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Coronavirus-Impfstoff - Darum gibt es Grund zur Zuversicht

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Was passiert, wenn ein Impfstoff beschleunigt zugelassen wird. Wie ist die Meldung zu bewerten, dass im Herbst ein Serum in Produktion gehen könnte? Fragen an Biochemiker Cichutek.

Forscher aus Großbritannien zeigten sich zuletzt überzeugt, dass bereits im Herbst ein Coronavirus-Impfstoff in großem Umfang produziert werden könnte. Biochemiker Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, muss die Euphorie etwas dämpfen.

ZDFheute: Unter anderem Impfgegner kritisieren, dass es beim Corona-Impfstoff eine erleichterte Zulassung gebe - und dadurch Nebenwirkungen übersehen würden. Können Sie erklären, was es in der Praxis bedeutet, wenn ein Impfstoff erleichtert zugelassen wird?

Klaus Cichutek: So was gibt es gar nicht, nur eine beschleunigte Zulassung. Bei den Impfstoffen muss der Nutzen immer weit überwiegen relativ zu den Risiken. Das heißt, wir akzeptieren grundsätzlich vorübergehende kleinere Beeinträchtigungen, die durch das Anspringen des Immunsystems gegeben sind, aber keine Schäden, die durch einen Impfstoff gesetzt würden.

Klaus Cichutek, audgenommen am 17.04.2020
Prof. Klaus Cichutek ist Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, das für die Prüfung des Corona-Impfstoffs in Deutschland zuständig ist.
Quelle: epa

Insofern kann man bei einem zugelassenen Impfstoff davon ausgehen, dass der Nutzen weit überwiegt gegenüber Verträglichkeitsproblemen oder Risiken.

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ZDFheute: Was muss passieren, damit ein Impfstoff schneller an den Start geht als etwa ein anderer?

Cichutek: Zunächst kann man dafür sorgen, dass der eigentliche Bewertungsprozess organisatorisch schneller verläuft. Zum anderen kann man darauf hinwirken, dass bei der klinischen Prüfung Phasen, die normalerweise separiert werden, ineinander übergehen.

Ein Aspekt ist auch, dass wir einen höheren Personaleinsatz bei der Bewertung der Ergebnisse haben. Nicht die Zulassung braucht lange, sondern die Entwicklung, und diese Zeit ist wirklich notwendig, um objektive Daten zum Impfstoff zu sammeln, sodass gewährleistet ist, dass er verträglich und wirksam ist.

ZDFheute: Können Sie sich an einen anderen Impfstoff erinnern, dessen Entwicklung deutlich schneller war als sonst?

Cichutek: Ja, wir hatten die Ebola-Epidemie und auch hier war die Aufmerksamkeit sehr groß, und wir haben mitgeholfen, dass erste klinische Prüfungen auch in Deutschland stattfanden. Trotzdem hat es insgesamt etwa vier bis fünf Jahre gedauert von Beginn der Entwicklung bis zur Zulassung.

Das ist ein Meilenstein, der gesetzt wurde, denn häufig dauert die Impfstoffentwicklung wesentlich länger. Aber wir gehen im Moment davon aus, dass wir diesen Zeitraum beim Covid-19-Impfstoff unterschreiten können.

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ZDFheute: Was macht Sie so zuversichtlich?

Cichutek: Was mich zuversichtlich macht ist, dass wir sehr gute Vorergebnisse mit Impfstoffprojekten zum MERS-Coronavirus hatten. Wir haben sehr schnell identifiziert, was das schützende Antigen sein kann, also der ungefährliche Erregerbestandteil, der als Teil vom Impfstoff Schutz gewährleisten kann. Und wir haben einige neue Technologieentwicklungen, die es möglicherweise erlauben werden, in relativ kurzer Zeit wirklich Millionen Dosen vom Impfstoff herzustellen. Das sind alles positive Faktoren.

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ZDFheute: Aus Oxford kam nun die Meldung, dass schon im Herbst ein Impfstoff in Massenproduktion gehen könnte. Wie bewerten Sie diese Einschätzung?

Cichutek: Das ist eine Einschätzung, die von mehreren industriellen Herstellern im Moment getroffen wird. Es ist tatsächlich so, dass nach Angaben der Hersteller bestimmte Impfstoffe von der Herstellung her so gestaltet sind, dass man relativ große Dosen in relativ kurzer Zeit bereitstellen kann. Das ist sehr positiv.

Aber Sie müssen bedenken, dass wir im Moment in dem Stadium sind, wo erste klinische Prüfungen durchgeführt werden. Wir müssen erst ermessen: Wie wird denn überhaupt die Dosierung sein? Was ist die ideale Form des Antigens, die wir anbieten in einem Impfstoff? Muss man einmal impfen oder zweimal? Das heißt, die Herstellung ist nicht alles.

Und außerdem können diese Hersteller im Moment gar keine korrekte Angabe machen im Bezug auf die Anzahl der Dosen, die im Herbst bereitgestellt werden, weil die Dosierung noch gar nicht klar ist und erst in klinischen Prüfungen ermittelt werden muss.

Das Interview führte Katja Belousova.

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