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Morddrohungen nach einer Stellenausschreibung

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Corona-Gegner gegen die Diakonie - Morddrohungen nach einer Stellenausschreibung

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Vor vier Tagen hat die Diakonie Michaelshoven ein Job-Angebot für eine pädagogische Fachkraft veröffentlicht. Und erhält seitdem Hass-Mails und Morddrohungen. Was ist passiert?

Archiv, Sachsen, Dresden: Ein Kind steht in einem Kindergarten mit einem Kuscheltier an einer Fensterscheibe.
Auch Kinder sollen beim Verdacht auf eine Corona-Infektion in Quarantäne. Eine Stellenausschreibung hat Ängste geweckt, die Kinder könnten von ihren Familien getrennt werden.
Quelle: dpa

Am 6. August veröffentlichte der evangelische Träger eine Stellenausschreibung im Internet: gesucht wird eine "Pädagogische Fachkraft (m/w/d) in einer Inobhutnahme für Kinder und Jugendliche in Quarantäne".

Das Angebot wurde Anfang April geschaffen auf Bitte des Kölner Jugendamtes. Die Fachkraft, die jetzt gesucht wird, soll Kinder oder Jugendliche betreuen, die auf Grund von häuslicher Gewalt oder vergleichbaren familiären Umständen in eine betreute Wohngruppe aufgenommen werden sollen. Auch wohnungslosen Kindern soll so geholfen werden. Da nicht immer sofort sichergestellt werden kann, dass die Kinder oder Jugendlichen nicht mit dem Coronavirus infiziert sind, müssen sie in eine Quarantäne, um andere Bewohner der Wohngruppen nicht zu gefährden.

Was folgte waren aber nicht qualifizierte Bewerbungen, sondern vor allem Hass-Mails, Beschimpfungen und sogar Todesdrohungen. Was ist passiert?

Der falsche Zeitpunkt

Es war wohl einfach der falsche Zeitpunkt, erzählt Melanie Köroglu von der Diakonie Michaelshoven im Gespräch mit ZDFheute. Am selben Tag titelte etwa die Berliner Zeitung: "Bei Corona-Verdacht! Gesundheitsamt will Eltern die Kinder wegnehmen". Hintergrund des Artikels sind Schreiben mehrerer Gesundheitsämter, die Eltern dazu auffordern, ihre Kinder bei einem Corona-Verdacht vom Rest der Familie zu isolieren und sogar die Mahlzeiten getrennt einzunehmen. Sollte dies nicht eingehalten werden, könne man veranlassen, dass die Kinder in "geschlossenen Einrichtung" untergebracht werden für die Dauer der Quarantäne.

Mittlerweile hat etwa der Kreis Offenbach, in dem ein solches Schreiben verschickt wurde, klargestellt, dass eine Trennung von Kindern und Eltern keinesfalls beabsichtigt ist. Es handle sich bei den Formulierungen um rechtlich notwendige Sätze.

Corona-Gegner sehen Umsetzung der Isolations-Drohungen

Für Gegner der Corona-Maßnahmen oder sogenannte Corona-Leugner war der Zusammenhang zwischen den Medienberichten und den Stellenausschreibungen jedoch klar. In Chatgruppen der Bewegung "Querdenken" wurde aufgerufen, sich auf die Stelle zu bewerben. Man solle in der Bewerbung auch nachfragen, welche Qualifikationen man mitbringen müsse, "um anständigen, fürsorglichen Deutschen die Kinder wegzunehmen."

Tatsächlich berichtet auch Melanie Köroglu von zahlreichen Bewerbungen, die den Gruppen der Corona-Leugner zugeordent werden können. Dort hieße es dann etwa: "Ich interessiere mich für die Stelle, habe aber noch einige Fragen...". Den größeren Teil machen allerdings Drohmails und Vorwürfe aus. "Das geht echt an die Grenze, wie diese Mails formuliert sind", erzählt Köroglu. Auch sie selbst wird auf Grund ihres Nachnamens rassistisch beleidigt. Köroglu betont: Auf keinen Fall gehe es darum, Kinder auf Grund von nicht eingehaltenen Corona-Vorschriften aus ihren Familien zu reißen.

Das ist eine Dimesion, die wir als Diakonie noch nie erfahren haben.
Melanie Köroglu

So wurde die Diakonie Michaelshoven ungewollt zur Zielscheibe in der Corona-Krise: Im Streit um Fakten, Wahrheit und Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen kann schon ein ungünstiger Zeitpunkt einer Stellenausschreibung sehr viel Hass hervorrufen.

Ein Computermodell des Coronavirus

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