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100-Jährige trotzen Corona - "Wir müssen den Kopf oben behalten"

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Mit mehr als 100 Jahren auch das noch: Corona hat den Alltag von Marta Neuhäuser und Margarethe Rothert stark verändert. Die alten Damen planen aber schon für die Zeit danach.

Marta Neuhäuser
Die 100-jährige Marta Neuhäuser aus Mainz ist zuversichtlich. Ihr Plan: eine große Party nach Corona.
Quelle: Marcel Burkhardt

Was haben Marta und Margarethe nicht alles erlebt? Kindheit in der Weimarer Republik, die eigenen Kinder durch die Kriegsgefahr gebracht, Aufbaujahre unter Adenauer… .Überhaupt: ein Leben voller Unrast und Arbeit. Und nun auch noch diese unsichere Corona-Zeit.

Der 79-jährige Sohn kümmert sich um die 100-jährige Mutter "Man hat ja alles mitgemacht, das war jetzt nicht unbedingt auch noch nötig", sagt Margarethe Rothert, geboren 1916. Sie und Marta Neuhäuser, Jahrgang 1920, sind Teil einer Generation, über die aktuell viel gesprochen wird. ZDFheute hat sie besucht.

Andere Tages-Highlights durch Corona

Der neue Höhepunkt des Tages ist für Marta Neuhäuser der Moment, wenn Sohn Benno (79) unter ihrem Fenster im Garten eines Mainzer Seniorenheims steht und ihr mithilfe einer Holzlatte einen Beutel mit der Lokalzeitung und einer kleinen Süßigkeit ins Zimmer reicht.

Die Söhne, die Enkel, die Urenkel, da kommt jeden Tag jemand, die lassen die Oma nicht im Stich, da bin ich froh.
Marta Neuhäuser

Neuhäuser greift fest zu und lacht dabei so fröhlich, dass es weithin zu hören ist. Sie sagt:

Sie umarmen und ihr ein Küsschen auf die Wange drücken, das machen sie aktuell nicht. "Aber das kommt auch wieder", ist sich die 100-Jährige sicher.

Mit Lebenserfahrung die Corona-Krise meistern - das gilt auf jeden Fall für diese beiden Damen. Margarethe Rothert (103) aus Hannover und Marta Neuhäuser (100) aus Mainz haben schon viel erlebt, aber so etwas noch nicht.

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Gewappnet durch Existenzkampf früherer Tage

Bis wieder mehr Nähe möglich ist, will sie sich in ihrem Zimmer, in dem sie derzeit die meiste Zeit allein verbringt, fit und bei Laune halten: "Ich mach’ täglich meine Gymnastik, meine Schwätzchen vom Balkon. Man muss mit dem zufrieden sein, was man hat."

Sie weiß, was Verzicht bedeutet: Existenzkampf. Ihr Mann ist früh gestorben. Geld war nie viel da, dafür umso mehr Aufgaben.

Rat an die Jungen: "Seid ehrlich zueinander!"

Neuhäuser sagt, sie fühle jetzt mit den jungen Menschen, die in der Krise unter Unsicherheit litten oder in wirtschaftliche Not geraten seien: "Ich kann nur eins sagen: Seid offen und ehrlich zueinander und haltet zusammen - es kommen auch wieder bessere Tage!"

Margarethe Rothert aus Hannover hofft das auch. Die Corona-bedingte Isolation im Altersheim macht ihr zu schaffen. Das Pflegepersonal muss auf Distanz bleiben, die Gesichter verborgen hinter Schutzmasken. "Es fehlt die menschliche Wärme", sagt Rothert. "Es ist so still."

Ihre Sorgen kreisen weniger um sich selbst als um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen. "Die ganze Ausbildung, das stockt ja alles zurzeit", sagt die 103-Jährige, und hofft auf ein baldiges Ende der Corona-Zeit:

Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Auf dieses Lichtlein wollen wir uns mal freuen.
Margarethe Rothert

In Mainz sprüht Marta Neuhäuser indes vor Zuversicht: "Wir sind alte Kämpfer, wir müssen den Kopf oben behalten, wir komme‘ da dursch", sagt sie im weichen rheinhessischen Dialekt und ballt die Hand zur Faust.

Nach Corona die große Party

Sie hat auch schon Pläne für die Zeit nach Corona: Mit ihrem Urenkel Hugo und insgesamt 100 Gästen will sie eine große Party feiern. Davor steht aber noch ein Pflichttermin an: Denn Marta Neuhäuser, so scheint es, bekommt aktuell nur wegen einer Sache wirklich die Krise: "Wenn ich in den Spiegel guck‘ und meine Frisur seh‘." Mehr als vier Wochen Corona-Schutzmaßnahmen haben nämlich auch den Friseurbesuch verhindert.

Im Video: Senioren in der Corona-Krise - zwischen Optimismus und Sorge

Wie gehen ältere Menschen mit dem Lockdown um? Was bereitet ihnen im Moment die größten Sorgen? Und was wünschen sie sich? Stimmen der Krise.

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Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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