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Viele Krankenhäuser berechnen zu viel

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Corona: Noch weniger Kontrollen - Viele Krankenhäuser berechnen zu viel

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Gesetzlich Versicherte in NRW haben 338 Millionen Euro zu viel gezahlt, weil Krankenhäuser überhöhte Rechnungen gestellt haben. Wegen Corona wird aktuell jedoch weniger geprüft.

Leeres Bett auf Krankenhausflur
Wegen Corona dürfen die Krankenkassen dieses Jahr nur fünf Prozent der Abrechnungen eines Krankenhauses überprüfen lassen.
Quelle: dpa

Gesetzlich Versicherte haben im vergangenen Jahr im Bezirk Nordrhein mindestens 338 Millionen Euro zu viel bezahlt. Diese Summe holte der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) Nordrhein durch die Prüfung auffälliger Rechnungen bei den Krankenhäusern zurück.

Das geht aus Unterlagen des MDK hervor, die dem ZDF vorliegen. Demnach waren etwa 60 Prozent aller Krankenhaus-Rechnungen im Bezirk Nordrhein 2019 überhöht.

Hochgerechnet wären es bundesweit mehr als drei Milliarden Euro

Der MDK Nordrhein ist zuständig für etwa zehn Prozent aller Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland und hat insgesamt etwa 383.000 Krankenhaus-Rechnungen überprüft. Das waren etwa 21 Prozent aller Rechnungen.

Hochgerechnet auf das Bundesgebiet würde das bedeuten, dass die rund 2.000 Kliniken mehr als drei Milliarden Euro zu viel mit den Krankenkassen abgerechnet haben.

Die Corona-Krise offenbart nicht nur die Stärken, sondern auch die Schwächen des deutschen Gesundheitssystems. Welche Konsequenzen sind nach dieser Pandemie zu ziehen? In welchen Bereichen ist ein Umbau des Gesundheitswesens sinnvoll?

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Nach Angaben des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) seien 2019 insgesamt 3,04 Millionen auffällige Krankenhausabrechnungen geprüft worden. Davon seien 52,2 Prozent nicht korrekt gewesen.

Krankenkassen dürfen weniger Rechnungen prüfen

Mit der Corona-Pandemie hat der Gesetzgeber die Krankenhäuser entlastet. So dürfen die Krankenkassen in diesem Jahr nur noch fünf Prozent der Abrechnungen eines Krankenhauses überprüfen lassen. Mit der Deckelung soll bürokratischer Aufwand in den Kliniken vermieden werden.

Ist eine Rechnung tatsächlich falsch, muss das Krankenhaus den zu viel geforderten Betrag zurückzahlen. Strafen für die Kliniken wurden aber wegen der Belastungen durch die Corona-Pandemie für zwei Jahre ausgesetzt.

Stellt sich eine Rechnung aber später als korrekt heraus, muss die Krankenkasse 300 Euro Strafe zahlen. Der GKV-Spitzenverband hat das bereits Anfang Mai kritisiert und den Gesetzgeber aufgefordert, die Strafe auszusetzen. Ohne Erfolg.

Gesundheitsminister Spahn will von Mai an wieder mehr planbare Eingriffe in Krankenhäusern zulassen. Derzeit werden viele Kapazitäten für Covid-19-Patienten freigehalten.

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Ein Erfolg der Krankenhaus-Lobby?

Das sei so, als ob Fahrkartenkontrolleure dem Fahrgast noch Geld für die Mitarbeit bei der Kontrolle bezahlen müssten, kritisiert der Gesundheitsexperte Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin im Gespräch mit ZDFheute. Der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft (DKG) sei es damit gelungen, Ersparnisse in Milliardenhöhe bei den Prüfungen "fast unbemerkt durchzusetzen - ein bemerkenswerter Lobby-Erfolg".

Das alles kostet die Krankenkassen mindestens 2,5 Milliarden Euro.

Das sagt ein Insider im Gespräch mit ZDFheute. Es gebe einzelne Krankenhäuser, bei denen die Kasse 60 bis 70 Prozent auffällige Rechnungen überprüfen und dabei "sehr erfolgreich" sind.

Wenn jetzt nur noch fünf Prozent der Rechnungen geprüft werden dürften, sei das ein Skandal und vor allem für die schwarzen Schafe eine Art "Schutzquote". Die Kassen müssten nun "sehenden Auges fehlerhafte Rechnungen hinnehmen". Er erwartet, dass sich Gerichte mit dem Thema beschäftigen werden.

Auch im Bochumer St. Josef-Hospital hat sich viel verändert, seitdem dort Corona-Patienten behandelt werden. Laut Ärzten ist die Lage stabil, doch die Sorge ist groß, sich selbst anzustecken.

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Deutsche Krankenhausgesellschaft freut sich über "Bürokratieabbau"

Ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft erklärte, die Fünf-Prozent-Quote sei "ein richtiger Schritt in Richtung Bürokratieabbau". Falsche Abrechnungen beruhten auf zu großem Interpretationsspielraum: "Die Nutzung der dadurch entstehenden Bewertungsspielräume ist legal und legitim."

Die Diskussion hätte "ihre Ursache im komplexen Abrechnungssystem, der Überbürokratisierung und vor allem dem Gewinndruck bei den Krankenkassen".

Vielleicht weiß man im Juni, wie groß das Problem wirklich ist

Der GKV-Spitzenverband ist gesetzlich verpflichtet, in diesem Jahr detailliert zu veröffentlichen, wie viele Klinikrechnungen die einzelnen Krankenkassen als überhöht gemeldet haben. Bis Ende Juni hat die GKV noch Zeit dazu. Dann dürfte sich herausstellen, wie groß das Problem und die Summe wirklich sind. Vielleicht.

Denn die GKV drängt darauf, diese Frist wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr zu verschieben. Eine Veröffentlichung sei unter den aktuellen Umständen "wenig zielführend". Zu den aktuellen Zahlen wollte sich eine GKV-Sprecherin nicht äußern.

Ralph Goldmann in Korrespondent im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfahlen. Dem Autor auf Twitter folgen @ralphgoldmann

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