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Corona-Krise könnte IS stärken

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Pandemie und Terrorismus - Corona-Krise könnte IS stärken

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Das Coronavirus könnte der Terrormiliz IS in die Hände spielen. Denn wenn Staaten schwach sind, können Terroristen vielfach profitieren.

"Im Kampf gegen den IS – Ist das Kalifat am Ende?": Syrische Soldaten an Front in Al-Rakka.
Letztlich erfolgreicher Kampf gegen den IS: Soldaten der syrischen demokratischen Kräfte gingen im Juli 2017 an der Front in al-Rakka in Syrien durch einen zerstörten Straßenzug (Archivbild).
Quelle: dpa

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat diese Woche einen schweren Anschlag auf ein Gefängnis in Afghanistan verübt. Es war auch eine Befreiungsaktion für inhaftierte IS-Kämpfer. Zwar wurden viele wieder gefasst, doch der Terrorakt, der mindestens 30 Menschen tötete, hat System: "Der IS versucht des öfteren, an Kämpfer in den Gefängnissen heranzukommen. Wenn der IS wieder groß werden will, muss er sie befreien", sagt Terrorismus-Experte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik aus Berlin.

Der IS hat zwar sein Kerngebiet in Syrien und im Irak verloren, doch die Corona-Krise könnte den Dschihadisten in die Hände spielen. Denn die Pandemie zeigt besonders dort politische Auswirkungen, wo staatliche Strukturen ohnehin schwach sind.

Corona schwächt besonders die Staaten, in denen der IS operiert. Wo Staaten schwach sind, wird der IS gestärkt.
Guido Steinberg

Bei dem Angriff auf das Gefängnis sind mindestens 30 Menschen getötet worden, 50 wurden verletzt.

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Weniger Ausreisen aus Deutschland zum IS

Dass instabile Verhältnisse der Miliz in die Hände spielen können, zeigte sich auch während der türkischen Militäroffensive im Herbst 2019 in Nordsyrien. Zahlreiche IS-Kämpfer konnten damals aus den von den Kurden betriebenen Lagern und Gefängnissen entkommen. Auch der geplante vollständige Abzug der US-Soldaten aus Afghanistan könnte sich zugunsten der Terrormiliz auswirken.

Zwar scheint der IS für viele seiner Anhänger derzeit an Attraktivität verloren zu haben. Darauf deuten sinkende Ausreise-Zahlen hin, die ZDFheute beim Bundesinnenministerium angefragt hat.

Immer weniger deutsche Islamisten bzw. Islamisten aus Deutschland reisen demnach nach Syrien und in den Irak. Die Kurve an neuen Ausreisen hat sich seit 2013 deutlich abgeflacht. Bislang sind 1.070 Islamistinnen und Islamisten Richtung Syrien und Irak ausgereist - ein Drittel von ihnen befindet sich schon wieder in Deutschland.

Viele IS-Kämpfer getötet oder eingesperrt

Die Terrormiliz ist nicht nur aufgrund ihrer Gebietsverluste geschwächt, sondern auch, weil viele ihrer Kämpfer getötet wurden. Das Innenministerium schätzt, dass mehr als 260 ausgereiste Islamistinnen und Islamisten in Syrien oder im Irak gestorben sind.

So etwa der ehemals führende deutschsprachige Propagandist Denis Cuspert, auch bekannt als Gangstarapper Deso-Dogg. Seine Witwe Omaima A. steht derzeit als IS-Sympathisantin in Hamburg vor Gericht. Ein empfindlicher Schlag war auch die Tötung des IS-Anführers al-Bagdadi.

"Der IS könnte noch einmal großen Zulauf bekommen, wenn er einen neuen Quasi-Staat aufbauen kann", glaubt Terrorismus-Experte Steinberg. Danach sehe es derzeit zwar nicht aus. Sollten viele der eingesperrten IS-Kämpfer ausbrechen, könnte das aber zu einem Momentum für die Terroristen werden, so Steinberg. Allein die syrische Armee hält laut US-Verteidigungsministerium rund 10.000 IS-Kämpfer in Nordostsyrien gefangen.

Das Problem deutscher IS-Mitglieder im Ausland

Noch immer ungeklärt ist das Schicksal rund 130 aus Deutschland ausgereister oder deutscher IS-Sympathisanten, die laut Innenministerium in Syrien, dem Irak und der Türkei in Haft oder in Gewahrsam sitzen. Bei ihnen sind auch rund 150 Kinder.

Die Bundesregierung will einerseits eine "unkontrollierte Rückkehr von IS-Kämpfern verhindern", wie es im aktuellen Verfassungsschutzbericht heißt. Doch von einer geordneten Rückholung kann derzeit nicht die Rede sein. Dabei wollen viele der Insassen nach Deutschland zurück - auch wenn ihnen hier ein Prozess droht.

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