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Folgen der Corona-Pandemie - Der Exodus der indischen Wanderarbeiter

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In Indien sind fast 1,4 Milliarden Menschen im Corona-Lockdown. Am heftigsten trifft es Wanderarbeiter: Ohne Geld und Arbeit ziehen Millionen von ihnen zu Fuß zurück aufs Land.

Priya hat sich auf den Weg gemacht mit drei kleinen Kindern. Vor ihnen liegen 470 Kilometer von Delhi Richtung Kanpur, von Indiens Hauptstadt in das kleine Dorf, aus dem sie einst kamen.

Alles hat sich geändert für Priya und Millionen andere: Um der Armut auf dem Land zu entkommen, zog es sie als Tagelöhner und einfache Arbeiter in die großen Städte. Aber dort sind die meisten Fabriken seit Wochen im Lockdown geschlossen. Keine Arbeit, kein Geld, nichts zu essen: Sie können nicht mehr überleben in Delhi, Mumbai, Chennai.

Filmemacher Vinod Kapri begleitet die Familien

Priya ist mit ihren Kindern schon gut 40 Kilometer unterwegs, als Vinod Kapri ihnen begegnet. Vinod ist Filmemacher. Er sagt, Bilder wie diese habe er noch nie gesehen. Oder gedreht. Auf den staubigen Straßen marschieren Hunderte, Tausende, Zehntausende.

Karte von Indien mit Hauptstadt Neu Dehli
Karte von Indien mit Hauptstadt Neu Dehli
Quelle: ZDF

Vinod entschließt sich, Priyas Gruppe mit der Kamera zu begleiten. Er will der Welt zeigen, was sich hier abspielt: eine Tragödie, von der die indischen Medien kaum berichten. Es sind Nachrichten, die Indien nicht gut zu Gesicht stehen.

Weiter, immer weiter ziehen Priya und die anderen in Vinods Film. Sie gehen schnell, auch die kleinen Kinder. Und trotzdem scheinen sie ihrem Ziel, der Heimat, kaum näher zu kommen. 470 Kilometer zu Fuß. Frauen, Kinder, die kaum etwas zu essen und kaum geschlafen haben.

Millionen indische Wanderarbeiter haben durch Corona ihre Arbeit verloren. Sie laufen hunderte Kilometer zurück in ihre Dörfer. Filmemacher Vinod Kapri hat sie begleitet.

Beitragslänge:
3 min
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Verzweifelte Suche nach Mitfahrgelegenheiten

Wie soll das gehen? Vinod, der Filmemacher berichtet, und er wird erfasst von diesem Schicksal. Journalisten versuchen, neutral zu sein. Vinod gelingt das nicht immer. Er ist Journalist. Und er ist Mensch. Deshalb versucht er einzugreifen, zu helfen.

In seinem Film wird er diese Rolle nicht thematisieren. Aber man sieht in seinem Material, wie er sich bemüht, etwas Essen für die Gruppe aufzutreiben. Später gelingt es der Gruppe, einen Lastwagen zu besteigen, Mitfahrgelegenheit für etwa 50 Kilometer. Immerhin. Ohne Vinods Kamera hätte sich der Fahrer vermutlich nicht erweichen lassen.

Wie wird der Empfang im Heimatdorf?

Priyas Odyssee geht weiter. Kurze Pausen, durchschnaufen. Den Kindern fallen schnell die Augen zu. Priya jammert nicht: "Wir haben keine andere Wahl", ist ein Satz, den sie mehrfach sagt. Riya, die älteste Tochter, vielleicht sieben, acht Jahre alt, humpelt inzwischen immer stärker. "Sie ist vor ein paar Tagen beim Spielen ausgerutscht. Wir müssen den Fuß behandeln lassen", sagt die Mutter. Wann das sein soll? Von wem? Das sagt sie nicht. Das kann sie nicht wissen.

Überhaupt ist es eine Reise ins Ungewisse: Schaffen sie es bis ins Dorf? Wie werden sie dort empfangen? Noch mehr Menschen, die nichts haben oder die schlimmstenfalls noch eine Krankheit mitbringen.

Vinod verliert die Gruppe schließlich aus den Augen. Da sind es noch 350 Kilometer bis ins Dorf. Vinod weiß bis heute nicht, wo sie geblieben sind. Er will bald nach Kanpur fahren, Priyas Dorf suchen. Ihr Schicksal lässt ihn nicht los.

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