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Herausforderung Pandemie - Die vergessene Generation der Corona-Krise

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Hilfspakete, Fördergelder und Hygienekonzepte sollten die Pandemiefolgen eindämmen. Übersehen wurden die Interessen junger Menschen, sagen Forscher - mit Folgen.

Archiv: Zwei Jugendliche tragen eine Atemschutzmaske an einer Haltestelle der Strassenbahn der KVV
Jugendliche und Kinder - die vergessene Generation der Corona-Krise.
Quelle: picture alliance/augenklick/GES

Es ist ein Paradox: Kinder und Jugendliche sind durch das Coronavirus am wenigsten gefährdet, dennoch leiden sie mit am meisten unter den Folgen der Pandemie. Denn soziale Kontakte sind in ihrer Lebensphase besonders wichtig. Die Kontaktverbote während und nach dem Lockdown hatten - und haben - für junge Menschen deshalb besonders gravierende Folgen.

"Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche sich entwickeln und soziale Wesen werden, dass sie eine Position in der Gesellschaft finden. Dazu brauchen sie einfach Gleichaltrige: um sich austauschen, messen und spiegeln zu können. Wir sprechen in der Jugendphase von Peers, die sehr wichtig sind", sagt Jugendarbeitsforscherin Gunda Voigts gegenüber ZDFheute.

Corona-Sorgen der Eltern: Kinder und Jugendliche leiden mit

Seit Ausbruch des Virus sind Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Bedrohungsszenarien konfrontiert: Viele leiden unter der Angst, ihre Eltern oder Großeltern könnten sich mit dem Coronavirus infizieren.

Auch bleiben ihnen die Ängste der anderen Familienmitglieder, die sich beispielsweise um ihren Arbeitsplatz sorgen, nicht verborgen. Hinzu kommen belastende Familiensituationen auf engstem Raum, besonders bei sozial schwächeren Familien.

Diese Ängste können möglicherweise längerfristig bestehen bleiben.
Gerd Schulte-Körne, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Wegbrechen der Schulstruktur als Belastung

Eine weitere erhebliche Belastung stellte für viele Jugendliche die Schulsituation dar. Teilweise waren sie mit von zu Hause aus zu erledigenden Aufträgen völlig überfordert: Ihnen fehlte Struktur, Motivation und individuelle Verstärkung durch Lehrer. Eltern mussten dabei im Schulbereich oft Aufgaben übernehmen, für die sie in der Regel weder vorbereitet noch qualifiziert sind.

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Deshalb kritisiert Voigts, dass Kinder und Jugendliche in den politischen Entscheidungen bezüglich des Coronavirus zu wenig Beachtung fanden. "Entscheidungen mussten schnell getroffen werden", erklärt Voigts, "und dann wurde eben eine Entscheidung für alle getroffen."

Die besondere Lage der jungen Menschen ist dabei aber nicht im Blick gewesen.

Voigts weiter: "Ihre Interessen stehen ganz hinten an."

Jugendliche in Entscheidungen einbinden

Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen müssen aus Expertensicht mehr Berücksichtigung finden. "Man darf nicht vergessen, dass das eine heranwachsende Generation ist. Das Coronavirus wird uns nicht nur vorübergehend, sondern langfristig begleiten", so Schulte-Körne.

Es sollte mehr darauf geachtet werden, was die besonderen Herausforderungen für Kinder und Jugendliche sind.
Gerd Schulte-Körne, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Um dies ermöglichen zu können, sieht Gunda Voigts die Lösung darin, die Jugendlichen selbst einzubeziehen in die Gestaltung ihrer Zukunft. Oft seien ihre Ideen kreativer als die von Erwachsenen, verbunden mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein. "Nehmt doch bitte die Jugendlichen ernst", fordert die Jugendarbeiterin: "Ich erlebe in meiner Arbeit, dass junge Menschen Corona sehr ernst nehmen und damit verbunden wäre es auch mein Vorschlag, ihnen mehr zuzutrauen."

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