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Lieberberg: Branche braucht Hoffnungszeichen

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Vor Live-Konzert in Düsseldorf - Lieberberg: Branche braucht Hoffnungszeichen

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Ein großes Live-Konzert soll der Branche wieder auf die Beine helfen. Veranstalter Marek Lieberberg erklärt, warum er keine Angst hat, dass es zum Corona-Hotspot werden könnte.

Archiv: Marek Lieberberg am 22.06.2020 in Frankfurt
Marek Lieberberg ist Geschäftsführer des Konzertveranstalters "Live Nation": Das Corona-Konzept für das Düsseldorf-Konzert sei "besser als derzeit auf Flughäfen, besser als auf Bahnhöfen, besser als auf öffentlichen Plätzen".
Quelle: dpa

ZDFheute: Herr Lieberberg, Sie planen für den 4. September in Düsseldorf ein Konzert unter anderem mit Bryan Adams, Sarah Connor, Rea Garvey, The BossHoss, Michael Mittermeier und Joris vor 13.000 Zuschauerinnen und Zuschauern, das erste Großkonzert in Deutschland seit Mitte März. Haben Sie keine Angst, dass diese Veranstaltung zum Corona-Infektions-Hotspot wird?

Marek Lieberberg: Nicht die geringste. Meine Bedenken gehen überhaupt nicht in diese Richtung, weil unser Konzept überzeugend ist.  Es ist besser als derzeit auf Flughäfen, besser als auf Bahnhöfen, besser als auf öffentlichen Plätzen.

Es ist ein klares Bekenntnis zu den Covid-19-Schutzmaßnahmen.

Es enthält eine Personalisierung aller Tickets, die komplette Registrierung des Publikums, entzerrten Ein- und Auslass, Verpflichtung zum Tragen von Schutzmasken vor, während und nach der Veranstaltung sowie soziale Distanz von 1,50 Meter Radius und ein Alkoholverbot. Deshalb wurde es auch von den Düsseldorfer Gesundheitsbehörden vollumfänglich genehmigt und sogar als "Übererfüllung" eingestuft.

Stadion in Düsseldorf an 04.03.2018
Das Stadion in Düsseldorf, in dem am 4.9.2020 das Konzert "Give Live A Chance" stattfinden soll. (Archivbild)
Quelle: dpa

ZDFheute: Sie arbeiten mit den Behörden vor Ort zusammen. Wie sieht der gemeinsame Hygieneplan aus und wie wird das konkret vor Ort aussehen, damit die Bestimmungen eingehalten werden?

Lieberberg: Wir werden natürlich dafür sorgen, dass sich bereits auf dem Weg von den öffentlichen Verkehrsmitteln und den Parkplätzen zum Konzert keine Trauben oder Schlangen bilden. Wir werden das gleiche im Stadion selbst tun. Die Sitze liegen weit auseinander, es klaffen große Lücken, weil hier maximal 13.000 von möglichen 45.000 Plätzen besetzt sind.

Ich finde, da kann man durchaus vertrauensvoll auf diese Veranstaltung blicken und zuversichtlich sein, dass die Durchsetzung mit unserem erfahrenen Team und den Sicherheitskräften gelingt. 

Wir brauchen jetzt dringend ein solches Hoffnungszeichen für eine Branche, die unverdienterweise ohnmächtig ist und die ein Wiedereinstiegs-Szenario benötigt, um im nächsten Jahr wieder vollumfänglich in den vorgesehenen Kapazitäten Konzerte veranstalten zu können.
Marek Lieberberg, Konzertveranstalter

Es geht nicht nur um die Veranstalter, sondern um mehr als 150.000 Menschen in der Musikindustrie, die Künstler und natürlich die vielen Dienstleister wie Aufbauhelfer, Bühnenarbeiter, Techniker, Busfahrer, Caterer. Alle warten sehnsüchtig auf diesen Moment.

Archiv: Die Band "The Boss Hoss" am 09.06.2019 bei "Rock am Ring"

Düsseldorfer Großkonzert -
Entscheidung spätestens vier Tage vorher
 

Im Streit um ein Großkonzert in Düsseldorf in Corona-Zeiten gibt es einen Kompromiss. Die Entscheidung, ob das Event stattfindet, fällt aber auf den letzten Drücker.

ZDFheute: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat "begründete Zweifel an der rechtlichen Grundlage" Ihres Konzerts. Konzept und Genehmigung seien "jedenfalls nicht mit dem Land abgestimmt". Sind das also berechtigte Zweifel?

Lieberberg: Ich denke, wir konnten inzwischen Missverständnisse und Informationsdefizite ausräumen. Es macht für niemanden Sinn, bei diesem Projekt einen Konflikt zu suchen. Wichtig ist eine gemeinsame, abgestimmte Vorgehensweise. 

Wir sind hier ursprünglich wohl in eine Polarisierung zwischen Söder, Laschet/Spahn hineingeraten. Söder hat sich, bis jetzt gravierende Defizite bei den Tests in Bayern aufgetreten sind, als Hardliner in Szene gesetzt und mit konstanten "Corona-Mahnungen" einen demoskopischen Rekord nach dem anderen gebrochen. Da schielen natürlich andere drauf. Wir sind aber kein Objekt für diesen Disput. Wir bitten darum, zu differenzieren, denn unsere stringente Initiative verdient Vertrauen.

Kulturzeit-Gespräch mit dem Konzert- und Festivalveranstalter Marek Lieberberg im April 2020.

Beitragslänge:
7 min
Datum:

ZDFheute: Hat Herr Laumann denn Recht damit, dass das Land NRW gar nicht von Ihren Plänen wusste?

Lieberberg: Die Vorgehensweise ist so, dass Veranstaltungen immer bei der jeweiligen Kommune angemeldet werden und nicht beim Land! Deshalb haben wir mit den Düsseldorfer Behörden gesprochen und der Stadt ein überzeugendes Konzept vorgelegt. Wir sind erfahrene Veranstalter mit einer erwiesenen, jahrzehntelangen Kompetenz auf diesem Gebiet.

ZDFheute: Ihr Plan erinnert an den der Deutschen Fußballliga, die ebenfalls plant, zur neuen Bundesliga-Spielzeit wieder Publikum in die Stadien zu lassen. Wie bewerten Sie das? Und gibt es Parallelen?

Lieberberg: Wissen Sie, ich begrüße alle Maßnahmen, die unsere Gesellschaft wieder Schritt für Schritt zur Normalität zurückführen. Das wünsche ich mir als Mensch und als Bürger mit einem politischen Bewusstsein.

Der Fußball möge seinen Weg gehen, ich wünsche ihm dabei viel Glück. Und wir gehen unseren Weg. Wir alle brauchen aber dringend ein abgestuftes und genehmigtes Wiedereinstiegszenario, um Zehntausende von verschobenen Veranstaltungen im kommenden Jahr in ihren vorgesehenen Kapazitäten durchzuführen. Dahin müssen wir kommen. Ansonsten bleibt der propagierte "Neustart Kultur" nur eine Phrase.

Wem in der Corona-Zeit die Live-Konzerte fehlen, dem bietet das 1:1-Konzert ein besonderes Musikerlebnis: ein Musiker, ein Zuhörer, zehn Minuten.

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1 min
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ZDFheute: Am 22. August wird es ein Versuchskonzert mit Tim Bendzko vor bis zu 4.000 Zuschauerinnen und Zuschauern in Leipzig geben, allerdings indoor. Wird dieses Event einen Einfluss auf Ihre Veranstaltung in Düsseldorf haben?

Lieberberg: Das glaube ich nicht. Es sind unterschiedliche Situationen. Ich denke, aus allen Veranstaltungen gibt es Learnings. Und es ist wichtig, diese Lehren mit an Bord zu nehmen und zu beherzigen. Insofern sind wir sehr gespannt, was dieser Test an medizinischen Erkenntnissen bringt.

Denn ich betone es nochmals: Wenn es uns nicht gelingt, sukzessive wieder zu starten, war alles vergebene Liebesmüh. Und dann können wir wie Lageristen agieren und Konzerte von einem Regal ins andere verschieben. Dann setzen sie vielleicht etwas Staub an und irgendwann gerät alles in Vergessenheit.  

Diese wundervolle Live-Musikbranche ist unverdient in Not geraten und alle Verantwortlichen haben die Verpflichtung, der modernen Kultur wieder zu ihrem Recht zu verhelfen.
Marek Liebermann

ZDFheute: Wie blicken Sie in die Zukunft? Rechnen Sie damit, dass es im kommenden Jahr wieder normalen Konzert- und Festivalbetrieb geben kann?

Lieberberg: Gemeinsam mit meinen Kollegen arbeite ich mit aller Energie für dieses Ziel. Aber um dahin zu kommen, sind Veranstaltungen wie "Give Live A Chance" lebenswichtig, damit der immensen Sehnsucht auf moderne Kultur wieder Raum gegeben wird.

Das Interview führte Lucas Radermacher.

Die Zukunft der Kulturbranche ist durch die Corona-Krise völlig ungewiss. Musiker, DJs, Bars, Clubs, Diskotheken, Konzerthallen – die allermeisten stehen mit dem Rücken zur Wand.

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2 min
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Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Der britische Premierminister Boris Johnson; London; 22.09.2020

Johnson hält TV-Rede an Nation -
"Wir müssen das Virus jetzt unterdrücken"
 

Angesichts steigender Infektionszahlen stellt Premier Johnson die Briten auf weitere Monate mit Corona-Beschränkungen ein - und ordnet zusätzlich eine Verschärfung der …

Ein Blick in die Fußgängerzone und der Pauluskirche in Hamm.

Hohe Infektionszahlen -
Kontaktbeschränkungen in Hamm
 

In Hamm in NRW sind die Corona-Zahlen zuletzt stark angestiegen. Daher werden die Kontakte in der …

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2 min
Archiv: Ein Mitglied der deutschen Bischofskonferenz hat seine Hände zum Gebet gefaltet.

Kirche im Corona-Modus -
Wenn die Basis selbst aktiv wird
 

Im kirchlichen Leben hat Corona wie ein Brennglas Defizite und Positives sichtbar gemacht. Eine Frage drängt …

von Jürgen Erbacher
Videolänge:
1 min
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