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Jugend in Corona-Zeiten - Abhängen an der Tanke statt Clubbesuch

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Durchtanzte Clubnächte? Das war mal! Jugendliche erzählen, wie sie mit dem Pandemie-bedingten Stillstand des öffentlichen Lebens umgehen.

Illustration: Bierflaschen stehen vor einer Tankstelle
Die Tankstelle als Jugend-Treffpunkt in Corona-Zeiten: Die Clubs sind weiter zu.
Quelle: dpa

Klar haben sie gefeiert, als der Schrecken der ersten Corona-Welle nachließ und der ersehnte Sommer Einzug hielt mit Hitze, Leichtigkeit, Lebensfreude: Das gilt für junge wie für ältere Menschen. In die Schlagzeilen haben es aber nur die so genannten "Corona-Partys" der Jugendlichen geschafft.

Corona-Partys: Politik nimmt Jugendliche ins Visier

Politiker wie FDP-Chef Christian Lindner rügten "Massen-Besäufnisse" oder appellierten wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) insbesondere an die Jugend, "lieber heute auf ein paar Feten, Feiern und Partys zu verzichten, um morgen und übermorgen gut leben zu können".

"Sicher haben es im Sommer manche übertrieben mit dem Feiern, aber doch nicht nur die Jungen", sagt die 21-jährige Isabelle aus Frankfurt am Main.

Da werden jetzt Schuldige gesucht.
Isabelle aus Frankfurt

"Seit im März die Clubs in München zu gemacht haben, ist die Party für uns erstmal vorbei - wir vertreiben uns die Zeit mit Kochen und Film-Schauen in der WG. Nicht besonders spannend, aber auch schön", sagt Louise Koller (22) im Gespräch mit ZDFheute.

In der Corona-Krise laufen Jugendliche Gefahr, zu Hause isoliert zu sein. Dabei sind Ansprechpartner außerhalb der Familie wichtig.

Beitragslänge:
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"Wilde Partys? Kannst du vergessen! Wir machen hier, wenn überhaupt, kleine gemütliche Grillabende", sagt Bastian Berr (21) aus der thüringischen Kleinstadt Kahla.

Studie korrigiert Zerrbild von egoistischer Jugend

Nach rücksichtslosem Hedonismus der Jugend klingt das nicht - und auch die vor kurzem vorgestellte repräsentative Jugend-Studie der Tui-Stiftung hat das Bild einer "unvernünftigen und unsolidarischen Jugend" konterkariert:

  • Zwar empfindet ein Drittel der 16- bis 20-Jährigen und ein Viertel der 21- bis 26-Jährigen Einschränkungen von Feiern als "besonders belastend".
  • Allerdings halten sich 83 Prozent der befragten Jugendlichen an die Beschränkungen.
  • 89 Prozent jener, die sich an die Maßnahmen halten, tun dies vor allem, um die Gesundheit anderer zu schützen.

Underground-Techno-Partys und "Stubenhockerdasein"

Was bleibt der Jugend, wenn Musikclubs und Kinos zu sind, Konzerte ausfallen und andere Kulturangebote im öffentlichen Raum verschlossen bleiben?

"Im Sommer war ich viel in der Techno-Szene unterwegs. Die Infos zur Location gab’s erst kurz vor Partybeginn via Facebook- oder Telegram-Gruppen. Meist waren wir irgendwo draußen in der Natur", berichtet Isabelle von ihren Erlebnissen. "Es waren immer mega viele Leute da. Als Teil einer unbeschwerten Masse hab' ich mich gut gefühlt."

Menschen tanzen in einem Berliner Club

Kommentar zur Generation Corona -
Verlorene Jugendjahre
 

Es ist das letzte Wochenende vor dem Lockdown. Unser Autor würde gerne feiern gehen. Dass das nicht geht, nervt ihn - ebenso wie die überzogene Kritik an seiner Generation.

von Nils Hagemann

Seit einem Monat aber sei die Party für sie aus. "Als das Wetter schlechter wurde, war alles abrupt vorbei." Ihre Aussicht auf Herbst und Winter: "monatelang Stubenhockerdasein - deprimierend!"

Jugendclub dicht, Abhängen an der Tanke

Andere Jugendliche wie den 18-jährigen Johannes und seine Freunde zieht es noch an die frische Luft. Ihr Programm an diesem Abend: "Abhängen an der Tanke", wie Johannes sagt. Ein Auto haben sie noch nicht.

Warum sie trotzdem zu der Ausfallstraße kommen, auf kalten Bordsteinen hocken, mitgebrachtes Bier trinken und die Zeit totschlagen? "Was willst'n sonst machen - Jugendklub ist auch dicht", sagt der Auszubildende.

Sozialleben im Schlafanzug

So langsam wollen sie ihre Treffen aber doch eher "nach Hause in die warme Bude" verlagern, wie Johannes sagt. "Zocken an der Playstation" geht dann auch.

Louise Koller hofft derweil, dass ihr Lieblingsclub in München die Corona-Zeit "irgendwie überlebt". Sie erzählt von euphorisch durchfeierten Nächten dort und ihre Stimme vibriert dabei.

Sie hält kurz inne, bevor sie sagt: "Statt sich schick zu machen für eine lange Club-Nacht, laufen meine Freunde und ich heute komplett im Schlafanzug rum."

Sie lacht und hofft, dass der Corona-Impfstoff bald auf den Markt kommt - und das Kulturleben wieder an Fahrt aufnimmt.

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