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Coronavirus: Wie gefährlich sind Kreuzfahrten?

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Seuchenprävention auf hoher See - Coronavirus: Wie gefährlich sind Kreuzfahrten?

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Tausende Reisende sitzen an Bord von Schiffen unter Quarantäne fest. Wie gefährlich sind Kreuzfahrten angesichts des Coronavirus? Wie funktioniert Seuchenprävention an Bord?

Journalisten vor Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" im Hafen von Yokohama, Japan
Das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" liegt noch immer unter Quarantäne im Hafen von Yokohama.
Quelle: AP

Ein Albtraum für die Reisenden: Noch immer sitzen gut 3.000 Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" in Japan fest. Seit zwei Wochen liegt das Kreuzfahrtschiff im Hafen von Yokohama unter Quarantäne.

454 Personen an Bord haben sich inzwischen mit dem Coronavirus infiziert – so viele wie an keinem Ort der Welt außerhalb Chinas. Mehrere Nationen haben angekündigt, ihre Staatsbürger zurückholen zu wollen. Am Montag wurden bereits 340 US-Amerikaner ausgeflogen.

Angesichts dieser Meldungen fragen sich viele Urlauber: Kann ich jetzt noch sorglos Kreuzfahrten antreten? Wie groß ist die Gefahr an Bord und womit muss ich rechnen, wenn sich tatsächlich Krankheiten unter den Passagieren ausbreiten?

Im Hafen von Yokohama in Japan sind 3.700 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes unter Quarantäne gestellt. Ein Mitreisender aus Hongkong wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

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Sind die Bordärzte der aktuellen Krise um das Coronavirus gewachsen?

"Was gerade passiert, ist eigentlich totaler Alltag", erklärt Prof. Dr. Olaf Schedler, Chefarzt am Helios Klinikum Bad Saarow und Spezialist für maritime Medizin. "Das sind genau die Szenarien, die am häufigsten trainiert werden." Ungewöhnlich oder außergewöhnlich sei es nicht, dass sich Infektionskrankheiten wie das Norovirus oder aktuell das neuartige Coronavirus unter Passagieren ausbreiten.

Die großen Redereien wie Carnival Cruise Line oder Royal Caribbean Cruises würden die gültigen internationalen Standards für die Vermeidung von Seuchen befolgen. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation WHO wie auch die Europäische Union haben Richtlinien für den Umgang mit Krankheiten auf Schiffen veröffentlicht.

Weltkarte mit angegebenen Corona-Fällen

Alle Vorgänge an Bord mit Blick auf die Gesundheit seien stark standardisiert. "Der Umgang mit dem Coronavirus an Bord ist bislang gut", betont Schedler.

Wie verbreiten sich Krankheiten an Bord?

Kreuzfahrtschiffe stellen Mediziner vor besondere Herausforderungen. "Infektionskrankheiten sind das größte Problem. Das liegt allein an der Menge an Menschen pro Quadratmeter", sagt Schedler. Er betont:

Es gibt kaum Orte weltweit mit einer höheren Dichte an Menschen als Kreuzfahrtschiffe.

Zwar werden Kreuzfahrtschiffe immer größer, die Zahl an Passagieren pro Quadratmeter würde sich aber nicht grundlegend ändern.

Wie eng man aufeinandersitzt, kann entscheidend sein für die Ausbreitung von Erregern. "Bei einem Abstand von weniger als einem Meter ist das Infektionsrisiko am größten", erklärt Schedler. Das sei vor allem an Orten wie den Bordrestaurants gegeben.

Archiv: Passagiere auf dem Sonnendeck des Kreuzfahrtschiffes
Auf Kreuzfahrtschiffen urlauben viele Menschen auf engem Raum. So steigt die Seuchengefahr. (Archivbild).
Quelle: dpa

Wie schützen sich Kreuzfahrtschiffe gegen Epidemien?

Bei den großen Kreuzfahrt-Reedereien haben die Krankenstationen an Bord mehrere Funktionen. Einerseits werden dort Kranke behandelt, gleichzeitig wird aber auch genau Buch über die aktuelle Gesundheitslage auf dem Schiff geführt.

In den "Medical Departments" wird in Echtzeit Ursachenforschung betrieben: Wo kommen Erreger her, ist ein bestimmter Teil des Schiffs besonders betroffen? So kann zentral gesteuert werden und Maßnahmen eingeleitet werden. Notfallpläne müssen dann nur noch abgerufen werden.

Was Passagiere bei ärztlichen Notfällen an Bord beachten sollten: Teils werden dafür deutlich höhere Kosten berechnet als bei einer Behandlung an Land.

Welche Maßnahmen können zum Schutz der Passagiere getroffen werden?

Treten bestimmte Krankheitsbilder häufiger auf, führt das Personal vorab festgelegte Notfallpläne aus. Die sind anfangs sehr niedrigschwellig - es werden zum Beispiel an mehr Stellen auf dem Schiff Desinfektionsmittel verteilt oder das Besteck häufiger ausgewechselt. "Das sind Maßnahmen, die die Passagiere oft gar nicht einmal bemerken", sagt Chefarzt Olaf Schedler.

Ab einem bestimmten Prozentsatz an Erkrankten können als nächste Eskalationsstufe lokale Quarantänemaßnahmen, zum Beispiel in den Kabinen, angeordnet werden. Diesen Anweisungen müssen Passagiere auch zwingend Folge leisten – wer trotz Quarantäne versucht, etwa seine Kabine zu verlassen, riskiert von der weiteren Reise ausgeschlossen zu werden.

Das gesamte Schiff in einem Hafen unter Quarantäne zu stellen, ist das äußerste Mittel. Es dient vor allem dem Schutz der Menschen an Land. Passagiere könnten Erreger entlang ihrer Reiseroute von Landungspunkt zu Landungspunkt tragen. "Alle an Bord müssen getestet werden, auch wenn sie keine Symptome zeigen. Bei 3.000 Menschen dauert das dann einfach einige Tage", erklärt Schedler.

Sobald es darum geht, ob und wie Reisende ein betroffenes Schiff verlassen dürfen, sind die Behörden in dem Staat gefragt, in dem das Schiff anlandet.

Wie können sich Reisende selbst schützen?

"Die Basics können schon viel helfen: Eine Armlänge Abstand, Händewaschen und Desinfizieren sind gute Vorsorgemaßnahmen. Das machen sie aber oft nicht", sagt Schedler. Diese Ratschläge seien lange bekannt, grundlegend neue Lehren aus dem Coronavirus könnten Kreuzfahrt-Anbieter darum bislang auch nicht ziehen. "Kreuzfahrten sind eine relativ sichere Sache."

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