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Pflegedienst minimiert Risiko - Wie Krebspatienten in der Krise versorgt werden

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Viele Krebspatienten befürchten einen schweren Verlauf im Falle einer Corona-Infektion. Ein Pflegedienst verschärft die Schutzmaßnahmen - und steht den Patienten dennoch bei.

Atemschutzmaske liegt auf einem Tisch
Atemschutzmasken gehören für die Krankenschwestern zur Grundausstattung, um einer Corona-Infektion vorzubeugen.
Quelle: dpa

"Wir müssen alles tun, um nicht selbst zu einem Risiko für unsere Patienten zu werden", sagt Sigrid Werner. Denn die Menschen, die sie und ihr Team im Saarland ambulant betreuen, gehören alle zu einer Risikogruppe. Es sind Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, Menschen wie Gabriele Scholtes (Name von der Redaktion geändert).

Sie ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und wird künstlich ernährt. "Über 20 Kilo habe ich durch die Krankheit abgenommen", erzählt sie, "und durch die Chemotherapie habe ich zudem kaum noch Appetit, schon nach einer kleinen Kartoffel geht meist nichts mehr."

Über einen sogenannten Portkatheder, kurz Port, unterhalb ihres Schlüsselbeins, einen dauerhaften Zugang also von außen in eine Vene, werden Gabriele Scholtes täglich Infusionen verabreicht. Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine gelangen so direkt in ihr Blut. Die künstliche Ernährung ist für sie lebenswichtig.

Abstand zu Patienten in Corona-Krise "unmöglich"

Das Coronavirus stellt auch Sigrid Werner vor immense Herausforderungen. Sie ist Leiterin der saarländischen Niederlassung des Home-Care-Unternehmens Ligetis/IPT, einer Versorgungs-Firma, die sich unter anderem auf Krebspatienten spezialisiert hat, die künstlich ernährt werden müssen. Im Schnitt betreuen Sigrid Werner und drei weitere Krankenschwestern 40 bis 50 Patienten pro Woche.

Die Frage, wie es möglich sein soll, mindestens 1,50 Meter Abstand zum Patienten zu halten, beantwortet Sigrid Werner mit einem Wort: "Unmöglich." Denn dieser Abstand lässt sich nicht einhalten, will man eine Portnadel setzen, über die die künstliche Ernährung in die Vene gelangt. Diese Nadel wird in der Regel erst nach acht Tagen wieder entfernt bzw. gewechselt.

Jetzt soll der Portnadel-Wechsel bei den Patienten, bei denen es medizinisch möglich ist, nur noch alle 14 Tage stattfinden, um so die Zahl der Hausbesuche, sprich Kontakte, zu reduzieren. "Hygiene", betont Sigrid Werner, "war und ist bei der Versorgung unserer immungeschwächten Patienten oberstes Gebot."

Corona zwingt zu verschärften Hygiene-Maßnahmen

Corona zwingt zu verschärften Maßnahmen. Die Montur, die Sigrid Werner und ihre Kolleginnen nun anziehen, besteht aus Schutzkittel, Überzieh-Schuhen, Haube, Einweg-Handschuhen, Atemschutzmaske (FFP2 oder FFP3, also virenfilternd). Letztere tragen nicht nur die Krankenschwestern, sondern auch deren Patienten bei jedem Besuch. Auf die Frage, ob der Anblick ihrer völlig vermummten Krankenschwester nicht nur ungewohnt, sondern auch beängstigend sei, antwortet Gabriele Scholtes: "Nein. Wieso auch?"

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All das sei notwendig und diene nur ihrem Schutz. Auch der Ratschlag, alles, was die Krankenschwester während ihres Besuches angefasst hat, Türklinken etwa, zu reinigen. Sofort nach jedem Hausbesuch entsorgen die Mitarbeiterinnen von Ligetis/IPT ihre Schutzkleidung in einem Müllsack. Fläschchen mit Desinfektionsmittel waren und sind ihre ständigen Begleiter, zum einen um die Hände, zum anderen um Kontaktflächen im Dienstfahrzeug zu desinfizieren.

Patienten befürchten schwere Erkrankung durch Coronavirus

Gleiches gilt für die Transportfahrer, die die künstliche Ernährung ausliefern. Auf Teambesprechungen im Büro verzichtet Sigrid Werner inzwischen. Sämtlicher Informationsaustausch läuft nur noch über Telefon und Internet. Apropos Telefon, wirft Sigrid Werner ein, es stehe in letzter Zeit selten still.

Viele Patienten rufen an, denn Angst und Ungewissheit machen ihnen sehr zu schaffen. Wie stark bin als Teil einer Risikogruppe gefährdet? Wie wahrscheinlich ist es, dass ich im Fall einer Infektion mit dem Coronavirus schwer erkranke? Was kann ich tun, um mich bestmöglich zu schützen?

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Alle Fragen versuchen Sigrid Werner und ihre Kolleginnen präzise, ausführlich und vor allem ruhig zu beantworten. Immer wieder versichern sie ihren Patienten: "Wir tun alles, was wir können, um für Sie da zu sein und gut auf Sie aufzupassen."

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Gabriele Scholtes kennt ihn gut, diesen ständigen Begleiter namens Angst. Bis vor kurzem hat sie ihren Mann, wenn es ihr körperlich einigermaßen passabel ging, zum Einkauf in den Supermarkt begleitet, war er doch eine willkommene Abwechslung und Ablenkung. Inzwischen verzichtet sie darauf ebenso wie auf Besuche ihrer Kinder und Enkelkinder. Als sie das erzählt, klingt ihre Stimme traurig, aber bestimmt.

Und dann spricht Gabriele Scholtes noch von ihrer Wut, Wut über die Bilder, die sie in den letzten Tagen von feiernden Menschen gesehen hat. "Wenn ich das Wort Corona-Party höre", sagt sie, "dann macht mich das aggressiv."

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