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Corona-Krise - Kreuzfahrtbranche in der Klemme

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In Kiel wurde gerade ein neues Kreuzfahrt-Terminal fertiggestellt. Nun herrscht Stillstand im Hafen. Aber auch die Stadt leidet unter den fehlenden Kreuzfahrern.

Hafenstädte wie Kiel profitierten vom Kreuzfahrt-Boom. Doch wegen der Pandemie laufen die Riesenschiffe nicht mehr aus – auch aufgrund der Reisewarnungen des Auswärtigen Amts.

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Die neue Fassade glänzt im Sonnenlicht. Das schicke Terminal sollte dem Seehafen Kiel, dem Kreuzfahrtstandort, in dieser Saison neuen Schub geben.

Mit dem zehn Millionen Euro teuren Neubau sollten dort dann pro Tag auch Schiffe mit einer Gesamtkapazität von 10.000 Passagieren anlegen können. Die größten Schiffe, die bisher für Reisen auf die Ostsee angemeldet worden waren.

"Ein Fünftel der Saison ist futsch"

Geplant war, dass bis zum Herbst insgesamt 200 der Riesen-Pötte nach Kiel kommen und Tausende Touristen in die Landeshauptstadt bringen.

Doch daraus wird nichts. Vorerst jedenfalls. Wegen Corona sind bis Ende Mai alle Anläufe abgesagt, 50 Schiffe, die definitiv nicht kommen. "Und wie es weiter geht, ist offen, kann man seriös nicht sagen, ein Fünftel der Saison ist jedenfalls futsch", sagt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der auch Wirtschaftsdezernent der Landeshauptstadt ist. 

30 Millionen Euro beträgt die Wertschöpfung für Kiel durch die Kreuzfahrtschiffe, Einzelhändler, Gastronomie - alles gefährdet.
Ulf Kämpfer, OB Kiel

Und gerade auch den aufstrebenden Hafen trifft es. Mit jedem Schiff, das nicht kommt, verliert der Seehafen Kiel ungefähr 30.000 Euro an Hafengebühren.

Der gesamte Tourismus in der Stadt liegt brach

Jeder Kreuzfahrtpassagier lässt umgerechnet 36 Euro in der Stadt - bei 800.000 Gästen im vergangenen Rekordjahr kommt da was zusammen, so Uwe Wanger, Chef von Kiel-Marketing.

Diese Kreuzfahrten fanden wegen Corona ein jähes Ende:

Anstatt für schicke Reisen zu werben, muss er mit seinen Leuten jetzt Anrufe verunsicherter Kreuzfahrtfans beantworten. "Keiner bucht doch jetzt, die Bilder der Kreuzfahrtschiffe in aller Welt hat doch jeder im Kopf. Mit Passagieren, die krank sind."

Wanger ist schon ein wenig frustriert, wollte Kiel-Marketing doch im Juni neue schicke Räume beziehen und für den Tourismus in der Region werben. Auch Uwe Wanger wagt keine Prognose, wie es weiter geht: "Eine Milliarde Euro beträgt der Umsatz im Tourismus, Badeorte, Hotels - nur zehn Prozent davon sind die Kreuzfahrtschiffe. Auf den ersten Blick wenig. Aber die sind fürs Image wichtig, tolle Bilder aus Kiel über Jahre mit zufriedenen Passagieren."

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), kann sich Reisen trotz Corona-Pandemie vorstellen. Wichtig sei nun "Standards für das Reisen" zu definieren.

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Kreuzfahrt-Unternehmen suchen Strategien

Bis zu 6.000 Menschen auf einem Schiff, auf engstem Raum. Für die Branche eine Herausforderung. Godja Sönnichsen von Tui-Cruises erklärt die Strategie des Unternehmens.

Die Sicherheit der Gäste und der Crew steht an erster Stelle. Es gibt einen Expertenrat mit Epedimiologen, der klären soll, wie man künftig vorgehen wird.
Godja Sönnichsen, Tui-Cruises

Wie das in der Praxis aussehen soll, da hält sie sich bedeckt. Die sechs Schiffe jedenfalls könnten schnell wieder los, vorausgesetzt die Behörden geben grünes Licht. Aber auch Godja Sönnichsen wagt keine Prognose, wann das sein kann.

Kreuzfahrer bringen viel Geld in die Stadt

Viele Kieler glauben eh nicht an eine Zukunft der Riesenschiffe. Schon vergangenes Jahr gab es Proteste von Umweltschützern gegen die Branche. Geschäftsleute hier waren davon nicht begeistert, weil die Branche eben viel Geld in die Stadt bringt.

Manuela Michel leitet nicht weit weg vom Hafen ein Schuhgeschäft und ist froh, dass sie seit dieser Woche wieder geöffnet hat. Sie glaubt nicht, dass dieses Jahr noch ein Schiff kommt. "Viele große Veranstaltungen sind doch abgesagt - und dann Tausende auf einem Schiff? Das passt nicht zusammen in Corona-Zeiten."

Hermann Bernd ist Leiter des ZDF-Studios in Kiel.

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