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Krebs in der Corona-Krise

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Risikogruppen - Krebs in der Corona-Krise

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Durch die Corona-Pandemie gerieten Krebserkrankungen aus dem Fokus. Zwei Patientinnen erzählen von verschobenen Chemotherapien, abgesagten Rehas und einem Gefühl der Hilflosigkeit.

Krebspatienten in Angst

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Anke B. ist erschöpft. Der 57-Jährigen wurde vor drei Monaten ein riesiger Tumor im Bauchraum herausgeschnitten. Dabei mussten auch eine ihrer Nieren, ein Eierstock, Teile ihres Dickdarms und ihres Zwerchfells entfernt werden. Doch B., die auf dem Land in der Nähe von Frankfurt wohnt, macht nicht nur der schwere Eingriff zu schaffen. "Wegen des Coronavirus wurde meine Reha abgesagt. Ich darf auch nicht zu meinem Hausarzt, fühle mich allein gelassen, muss alles selbst organisieren."

Weniger Krebsvorsorge wegen Corona

In der Corona-Krise stand lange Zeit die Infektionskrankheit im Fokus des Gesundheitssystems, der Öffentlichkeit und der Politik. Andere Krankheiten gerieten aus dem Blick. Das zeigen auch Zahlen einer Taskforce führender Krebsforscher in Deutschland. Die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Krebsgesellschaft und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) erheben seit sechs Wochen Daten zur Versorgung von Krebs-Patienten.



Das Ergebnis: "Es hat zwar keine flächendeckenden Engpässe in der Versorgung von Krebspatienten gegeben - doch das Gesundheitssystem ist gestresst", sagt Professor Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender der DKFZ. "Es gab auch Einzelfälle, in denen dringliche Behandlungen oder diagnostische Untersuchungen aufgeschoben wurden." Besonders bei der Vor- und Nachsorge habe es erhebliche Einschränkungen gegeben, so Baumann.

Krebs in Corona-Zeiten: Tabletten statt Reha

Das hat auch Anke B. zu spüren bekommen. Nach ihrer Operation hatte sie schon einen Platz in einer Reha-Einrichtung. "Sie riefen mich an und sagten mit der Begründung ab, sie könnten mich coronabedingt nicht bestmöglich versorgen." Seitdem ist B. zuhause und bekommt zwei Mal pro Woche eine Lymphdrainage, damit ihre Schwellungen zurückgehen.

B. nimmt Schmerztabletten, ihre rechte Seite ist zwischen Hüfte und Knie taub. Sie läuft leicht nach vorn gebückt und ist kurzatmig. "Ich hatte noch nie Krebs. Ich hätte gerne eine Einrichtung an meiner Seite, die mich an die Hand nimmt und mir sagt: Es ist normal, dass du so müde bist, dass dir alles weh tut."

Wenn Warten zum Risiko wird

Statt auf die Expertise in einer Reha-Einrichtung zurückgreifen zu können, sucht sich B. ihre Ärzte nun selbst zusammen. Sie war schon bei einem Nieren-Facharzt, bei einem Internisten und einem Onkologen. Anke B. ist kein Einzelfall.

Yvonne R. aus der Nähe von Mainz hat eine seltene Form von Blutkrebs. Eigentlich hätte die Chemotherapie der 63-Jährigen im Februar beginnen sollen, doch aufgrund des Coronavirus sei sie verschoben worden. Nun seien ihre Werte so schlecht, dass die Ärzte nicht mehr warten könnten. "Ich fühle mich aber gut betreut und mache mir keine Sorgen", sagt die ehemalige Krankenschwester.

Krebsforscher: Unbedingt wieder zum Arzt gehen

Durch das Coronavirus kann es zu einem Diagnose- und Behandlungsrückstau gekommen sein, weil Kapazitäten für Covid-19-Patienten freigehalten wurden, sagt Krebsforscher Baumann. Demnach hatten einige Krebspatienten Angst, in die Praxen und Krankenhäuser zu gehen, um verdächtige Symptome abklären zu lassen. Andere wollten das Gesundheitssystem nicht zusätzlich belasten. "Sie sollten sich jetzt aber unbedingt wieder untersuchen lassen, weil früh erkannte und behandelte Krebserkrankungen eine deutlich bessere Prognose haben als fortgeschrittene Stadien", rät Baumann.

In der Corona-Pandemie ist noch kein Ende in Sicht - weitere Infektionswellen sind möglich. Anke B. hofft, dass sie trotzdem bald eine Reha antreten kann. "Ich frage mich, ob es mir besser gehen würde, wenn Corona nicht dazwischen gekommen wäre", sagt sie. Doch immerhin liege die OP schon hinter ihr und werde nicht etwa verschoben. "Das würde mich wahnsinnig machen", sagt B.

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