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Wenn die einzige warme Mahlzeit wegfällt

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Wie Corona arme Familien trifft - Wenn die einzige warme Mahlzeit wegfällt

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Rund 4.500 Kinder betreut das Jugendwerk "Arche" jeden Tag. Jetzt sind die Einrichtungen zu. "Arche"-Sprecher Büscher über die Not, die Corona über arme Familien bringt.

Kinderclub Die Arche in Hamburg
Die "Arche"-Einrichtungen sind wegen Corona geschlossen. Das trifft bundesweit Tausende Kinder.
Quelle: imago/Lars Berg

makro: Normalerweise kommen am Tag etwa 4.500 Kinder in die "Arche", um dort zu essen, zu spielen und Hausaufgaben zu machen. Jetzt sind die bundesweiten Einrichtungen geschlossen. Was heißt das für die Kinder und ihre Familien?

Wolfgang Büscher: Es hat sich eine Mutter mit zwei Kindern an uns gewandt, die für den Rest des Monats März noch sechs Euro zur Verfügung hatte. Arme Menschen sind auf Discounter angewiesen, aber gerade die preiswerten Lebensmittel sind jetzt vergriffen. Bei den Tafeln kommt nichts mehr an. Wäre die "Arche" noch geöffnet, könnten wir dieser Mutter und ihren Kindern jeden Tag Mittag- und Abendessen anbieten, aber das geht jetzt nicht mehr.

In einem anderen Fall habe ich mit einer Frau telefoniert, die ich kaum verstehen konnte, weil der Hund dauernd jaulte. Warum? Weil das Tier seit zwei Tagen nichts mehr zu fressen hatte. Wenn es den Menschen am nötigsten fehlt, bleiben die Haustiere auf der Strecke.

makro: Wie können Sie diesen Menschen jetzt helfen?

Büscher: Wir fahren bei vielen vorbei und bringen ihnen Lebensmittel. Weil wir zurzeit viele Spenden bekommen. Restaurants und Hotels schließen ihren Betrieb und schenken uns glücklicherweise ihre Lebensmittelvorräte. Das Problem ist allerdings, dass es sich größtenteils um frische Lebensmittel handelt, die schnell aufgebraucht sein werden. Was wir langfristig benötigen, sind Konserven. Aber die Regale in den Supermärkten sind leer.

makro: Wie bleiben Sie denn mit den Kindern in Kontakt? Um die geht es ja in erster Linie.

Büscher: Wir betreiben zurzeit eine virtuelle "Arche". Dabei helfen uns Chatrooms beispielsweise, wir spielen übers Handy mit den Kindern oder verschenken auch Gesellschaftsspiele. Viele rufen wir direkt an und sprechen mit ihnen. Die Kinder haben auf jeden Fall weiter die Möglichkeit, sich an uns zu wenden. Wir sind sehr froh, wie gut unser Angebot angenommen wird. Die Kinder lechzen förmlich nach Unterhaltung. Sorgen bereiten uns allerdings die ganz Kleinen, wir betreuen ja Kinder ab drei Jahren. Die erreichen wir nicht virtuell.

makro: Wie wird sich die Situation auf die Familien, die Sie betreuen, auswirken?

Büscher: Wir sind sehr besorgt. Viele unserer Familien haben nicht gelernt, miteinander zu reden. Wir befürchten ein sehr hohes Gewaltpotential, wenn die Schulen und Betreuungseinrichtungen über Wochen geschlossen sein werden.

makro: Was brauchen Sie jetzt am dringendsten?

Büscher: Lebensmittelspenden, vor allem Konserven. Und auch Tierfutter. Denn für viele sozial schwache Familien ist das Haustier ein wichtiger emotionaler Halt. Direkt nach dem Corona-Ausbruch gab es leider kaum Spenden, jetzt zieht es wieder an, zum Glück. Wir erleben auch viele bewegende Momente. 

Um uns vier Konservendosen zu spenden, hat eine alte Dame die weite Fahrt quer durch Berlin auf sich genommen. Ein Kinobesitzer, der wegen Corona den Betrieb einstellen muss, hat uns unter Tränen seine ganzen Popcorn-Vorräte geschenkt. Für so viel Hilfsbereitschaft sind wir dankbar.  Denn wir sind dringend auf diese Spenden angewiesen.

Das Interview führte Eva Schmidt

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