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Der Comedian im Interview - Mittermeier: "Wir Künstler haben keine Lobby"

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Der Comedian Michael Mittermeier ist von der Corona-Krise betroffen - als Mensch und als Künstler. Im Interview fordert er Unterstützung für seine Kollegen.

Michael Mittermeier
Michael Mittermeier fordert mehr sttatliche Hilfen für Künstler in der Corona-Krise.
Quelle: Olaf Heine

Der zweite Teil-Shutdown trifft die Kulturszene wieder hart: Eine ganze Branche steht vor der Abgrund. Viele bekannte Medienschaffende machen sich für die Menschen aus der Unterhaltungsindustrie stark und fordern Unterstützung durch die Politik in Zeiten der Corona-Krise. Auch Michael Mittermeier engagiert sich bei #AlarmstufeRot.

ZDFheute: Stirbt die deutsche Kulturszene wegen Corona aus?

Michael Mittermeier: Aussterben wird sie nicht. Dazu hat Corona nicht die Macht. Die Kultur wird Corona nicht klein kriegen. Leider werden viele Veranstalter, viele Bühnen und auch einige Künstler und Leute, die im Kulturbereich arbeiten, sich verabschieden, weil sie einen anderen Job annehmen müssen. Es ist hart.

Ich kenne viele Musiker, die seit vielen Monaten andere Jobs angenommen haben, annehmen haben müssen, weil es nichts gibt und es wird auch lange Zeit nichts geben.
Michael Mittermeier

ZDFheute: Wie sehen Sie den zweiten Lockdown?

Mittermeier: Ich hoffe nicht, dass es normal wird in dieser Welt. Leider ist es jetzt nochmal schlimmer gekommen. Dieser sogenannte Lockdown light. Was ist denn "light"? Für die, die jetzt am Arsch sind, gibt es kein "light".

Wir müssen ehrlich sein, es ist ein weiterer Sargnagel nicht nur für die Gastronomie und die Kultur. Wer geht denn in die Innenstädte? Man geht ja nicht nur zum Einkaufen. Wie viele Leute fahren in die Innenstädte und sagen "Heute gehen wir essen und vorher noch ein bisschen einkaufen". Ich habe noch nie die Geschäfte so leer gesehen - und das war vor dem zweiten Lockdown. Das ist heftig.

ZDFheute: Als einer der Vertreter von #AlarmstufeRot - was erhoffen Sie sich?

Mittermeier: Wir Künstler haben gemerkt: Wir haben keine Lobby. Wir haben eigentlich aus guten Grund keine Lobby, wir wollen frei sein. Wir sind Freigeister, lassen uns selten gerne in Konstrukte einbinden - und das schadet uns gerade. Das haut sehr rein.

Wir haben alle die Herausforderung angenommen: Veranstalter und Künstler haben Hygienekonzepte entwickelt. Ich selbst habe vor 100 Menschen auf einem Platz, der für 3.000 ausgelegt ist, gespielt. Nur um den Menschen zu zeigen: "Es geht, wir können lachen zusammen".

Die Gastro, die Veranstalter halten sich an alle Vorgaben. Wir haben über Wochen gehört: Private Feiern sind ganz schlimm. Was ist die Conclusio? Lasst uns mal die Gastro schließen und die Theater. Die halten sich wenigstens an die Konzepte. Aber die können wir zu machen. Ich verstehe es nicht. Und ich bin kein Ablehner dieser Maßnahmen. Man kann auch mit Abstand lachen.

ZDFheute: Kann man die Auswirkungen jetzt schon absehen?

Mittermeier: Das ist ein ziemlich herber Schlag, das werden einige nicht überleben. Das hat Auswirkungen auf ganz viele. Mich wird es noch geben in einem Jahr. Aber es wird schlimm werden für viele - Leute, die ich seit 30 Jahren schon kenne. Veranstalter und Leute, die da arbeiten, wird es dann nicht mehr geben.

ZDFheute: Was erwarten Sie von der Politik?

Mittermeier: Das erste wäre, eine Taskforce zu gründen. Das habe ich bereits vor einem halben Jahr gesagt. Ende März, Anfang April wurde von vielen nicht verstanden, warum die Kultur so leidet. Die normalen Menschen haben nicht verstanden, dass es nicht um ein paar Künstler mit einem Ego-Problem geht. Es geht um eineinhalb Millionen Menschen, die in dieser Branche arbeiten, die auch ihre Kinder ernähren müssen. Wie die Leute aus der Autobranche oder der Gastro.

Ich habe nie verstanden, warum diese Taskforce nie gegründet wurde. Ganz viele Solo-Selbständige, Kabarettisten, Lichtleute, Veranstalter bräuchten jetzt unbürokratisch Hilfe. Natürlich muss man nicht jemanden, der Millionen verdient hat, 70 Prozent zahlen. Da macht man eine Deckelung, damit die Kleinen und Mittleren überleben. Da sind so viele Hunderttausende, die es brauchen.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

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