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Live im Netz - So trotzt die Kultur dem Virus

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Museen sind geschlossen und klassische Konzerte ebenso wie Clubsessions abgesagt. In der Corona-Krise muss die Kulturwelt neue Wege gehen, damit das Publikum bleibt.

Tim Betzin wundert sich über den eigenen Erfolg. Dabei war sein Unternehmen noch Mitte März existentiell bedroht. Wegen der Verbreitung des Cornavirus. Mit etwa 20 Leuten betreibt der 31-Jährige jetzt aber noch immer eine digitale Empfehlungsplattform, die einen Überblick über die breite Kölner Kulturszene gibt und den Ticketverkauf für kleine Veranstalter übernimmt.

In NRW sind alle Veranstaltungen abgesagt

Nach dem Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums mussten alle Veranstaltungen abgesagt werden. "Wir waren geschockt", sagt Betzin. Doch die Panik wich schnell der Kreativität und so entstand nur zwei Tage später die rettende Idee: Kulturschaffende wurden dazu aufgerufen, Live-Streams anzubieten, die auf der digitalen Plattform dringeblieben.de veröffentlicht werden. Tim Betzing und sein Team wurden knapp fertig:

Das erste Live-Konzert war für Dienstag 18 Uhr angekündigt, wir waren um 18:01 Uhr mit der Programmierung fertig und es konnte losgehen.

Um räumliche Distanz zu wahren, spielen die meisten Bands in eigenen Räumen. Das Publikum ist live dabei, kann über einen Live-Chat kommentieren und zahlt statt Ticketgebühren Spenden.

Die Sängerin und Musikerin Coco Safir an ihrem Stagepiano. Sie gibt derzeit jeden Abend ein Balkonkonzert in der Wiesbadener Steingasse.

Balkonkonzert gegen Corona-Krise - "Musik kann die Menschen jetzt verbinden" 

Seit einer Woche gibt die Sängerin Coco Safir jeden Abend ein Konzert. Auf ihrem Balkon, für ihre Nachbarn. Die Botschaft: Jeder kann dem Coronavirus etwas Schönes entgegensetzen.

von Kevin Schubert

Konzert mit 500 Zuschauern im Internet

"Ich bin erstaunt, wie positiv die Leute auf die digitalen Live-Momente reagieren", sagt Betzin. Höhepunkt der ersten Woche: Ein Konzert mit 500 Zuschauern und 2.000 Euro Spenden. 300 Künstler haben sich mittlerweile bei dringeblieben beworben, denn die Plattform bietet ihnen eine Chance den momentanen Honorarausfall wenigstens ein bisschen auszugleichen.

"Konzerte im Netz sind keine Alternative für Live-Erlebnisse, bei denen Menschen in einem Raum zusammen kommen", betont Elena Kountidou, die Direktorin für Kommunikation und digitale Vermittlung des Konzerthauses Berlin. Sie entwickelt die Vermittlungskonzepte für klassische Musik im digitalen Raum.

Lang Lang für alle im Netz

Das Konzerthaus Berlin reagierte schnell auf die Situation und übertrug gemeinsam mit dem rbb am Mittwoch ein Konzert des Pianisten Lang Lang und des Geigers Daniel Hope ohne Publikum im Internet und im Radio.

Lang Lang im Konzerthaus Berlin
Lang Lang im Konzerthaus Berlin (Archiv): Weltberühmter Pianist, via Livestream im Wohnzimmer.
Quelle: Markus Werner

Den Livestream verfolgten 90.000 Menschen. "Das war vorerst die letzte große Produktion dieser Art. Wir müssen neue Wege suchen, um unseren Auftrag zu erfüllen", sagt Kountidou. Qualität und Mehrwert müssten dabei im Vordergrund stehen, die digitale Transformation sei aber nicht einfach.

Digitale Museumsbesuche haben einen Haken

Vor dieser Herausforderung stehen auch die Museen. Sie bieten seit einer Woche vermehrt Live-Chats mit Kuratoren, virtuelle Rundgänge und digitale Einblicke in ihre Sammlung, buhlen auf Youtube, Facebook und Instagram um Aufmerksamkeit.

Dabei sind die beliebten Formate nicht einfach in digitale Räume übertragbar. Im Museum gilt eine halbstündige Führung als kurz, in sozialen Medien endet die Aufmerksamkeitsspanne nach höchstens fünf Minuten.

Mit dem ZDF virtuell Kunst genießen: Die Digitale Kunstalle

Digitale Kunsthalle außen

Kultur | Digitale Kunsthalle - Die Digitale Kunsthalle 

Entdecke wechselnde Ausstellungen in unserem virtuellen Museum

Der Kulturbetrieb muss etwas tun

Clara Tang berät als Mitarbeiterin einer Berliner Agentur Museen bei der Entwicklung von digitalen Strategien. Seit einer Woche betreut sie ihre Kunden aus dem Homeoffice heraus, zurückgezogen und doch mittendrin. "Ich erhalte ständig Nachrichten von Institutionen, die neue digitale Angebote schicken, ihr Antrieb präsent bleiben zu wollen ist deutlich spürbar", sagt sie.

"Die Kunstwelt ist unter Zugzwang", beobachtet Tang. Das Bedürfnis mit den Besuchern in gewohnter Manier in Kontakt zu bleiben, gipfelt in der Ankündigung der Kunsthalle Baden-Baden: Jeder Teilnehmer, der sich zur Ausstellungseröffnung per Videokonferenz bis zum 1. April anmeldet, bekommt eine Flasche Prosecco. Per Post.

Ärzte und Krankenschwestern am 22.04.2020 in einem Krankenhaus in Barcelona
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