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Wie das Virus Indien zermürbt

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Stark steigende Infektionszahlen - Wie das Virus Indien zermürbt

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Indien glaubte, durch einen strikten Lockdown das Coronavirus in den Griff zu bekommen. Nun steigen die Zahlen massiv an, und unter den 1,3 Milliarden Indern wächst die Angst.

In Indien steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus weiter an.

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Platz um Platz klettert Indien nach oben. Nur noch die USA und Brasilien liegen vorn in der Tabelle, die keiner anführen möchte, die Liste der am schlimmsten von Corona betroffenen Staaten.

In Indien wachsen Sorge und Angst vor Corona

Indien hat jetzt die Schallmauer von einer Million Infizierten durchbrochen. Und das weitere Potenzial ist enorm: 1,3 Milliarden Menschen leben hier. Viele auf engstem Raum, unter ärmlichen, hygienisch bedenklichen Verhältnissen.

20.000, 30.000 neue Fälle melden die Behörden jeden Tag. Wo soll das hinführen? In Indien wächst die Sorge, wächst die Angst. Viele Menschen berichten auch davon, dass sie stigmatisiert werden, sobald der Verdacht einer Infektion aufkommt.

In Indien steigen die Infektionszahlen mit Corona stark an, nun werden temporäre Krankenhäuser mit Betten aus Karton errichtet.

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"Ich fasse keinen Covid-Körper an"

Satya Deo Prasad hat seine Geschichte der BBC erzählt. Der 68-Jährige ist ein gebrechlicher Mann, seit Jahren spielen seine Nieren nicht mehr mit. Als er Covid-Symptome feststellt, will er sich im Krankenhaus testen lassen.

Er ruft einen Krankenwagen. Als der nach drei Stunden kommt, parkt der Fahrer in größerer Distanz zu Prasads Haus. Den Wagen will er nicht verlassen.

Ich fasse keinen Covid-Körper an. Du musst schon selbst rauskommen und hinten einsteigen.
Krankenwagenfahrer

Das erklärt der Fahrer dem Kranken am Telefon. Doch der ist viel zu schwach, kann sich allein nicht auf den Beinen halten. Schließlich kommt nach weiteren Stunden ein anderer Einsatzwagen, dessen Fahrer erbarmt sich und bringt den kranken Mann ins Hospital.

Die Männer wollen nicht zur Beerdigung - trotz hinduistischer Rituale

Auch Manohar Singh war im Krankenhaus, aber dort hat er den Kampf verloren. Mit 50 Jahren starb Manohar am Coronavirus. Zur Verbrennung des Leichnams sind nur die Witwe Guljeet und Tochter Charanjeet ins Krematorium gekommen. Eigentlich haben Frauen dort keinen Zutritt; eigentlich sind diese hinduistischen Rituale des Abschieds Männersache.

Aber Brüder, Söhne, Schwager: Alle haben sich geweigert, alle blieben fern - aus Angst sich anzustecken. Guljeet sagt: "Wir haben doch keine Wahl. Wir landen alle mal hier." Dass sie diese schweren Stunden allein bewältigen muss, macht ihren Kummer noch größer.

Die indische Bevölkerungsstruktur hält die Todesrate niedrig

Solche Geschichten zeichnen ein Bild von der Unsicherheit, die in Indien herrscht. Den Beteuerungen der Regierung, sie habe die Lage im Griff, glauben viele nicht. Und auch über den Wahrheitsgehalt der offiziellen Zahlen wird heftig debattiert. Sind die Tests zuverlässig? Wie hoch ist die Dunkelziffer? Und warum ist die Sterblichkeitsrate im internationalen Vergleich angeblich so niedrig?

Dazu immerhin liefert Anand Krishnand einige Erkenntnisse. Der Epidemiologe verweist auf die jüngere Bevölkerungsstruktur Indiens und deren relativ robuste Gesundheit, die sich auch aus den mitunter mangelhaften Lebensbedingungen, etwa den hygienischen Zuständen, ergebe. Aber - so Krishnand:

Es ist eine große Blackbox, und insgesamt wissen wir noch viel zu wenig über die Krankheit.
Anand Krishnand, Epidemiologe

Zunächst waren vor allem die Metropolen betroffen. Ein harter Lockdown sollte die Ausbreitung des Virus verhindern. Die Zahlen in Delhi etwa haben sich tatsächlich stabilisiert. Inzwischen heißt es, wer ein Krankenhausbett brauche, bekomme auch eins.

Verbreitet sich das Coronavirus nun auf dem Land?

Doch es spricht einiges dafür, dass sich die Probleme auf ländliche Gebiete verlagern. Der Lockdown in den Städten hat viele Tagelöhner arbeitslos gemacht. In Massen flohen sie zurück in ihre Dörfer, bei einigen dürfte das Virus mit auf die Reise gegangen sein.

Schon Mitte Mai sind Millionen Menschen in Indien zurück in ihre Dörfer gepilgert.

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Wenn das Gesundheitssystem in den Großstädten fragil ist, auf dem Land kann von angemessener medizinischer Versorgung kaum die Rede sein. Echte Prognosen wagt keiner. Doch der Epidemiologe Krishnand sagt:

Das ist noch nicht der Höhepunkt. Die Brennpunkte werden sich verändern, andere Bundesstaaten, andere Städte, andere Dörfer. Aber die Zahlen werden hoch bleiben.
Anand Krishnand, Epidemiologe

Indiens ungewollter Aufstieg in der Corona-Tabelle ist also vielleicht noch nicht vorbei.

Normen Odenthal leitet das ZDF-Studio in Singapur und berichtet unter anderem aus Indien.

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