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Wie Corona Kunst und Kultur trifft

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Plötzlich ohne Einkommen - Wie Corona Kunst und Kultur trifft

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Das Coronavirus trifft Kulturschaffende besonders hart. Auftritte fallen aus, Engagements bleiben aus. Was das für sie bedeutet - und warum die Soforthilfen nicht alle erreichen.

Notenständer stehen im Konzerthaus vor leeren Zuschauersitzen auf der Bühne am 12.03.2020 in Dortmund
Aufgrund des Erlasses der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen finden im Konzerthaus Dortmund bis einschließlich 15. April 2020 keine öffentlichen Veranstaltungen statt.
Quelle: dpa

Die Leipziger Buchmesse war eine Art Vorbote. Etwa 280.000 Menschen hatten die Veranstalter Mitte März in Sachsen erwartet. Stattdessen kam keiner. Abgesagt. Wegen des Coronavirus.

Seitdem ist das kulturelle Leben in der deutschen Öffentlichkeit komplett zum Stillstand gekommen. Museen, Opern und Theater sind auf unbestimmte Zeit geschlossen. Schauspieler, Musiker und Tänzer - sie alle treten plötzlich nicht mehr auf, sind ohne Engagements, ohne Einkommen.

Was das Coronavirus für Künstler bedeutet

Für ZDFheute erzählen vier Kulturschaffende im Video, wie das Virus ihr Leben verändert. Sie erleben gerade Ähnliches wie 188.332 freiberufliche Autoren, Künstler und Musiker in Deutschland, die Anfang 2019 bei der Künstlersozialkasse versichert waren.

Keine Veranstaltungen, keine Auftritte, keine Einnahmen: Auch Kulturschaffende trifft die Corona-Krise schwer.

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Keine Auftritte, kein Einkommen

"Ich sehe vor allem, wie fragil die Aktivität eines Musikers ist", sagt der Dirigent Miguel Pérez Iñesta. Niemand wisse, wie sich die Lage mittelfristig entwickele, was langfristig wieder möglich sei. "Es ist im Moment noch nicht so klar, dass es wieder geht, 2.000 Leute in ein Konzerthaus zu kriegen", sagt der Spanier, der derzeit in Berlin lebt.

"Kurzfristig", sagt Iñesta, "ist die Situation vor allem für freischaffende Musiker sehr, sehr schwer. Vor allem für diejenigen, die nicht die Möglichkeiten gehabt haben, Rücklagen zu bilden in den letzten Jahren oder in den letzten Monaten."

"Durch die Absage von Veranstaltungen, die Schließung von Kneipen, Restaurants, Theatern sind große Betätigungsfelder weggebrochen", heißt es auch von der Künstlersozialkasse. "Es bleibt zu hoffen, dass die Künstler*innen ausreichend durch die Soforthilfen aufgefangen werden."

Sonia Bartucelli, Tänzerin, Choreografin, Dozentin und Inhaberin einer Berliner Tanzschule, listet die Projekte auf, an denen sie jetzt mitgewirkt hätte. Workshops, Theaterstücke, Fernsehproduktionen - alles abgesagt. "Bedeutet: absolut kein Einkommen", sagt Bartucelli.

Sehen Sie im Video, wie Corona das Kulturleben ausbremst.

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Zeit für eine Gewerkschaft

Bartucelli fordert, die Zeit des Wartens zu nutzen - und darüber nachzudenken, was getan werden könne, um nicht noch einmal in so eine Situation zu kommen.

Wir haben keinen Schutz. Wir leben von den Engagements.
Sonia Bartucelli, Tänzerin

Eine Lösung für sie: die Gründung einer Gewerkschaft.

"Die Krise zeigt, dass wir, wenn wir nicht arbeiten, wirklich sehr große finanzielle Probleme haben." Das könne auch in normalen Zeiten passieren, etwa bei Verletzungen. "Und das ist natürlich keine Situation, die weiterhin so bleiben sollte."

Soforthilfen nicht für alle Kulturschaffenden

Besonders Freiberufler sind derzeit betroffen. "Es wird ein bisschen vergessen, dass wir nicht nur Selbständige sind, sondern unständig Beschäftigte", sagt die Münchener Schauspielerin und Regisseurin Sofie Gross.

"Wir sind oft in Verträgen, die uns immer nur einen Tag anstellen", etwa beim Film oder als Synchronsprecherin. "Und das ist ganz schön blöd, weil die ganzen Soforthilfen, die jetzt gerade für Künstler*innen gestartet werden, für Selbständige sind", kritisiert Gross, "aber eben nicht für uns unständig Beschäftigte." Sie hofft, dass die Politik das noch korrigiert.

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Der immaterielle Schaden durch die Absagen

Was für die Kulturschaffenden vielleicht am schwersten ist: auf das verzichten, wofür sie brennen.

"Eigentlich hätte ich gestern Premiere gehabt", sagt die Schauspielerin Gross, "also wäre ich jetzt ganz schön verkatert gewesen."

Zwei Jahre habe sie in das Stück investiert, zusammen mit einer Freundin, der Regisseurin Cornelia Maschner, Regie geführt. Die Uraufführung wäre im "dasvinzenz" gewesen, das als kleinstes Theater in München gilt. "Jetzt suchen wir gerade einen neuen Termin, und versuchen alle SchauspielerInnen zusammenzukriegen."

Ob das noch einmal klappt - fraglich. Alle sind Freiberufler, haben mehrere Projekte, die nun allesamt neue Termine brauchen.

Manche Auftritte fallen aber auch komplett aus. So wie die von Tänzer Emanuele Co. "Ohne das Virus hätte ich im April und im Mai mehrere Auftritte gehabt", sagt der Italiener, der momentan in Mainz lebt. Selbst das Training sei wegen der Sicherheitsmaßnahmen kaum möglich. Seine Wohnung biete nicht den Platz eines Studios. Trotzdem sagt Co:

Das Wichtigste ist jetzt, gesund und aufmerksam zu bleiben.
Emanuele Co, Tänzer

Er hofft, dass in dieser Zeit niemand vergessen wird. "Die Kunst ist gerade in Quarantäne."

Wenn sie wieder frei ist, soll es noch Menschen geben, die es sich leisten können, sie zu machen.

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Die Autorin und der Autor auf Twitter: @frauhou und @waskevinsagt

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