einem Liniendiagramm steht der Großbuchstabe R. Im Hintergrund sind zwei große, gezeichnete Viren zu sehen.

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Sie untersuchten die Immunität von jeweils 37 Menschen mit und ohne Symptomen aus der Millionenstadt Chongqing. Ihr Ergebnis: Menschen aus der Gruppe ohne Symptome hatten nach mehreren Wochen deutlich weniger schützende Antikörper im Blut als symptomatische Patienten.

Eine ähnliche Beobachtung hat auch Virologe Christian Drosten gemacht - jedoch mit einer etwas anderen Schlussfolgerung, wie er in seinem NDR-Podcast Ende April erklärte. Auch er habe gesehen, dass bei einigen Patienten die Antikörper schon nach zwei Monaten absinken.

Aber Antikörper sind nur ein Korrelat, also nur ein Hinweis auf die Immunität. Es ist nicht so, dass die Antikörper alleine die Immunität machen und bewerkstelligen.
Christian Drosten

Sinnvoller Einsatz des Immunitätsausweises noch unklar

Drosten ist überzeugt davon, dass eine überstandene Infektion einen gewissen Schutz verleiht - und sei es, dass die Sars-Cov-2-Infektion beim zweiten Mal deutlich harmloser verläuft.

Es ist also noch jede Menge Forschung zum Stand der Immunität bei Sars-Cov-2 nötig. Daher sei auch noch unklar, ob ein Immunitätsausweis sinnvoll einsetzbar sein wird, erklärt Gérard Krause. "Es ist aber sinnvoll, bestimmte Aspekte jetzt bereits zu diskutieren“, sagt der Epidemiologe.

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