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Kreißsaalverbot für Väter - Hebammen: Frauen zeitweise ganz allein

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Wegen der Corona-Krise dürfen Väter nicht in allen Kliniken bei der Geburt dabei sein. Der Hebammenverband kritisiert das, da die Frau wegen des Personalmangels teils alleine sei.

Kreißsaal in einer Hamburger Klinik.
Wenn Gebärende sich nicht wohl und sicher fühlen, kann das bedeuten, dass mehr Schmerzmittel gegeben werden müssen oder mehr Kaiserschnitte notwendig werden, so der Hebammenverband.
Quelle: Christian Charisius/dpa/Archivbild

Schwangere sind in Panik, Hebammen besorgt: Die an manchen Kliniken wegen der Corona-Pandemie verhängten Kreißsaalverbote für werdende Väter sorgen für Zündstoff. Vor allem in den Geburtsvorbereitungskursen für werdende Mütter gibt es vielerorts kaum ein brennenderes Thema als die aktuellen Regelungen der umliegenden Kliniken. Nicht nur Erstgebärende können sich oftmals kaum vorstellen, ohne eine vertraute Bezugsperson diese herausfordernden Stunden zu meistern.

"Ich habe eine Frau betreut, die erst eine Fehlgeburt und dann eine komplizierte Totgeburt hatte", schildert etwa Hebamme Swantje Vogt von der Hebammenpraxis Sonnenstrahl aus dem oberbayerischen Miesbach.

Für sie war völlig klar: Dieses Kind kommt nicht ohne seinen Vater.
Hebamme Swantje Vogt über eine werdende Mutter

"Für sie war es in keinster Weise vorstellbar, ohne ihren Mann da durchzugehen." Zumal in Kreißsälen bei weitem nicht immer eine Hebamme anwesend sei.

Keine 1:1-Betreuung in Kreißsälen

"Da macht sich die prekäre Personalsituation ganz deutlich bemerkbar", betont Andrea Ramsell, Präsidiumsmitglied im Deutschen Hebammenverband.

Wir haben keine standardmäßige 1:1-Betreuung.
Andrea Ramsell, Deutscher Hebammenverband

"Wir haben oft die Situation, dass eine Hebamme drei, vier Frauen gleichzeitig betreut. Die Frauen sind dann ohne Begleitung allein im Kreißsaal, das ist eine Zumutung."

Keine Zahlen, wie viele Kliniken Verbot haben

In wie vielen Kliniken deutschlandweit aktuell ein Kreißsaalverbot für Begleitpersonen gilt, ist nicht erfasst. "Das sind individuelle Regelungen, die das Krankenhaus vor Ort entscheidet", erläutert ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Es gebe auch Fälle, in denen ein ursprünglich verhängtes Verbot wieder aufgehoben worden sei, weil sich das Infektionsgeschehen in der Region verändert habe - oder weil endlich neue Schutzausrüstung eingetroffen sei.

Jeder, der ein Krankenhaus betritt, kann das Coronavirus einschleppen. Und damit nicht nur Patienten, sondern auch das medizinische Personal infizieren - das den Erreger Sars-CoV-2 dann weiterverbreitet. Deshalb gilt derzeit in vielen Bundesländern ein Besuchsverbot in Krankenhäusern, das allerdings teils explizit Ausnahmen für Sterbende und werdende Mütter enthält.

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Verbot für Väter vom Hausrecht gedeckt

Wenn eine Klinik dennoch die Väter - nur selten wählen die Schwangeren eine andere Bezugsperson - ausschließt, ist das trotzdem rechtens und vom Hausrecht gedeckt, wie das Verwaltungsgericht Leipzig urteilte.

Das löst vehemente Kritik des Deutschen Hebammenverbands aus. "Für eine Geburt sind Sicherheit, Vertrauen und Nähe wichtig. Sobald einer dieser Pfeiler wegfällt, führt das zu einer Verunsicherung" erläutert Ramsell. "Dann setzen Sie eine Kaskade aus Angst und Anspannung in Gang und damit einen Geburtsverlauf, der nicht optimal ist." Die Folge: mehr Schmerzmittelgaben, mehr Betäubungen, mehr Kaiserschnitte.

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